
Ausbleibender Winter trifft Sportartikelbranche
2014 war im Prinzip ein gutes Jahr für den Sportfachhandel. Mit einer Ausnahme: dem Wintergeschäft. Warme Temperaturen vermiesen sowohl den Jahresauftakt als auch den Jahresabschluss.
David WöllensteinRedakteurWieder mal Ärger über frühe Rabattaktionen
Gerade im Süden der Republik macht das Geschäft mit Skiern, Winterjacken und warmen Stiefeln aufgrund der hohen Einzelbeträge bis zu einem Drittel des Jahresumsatzes eines Ladens aus. Entsprechend stark trifft das Ausbleiben des Winters die Einzelhändler. Hinzu kommen die Rabattaktionen, die manche Warenhäuser und Modeketten bereits Anfang Dezember durchgeführt haben. "Die sägen die Äste ab, von denen andere die Äpfel ernten wollen", schimpft der Intersport-Vorstandsvorsitzende Kim Roether.
Die Händler klagen noch über eine zweite Entwicklung, die ihnen das Leben schwer macht. "Die Industrie sucht den Kontakt zum Kunden zunehmend am Handel vorbei", bestätigt Sport2000-Geschäftsführer Andreas Rudolf entsprechende Beschwerden. Mit in Eigenregie betriebenen Markenläden, Internet-Shops und restriktiven Belieferungsvorschriften für die eingesessenen Sportfachläden umgingen große Hersteller den Handel und reduzierten oftmals schon bald nach der Einführung eines Produktes dessen Preis.
Unterschiedliche Preise problematisch
Den Kunden könne man schwer verständlich machen, warum etwa ein Laufschuh im Laden mehr koste als auf der Homepage des Herstellers, berichtet Intersport-Chef Roether. Ihm zufolge dürften die Mitglieder des größten deutschen Sporthandelsverbunds ihre Erlöse in diesem Jahr um etwas über zwei Prozent steigern.
Bei Sport2000 ist man optimistischer: "Wir werden auf jeden Fall mit mehr als vier Prozent abschneiden", kündigt Rudolf an. Beide Verbände zeigten sich auch mit Blick auf den Gewinn zufrieden, auch wenn die Marge - das Verhältnis des Ertrags zum Umsatz - unter Druck stehe.
Grund für das überproportionale Wachstum bei Sport2000 ist der Schwung durch die Fußball-WM. Viele Händler der Einkaufskooperation haben ihren Schwerpunkt auf Teamsport-Produkten. "Grundsätzlich sind Großveranstaltungen ein Plus für die Branche, weil sie die Leute emotionalisieren", erklärt Geschäftsführerin Nicole Espey vom Verband der Deutschen Sportartikel-Industrie. "Vor allem aber sind es die Breitensportveranstaltungen wie Volksläufe, Marathon oder Triathlon, die die Menschen mobilisieren."
Schwacher Rubel belastet
Entsprechend war der Laufsportbereich neben Fußball eines der großen Zugpferde in diesem Jahr. Auch Fitness und Outdoor liefen weiterhin gut. Von diesen Trends hätte Adidas als der größte europäische Hersteller eigentlich profitieren sollen. In der Tat legte "Running" zuletzt zweistellig zu, außerdem erzielten die Franken mit mehr als zwei Milliarden Euro einen Umsatzrekord mit Fußballprodukten.
Doch zugleich litt die weltweite Nummer Zwei der Branche im wichtigen russischen Markt unter Absatzschwierigkeiten und dem schwachen Rubel. Zudem brach das renditestarke Geschäft der Golfsparte ein. Die Folge: Adidas musste sein Gewinnziel für 2014 um ein Fünftel eindampfen.
Auch bei Puma lief es erneut nicht rund, die Gewinne schmolzen weiter dahin. Die Händler beobachten die Entwicklungen in Herzogenaurach mit Argusaugen - steht doch mit Under Armour ein neuer Konkurrent in den Startlöchern. Die US-Amerikaner hatten kürzlich angekündigt, Puma hierzulande innerhalb von drei Jahren vom dritten Platz verdrängen zu wollen. Das sind große Worte. Doch in den Vereinigten Staaten zeigt der Fitness- und Running-Spezialist bereits, was er kann. Dort hat er sich jüngst noch vor Adidas auf Rang zwei hinter Nike geschoben.

Redakteur
David Wöllenstein ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Er schreibt über E-Commerce, Retail-Technologie und digitale Geschäftsmodelle — zuletzt intensiv über Agentic Commerce und den Einsatz von KI im Handel.
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