
Der angezählte Showmaster
Thomas Middelhoffs Tage an der Arcandor-Spitze sind gezählt. Wie kaum ein anderer produzierte er gute Nachrichten. Stets fühlte er sich in Finanzkreisen wohler als auf der Verkaufsfläche.
David WöllensteinRedakteurEr verkaufte Immobilien und Unternehmensteile, lagerte den Einkauf nach Hong Kong aus, veräußerte Konzerntöchter. Der Ex-Bertelsmann-Manager fand sogar einen Abnehmer für schwache Kaufhausfilialen in Städten wie Elmshorn oder Wesseling - Hertie war wiedergeboren.
Nebelkerzen und Ironie
Der Neue, bei Pressekonferenzen stets untadelig gekleidet und strahlend, wurde für seinen Mut gepriesen und für seine Deals geachtet - und blieb doch stets einer, der mit Nebelkerzen die nackten Tatsachen zu vertuschen versuchte.
Er veränderte kurzerhand die Berichtsperiode, so dass kein Geschäftsjahr mit dem anderen verglichen werden konnte. Und es gab immer einen Grund, weshalb seine früheren Prognosen nicht eingetroffen waren.
Im Aufschwung fruchtete seine Strategie, sie konnte sogar kurzfristig die Schwächen des Alltagsgeschäfts überdecken. Doch von den Spin-offs und Finanztransaktionen spürten etwa die Kunden der Problemtochter Karstadt nichts, auf der Fläche tat sich zuwenig. Das wurde Middelhoff letztendlich zum Verhängnis.
Dabei hätte er die Chance gehabt, als Konzernretter von Bord zu gehen: Wäre alles nach seinen Wunsch gegangen, hätte er bereits Ende 2007 die Kommandobrücke bei Arcandor verlassen. Doch Hauptaktionärin Madeleine Schickedanz und die Banken erzwangen eine unfreiwillige Verlängerung seines Vertrags.
Am Ende bleibt die Ironie: Middelhoff, ein begnadeter Verkäufer und One-Man-Show, scheiterte, weil er den Verkauf in den Filialen und bei den Versandtöchtern nicht ankurbeln konnte. Und darauf kommt es letztendlich bei einem Handelskonzern an.

Redakteur
David Wöllenstein ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Er schreibt über E-Commerce, Retail-Technologie und digitale Geschäftsmodelle — zuletzt intensiv über Agentic Commerce und den Einsatz von KI im Handel.
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