Mitarbeiterin dimmt Beleuchtung im Ladengeschäft angesichts der Energiekrise im Handel
© Higgsfield / Soul

Die Pandemie ist nicht das Problem

Seit dem 1. Oktober gelten neue Vorgaben im Infektionsschutzgesetz. Sie treffen auf eine eingespielte Einzelhandelsbranche. Deutlich größere Bauchschmerzen als das Virus bereitet die Energiekrise. Und: Die Vorgaben der Politik für den dritten Pandemie-Winter könnten in Konflikt mit Energiespar-Richtlinien geraten.

SBStefan BeckerRedakteur
3 Min.· Aktualisiert am
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Lust mag kein Kriterium im Kampf gegen eine Pandemie sein, dennoch hat Thomas Buchenau recht: Niemand ist scharf auf den dritten Pandemie-Winter. Nicht ohne Grund hat die Bundesregierung Lockdowns ausgeschlossen und für das Frühjahr das Ende aller Maßnahmen in Aussicht gestellt.Bis dahin aber gilt § 28b des Infektionsschutzgesetzes - wobei dieser bis zum 7. April begrenzte Paragraf für den Handel nichts Neues enthält (siehe Kasten). Und er trifft auf eine eingespielte Branche, die genauso selbstverständlich Desinfektionsständer aufbaut, wie sie die Weihnachtsdekoration aus dem Lager holt.

Hygienekonzepte des Handels haben sich bewährt

"Für alle unsere Märkte besteht ein umfassendes und modulares Hygienekonzept, das sich in der Vergangenheit als äußerst effektiv herausgestellt und bewährt hat", heißt es zum Beispiel von der Media Markt Saturn Retail Group.

Als Maßnahmen, auf die man je nach Lage des Infektionsgeschehens zurückgreifen kann, nennt das Unternehmen Desinfektion, Markierungen für Mindestabstände, digitale Einlasskontrollen, allgemeine Maskenpflicht für Kunden und Mitarbeitende - alles bekannt.

Kleine Läden wie die Autorenbuchhandlung in Frankfurt am Main haben die Plexiglaswände vor der Kasse abgebaut, auch das kleine Plakat mit der Bitte um freiwilliges Tragen der Maske ist von der Eingangstür verschwunden. "Der Umgang mit dem Virus ist inzwischen Alltag, die Maske ist nicht vorgeschrieben. Wir setzen darauf, dass Kunden, die Erkrankte im Umfeld haben, Maske tragen", sagt Geschäftsführerin Ines Lauffer.

Hygienemaßnahmen können schnell wieder installiert werden

"Wenn sich die Lage verschärft und im Gedrängel des Weihnachtsgeschäfts können wir Maskenpflicht, Plexiglas und Abstandsregeln schnell wieder installieren." Die Plätze für Veranstaltungen im Laden bleiben "pandemiebedingt beschränkt".

Auch in den Stores des Designmöbel-Händlers Cairo in Frankfurt am Main und Nürnberg hängt die Bitte um freiwilliges Maskentragen nicht mehr. "Die Mitarbeiter tragen freiwillig FFP2-Masken, das ist Kommunikation genug", sagt Vorstand Gero Furchheim. "Ansonsten haben wir die Hygienemaßnahmen auf recht hohem Standard fortgeführt und fühlen uns für den Winter gerüstet."

Gimmick bei Cairo: "Wir haben Design-Desinfektionsmittel-Ständer im Sortiment - und die nutzen wir auch." Den Spender "Hygn" gibt es in verschiedenen Ausführungen von 295 bis 1.227 Euro. "Er hat sich gut verkauft."

Händler können gestiegene Energiekosten nicht weitergeben

Während die Branche also eher gelassen auf die Pandemie blickt, bereitet die Gaskrise ihr ernste Sorgen. 86% der befragten Handelsunternehmen gaben in einer Umfrage des HDE an, sie könnten steigende Energiekosten nicht oder nicht vollständig auf die Verbraucherpreise aufschlagen.

Mehr als drei Viertel planten daher verstärkte Energiesparmaßnahmen, was aber womöglich nicht reicht: Mehr als die Hälfte sieht die wirtschaftliche Existenz bedroht. Die Forderung des HDE: "Der Staat muss nun auch dem Einzelhandel unter die Arme greifen."

Dieser Artikel erschien zuerst in Der Handel.

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Geschrieben vonStefan Becker

Redakteur

Stefan Becker arbeitet seit Sommer 2022 als Redakteur für „Der Handel“ und Etailment.de, nachdem er zuvor ein gutes Jahr als freier Mitarbeiter dabei war. Der Diplom-Journalist (TU Dortmund) kommt aus dem Lokaljournalismus („Recklinghäuser Zeitung“, Volontariat beim „Solinger Tageblatt“) und verbindet im Deutschen Fachverlag seine Erfahrungen aus dem Verbraucher- (sieben Jahre „Öko-Test“) und dem Fachzeitschriften-Journalismus (sechs Jahre „Touristik-Report“).

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