
Was Händler tun müssen, um ihre Warenströme in Krisenzeiten stabil zu halten
Jahrelang galten stabile Warenströme als verlässliche Grundlage globaler Geschäftsmodelle. Diese Zeit ist vorbei. Einzelhändler müssen akzeptieren, dass der Krisenzustand nicht mehr die Ausnahme, sondern die neue Norm ist – mit allen Konsequenzen, die das für Lieferketten bedeutet.
Bisher sind die 2020er-Jahre durch eine nicht enden wollende Folge internationaler Krisen geprägt. Die Corona-Pandemie, Kriege, Zollkonflikte und viele weitere Unruhefaktoren sorgen dafür, dass Lieferketten dauerhaft unter Druck stehen. Bereits 2022 ernannte das Collins English Dictionary Permakrise (engl. permacrisis) zum Wort des Jahres. Das ist vier Jahre her, und am dauerhaften Ausnahmezustand hat sich seitdem nicht viel geändert. Im ersten Halbjahr 2026 sorgten vor allem die Eskalation im Nahen Osten sowie die Probleme auf der Handelsroute durch das Rote Meer für längere Transportzeiten, höhere Frachtraten und größere Unsicherheit bei Importen. Das hat viele Onlinehändler schwer getroffen.
Wer noch darauf wartet, dass „wieder Normalität einkehrt“, plant mit einem Szenario, das es auf absehbare Zeit nicht mehr geben wird. Für viele Unternehmen hat dieses Abwarten einen hohen Preis: Kosten für Transporte, Treibstoff und Rohstoffe steigen. Resilienz ist damit längst kein defensives Thema mehr, sondern ein harter Wettbewerbsfaktor. Wer zuverlässig liefern kann, gewinnt Marktanteile.
Gefragt sind daher agile Lieferkettenlösungen, die Veränderungen in Echtzeit abbilden und schnelle Reaktionen ermöglichen. Dazu gehören:
- Vereinheitlichtes TMS und WMS: Über die größte Transparenz verfügen Onlinehändler, die sämtliche Prozesse entlang der Lieferkette in einer einzigen, Plattform zusammenführen – vom Wareneingang über Lager und Transport bis in die Filiale oder zum Endkunden. Das erlaubt es ihnen zum Beispiel Sendungen schnell umzulenken, wenn aufgrund internationaler Konflikte Transportrouten unpassierbar werden oder unerwartete Zollschranken in Kraft treten.
- Unterstützung von KI-Agenten: KI-Agenten ermöglichen deutlich schnelleres Handeln in Situationen, in denen Minuten über Lieferfähigkeit und Kosten entscheiden. Sie beobachten, erkennen Muster, schlagen bessere Entscheidungen vor und können sie autonom umsetzen. Fällt etwa kurzfristig ein Lieferant aus, findet der KI-Agent selbstständig und transparent eine Alternative und kann den Wechsel direkt in die Wege leiten.
Ein Beispiel: Einem Unternehmen gelang es, Entlassungen beim Ladenpersonal zu vermeiden, weil sich das Geschäft dank der schnellen Bereitstellung neuer Funktionen wie Curbside-Pickup und Ship-from-Store kurzfristig in ein Versandlager umwandeln ließ.
Störung darf nicht zu Stillstand führen
Erfolgreiche Unternehmen müssen heute im permanenten Krisenmodus funktionieren können. Die klassische Steuerung mit Excel-Tabellen, isolierten IT-Systemen und manuellen Eingriffen reicht dafür nicht mehr aus. Besonders sichtbar wird das im Handel, wo On-Time-Store-Delivery die zentrale Zielgröße ist. Verbraucher erwarten volle Regale und Verfügbarkeit – auch in Zeiten von Volatilität und Kostendruck. Stabilität ist für Kunden selbstverständlich, auch im Online-Handel, selbst wenn sie hinter den Kulissen immer schwieriger zu halten ist.
Der notwendige Wandel vollzieht sich weg vom reaktiven Krisenmanagement und hin zu vorausschauender Steuerung. Mit digitalen Plattformen, vernetzten Daten und künstlicher Intelligenz lassen sich Risiken früher erkennen, Szenarien simulieren und Gegenmaßnahmen schneller umsetzen. So wird aus der Störung nicht automatisch ein Stillstand.
Gastautor
Sebastian Kirbus startete seine Karriere in der Logistikbranche vor neun Jahren als Consultant für Logistik, wo er erfolgreich Warehouse-Management-Systeme (WMS) in verschiedenen Unternehmen implementierte. Nach fünf Jahren, in denen er sich für die Optimierung der Betriebsabläufe einsetzte, wechselte Sebastian in den Vertrieb und wurde Solutions Consultant. Seit mehr als drei Jahren ist er bei Manhattan Associates tätig. Sebastian ist ein großer Fan von Technologie sowie KI und setzt sich leidenschaftlich dafür ein, diese Innovationen, einschließlich Generative AI, zu nutzen, um die Effizienz, Zuverlässigkeit und Nachhaltigkeit in der Logistik zu verbessern.
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