
Schafft den E-Commerce ab!
Die Grenzen zwischen online und offline verschwinden. Und damit gehört auch der E-Commerce abgeschafft. Wenn alle Kanäle digital verschmelzen, dann braucht es einen neuen Begriff, der nicht das Denken korrumpiert.
Handel findet heute nicht mehr in irgendeinem Webshop oder in irgendeinem Laden statt. Das Shoppingerlebnis wird gestaltet von der Technologie. Das Digitale ist die Brücke zwischen dem Kunden und dem Produkt.
Verbannen wir also den Begriff vom E-Commerce-Manager von unseren Visitenkarten, streichen wir das Denken an den E-Commerce aus unseren Köpfen, glauben wir nicht mehr den "E-Commerce"-Experten. Denken wir stattdessen lieber in der Kategorie des Digital Commerce, des D-Commerce.
Der Digital Commerce ist ein Handelsraum in dem Kaufen und Verkaufen über das Internet, über Apps und jedwede technologisch aufgewertete Infrastruktur stattfindet. Dazu gehören dann nicht nur die Transaktionen, sondern beispielsweise alle Marketing-Prozesse, das Fulfillment, Service, entlang aller Kontaktpunkte - im Laden und im Webshop.
Die Brücke zwischen dem Kunden und dem Produkt ist digital
Der Begriff vom Digital Commerce ist umso sinnvoller, desto mehr sich der Einkauf und die Markenwahrnehmung vom physischen Shopping, das gegenwärtig selbst noch Online das Bild von einem Laden kennt, entkoppelt.
Location-based Services bei Macy’s oder Ikea in Kanada zeigen App-Nutzern, wo die Produkte in den Filialen liegen und führen ihre Kunden mit Hilfe künstlicher Intelligenz durch ihre Geschäfte. Kunden können auch Verkäufer per App in der Filiale ausfindig machen.
Vernetzung macht den Einkauf überall zum digitalen Prozess
Zalando beliefert Online-Kunden in Berlin bei Bedarf aus einem klassischen Adidas-Laden - oder schickt sie zur Warenabholung dort hin. Unterdessen entwickelt sich Click & Collect zum neuen Quasi-Standard. Ist das klassischer Handel? Ist das noch E-Commerce? Oder nicht doch etwas qualitativ Neues?
Schon im klassischen Online-Umfeld braucht es den Webshop immer weniger. Beispiel Facebook Buy-Button. Er soll es kleinen Unternehmen ermöglichen, ihre Verkäufe direkt über die Social-Media-Plattform abzuwickeln und so ihre Conversion-Rate zu steigern. Facebook könnte nicht nur die Nutzer auf der Seite halten, sondern eventuell auch mitkassieren. Ähnliche Buttons bauen auch Twitter und Pinterest in ihre Auftritte ein.
Es ist also wichtig, sich von dem althergebrachten Begriff des E-Commerce zu lösen. Es braucht den Begriff des Digital Commerce, um sich klar zu machen, das heute nichts mehr außerhalb der technologisierten Sphäre abspielt. Nicht einmal der Wochenmarkt. Weil dort Amazon in den USA auch schon die Einkäufe übernimmt.
Gleichzeitig benötigt man in Zeiten von Uber, Airbnb und Händlern, die mehr und mehr zur Plattform werden, den Begriff des D-Commerce, um sich des globalen und umfassendes Potenzials bewusst zu sein. Denn wir beginnen gerade erst zu verstehen, welche Chancen und Herausforderungen noch in einer sich immer schneller wandelnden Transformation, und in immer schneller auch vom Kunden akzeptierten Technologien liegen.
Chefredakteur
Olaf Kolbrück, 48, war lange Jahre Reporter Internet und E-Business bei Horizont. Seine Karriere bei Horizont, Fachmagazin für Marketing und Medien, startete er 2000 als Redakteur für Marketing, Web 2.0 und E-Commerce. Daneben gründete er den renommierten Marketing-Blog Off-the-Record.de und zählt zu den profiliertesten Bloggern für digitale Werbung und Marketing. Im Juli 2013 erschien sein Fachbuch "Erfolgsfaktor Online-Marketing - So werben Sie erfolgreich im Netz / E-Mail, Social Media, Mobile & Co. richtig nutzen" (Deutscher Fachverlag, Frankfurt). Anschließend ist von ihm der Kurzgeschichten-Band "Gebete an die Cloud - 5 phantastische digitale Geschichten" erschienen. (Printversion) 2009 gewann er den Innovationspreis des Deutschen Fachverlags. 2011 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des Vereins D64 – Zentrum für digitalen Fortschritt. Zu seiner früheren redaktionellen Tätigkeit zählen Positionen bei der Handelsgruppe Rewe in Köln und bei der Neue-Rhein-Zeitung. Nebenbei schreibt er Krimis. Sie finden den Autor bei Twitter unter dem Namen @OlafKolbrueck oder auch auf Facebook sowie bei Google+. Kolbrück bloggt auch noch hier. Mehr über Olaf Kolbrück als Autor gibt es auf kolbrueck.de.
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