
Der große Dienstwagen für die große Urlaubsreise
Im Test von Der Handel stellt der Mercedes-Benz Viano seine praktischen Talente unter Beweis, kann aber nicht verbergen, dass er technisch in die Jahre gekommen ist.
Björn BöerChefredakteurHohe Anhängelast
Derart beladen und eventuell noch mit einem Hänger am Haken (maximale Anhängelast 2.000 Kilogramm; als Sonderausstattung in Verbindung mit Automatikgetriebe 2.500 Kilogramm), empfiehlt sich zumindest der stärkere der beiden Vierzylinder-Diesel mit 120 kW/163 PS, der den Zweitonner brav aber ohne Temperament und mit rustikalem Unterton antreibt.
Wer es komfortabler und dynamischer mag, greift zum Sechszylinder-Selbstzünder mit 165 kW/224 PS, muss dann aber mehr als 5.000 Euro drauflegen und wird an der Tankstelle sicher auch nicht mit einem Durchschnittswert von 8,4 Litern auf 100 Kilometern auskommen, die der 2,2 CDI im Test konsumierte.
Fast 1.000 Kilometer Reichweite mit einer Tankfüllung
Bei forscherer Gangart auf der Autobahn müssen aber auch mit dem Vierzylinder bereits rund zehn Liter einkalkuliert werden. Gemäßigtes Landstraßentempo belohnt der Viano mit einer "7" vor dem Komma. Dann reicht die Reichweite dank des 75-Liter-Tanks an die 1.000 Kilometer heran.
Dass der Viano von seinem Nutzfahrzeugbruder Vito abgeleitet ist, macht sich am auffälligsten bei den in dieser Sparte deutlich längeren Modellzyklen bemerkbar. Zwar wurde der große Wagen vor drei Jahren umfangreich renoviert, doch im Kern stammt der Schwabe aus dem spanischen Vitoria aus dem Jahre 2005. So fehlen viele technische Errungenschaften der jüngeren Zeit, wie die Fahrerassistenzsysteme aus dem Pkw-Bereich. Premium ist das nicht mehr.
Nachholbedarf bei Navigation und Bedienfunktionen
Der Nachholbedarf auch bei Navigation und Bedienfunktionen, wird besonders beim Vergleich mit der neuen S-Klasse deutlich, die soeben ihr vielbeachtetes Debüt in den Showrooms der Händler feierte und als aktuelles High-Tech-Vorzeigemodell des Daimler-Konzerns gilt. Solcherlei Glanz soll der Van im nächsten Jahr erhalten. Dem Vernehmen nach debütiert die nächste Generation im März 2014 auf dem Genfer Automobilsalon.
So punktet der noch aktuelle Viano neben den unendlichen Weiten im Innenraum vor allem mit zahlreichen Ablagen für Flaschen, Gläser und allerlei Reiseutensilien. Auch das variabel auf Schienen verschiebbare Gestühl überzeugt. Nur ausbauen sollte man die massiven Sitze mit dem Gewicht eines veritablen Fernsehsessels besser nicht.
Mercedes-typische Preisgestaltung
Zahlreiche Sonderausstattungen sind in preislich vorteilhaften Paketen verschnürt. Dennoch lässt sich der Viano mühelos zum Oberklassegefährt aufrüsten. Hier bleibt Mercedes-Benz seinem Ruf treu. Sinnvolle Beispiele aus der Verkaufsbroschüre sind die Luftfederung (2.028 Euro), Automatikgetriebe (2.285 Euro), Allradantrieb (3.874 Euro), Anhängerkupplung (ab 634 Euro), Bi-Xenon-Scheinwerfer (1.222 Euro), zusätzliche Schiebetür links (ab 837 Euro), Metalliclackierung (1.018 Euro) und Radio (ab 1.911 Euro).
Bernd Nusser

Chefredakteur
Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.
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