Der Mittelstand geizt mit Innovationen

Der Mittelstand geizt mit Innovationen

Mittelständische Unternehmen sind nicht gerade innovationsfreudig. Nur die ganz kleinen Betriebe überraschen mit Ideen, hat die KfW-Bank festgestellt.

Steffen GerthSteffen GerthRedakteur Der Handel und etailment
3 Min.· Aktualisiert am
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Einen halbwegs erfreulichen Trend gibt es aber: Die mittelständischen Unternehmen Deutschlands sind etwas innovationsfreudiger geworden. Sie investieren mehr in entsprechende Produkte und Prozesse, schreibt die Förderbank KfW in ihrem "Innovationsbericht 2016". Die Marktuntersuchung bildet allerdings den Zeitraum von 2012 bis 2014 ab.

Die Zahl der innovativen Mittelständler stieg demnach im Vergleich zur vorherigen Untersuchungsperiode 2011 bis 2013 um 32.000 auf nun etwa 1,05 Millionen Unternehmen - das entspricht einem kleinen Plus von knapp einem Prozentpunkt.

Nur die ganz Kleinen machen Hoffnung

"Der leichte Anstieg darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die kleinen und mittleren Unternehmen in den letzten Jahren erheblich an Innovationskraft eingebüßt haben", sagt Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der KfW. "Mitte der 2000er Jahre lag der Innovatorenanteil bei rund 40 Prozent. Aktuell bringt ein Drittel weniger Firmen Innovationen hervor als das vor der Finanzkrise der Fall war."

Der leichte Anstieg der mittelständischen Innovatorenquote ist ausschließlich den sehr kleinen und binnenwirtschaftlich ausgerichteten Unternehmen zu verdanken. 27 Prozent der Betriebe mit weniger als fünf Beschäftigten gelten demach als fortschrittlich, das sind 2 Prozentpunkte mehr als im vorherigen Untersuchungszeitraum. Damit ist laut KfW der Bereich des Mittelstands offen für Innovationen, der diese traditionell am wenigsten einführt und sich bei langfristiger Betrachtung auch am stärksten zurückgezogen hat.

Neue Produkte? Es könnte besser sein!

In allen anderen Größenklassen des Mittelstands ist die Innovatorenquote weiter gesunken. Selbst von den sehr großen Firmen mit 50 und mehr Beschäftigten investieren aktuell nur noch 55 Prozent in Modernität. Das sind weitere 2 Prozentpunkte weniger als in der letzten Untersuchung. Als Grund vermutet die KfW die anhaltend hohe Unsicherheit über das europäische Wirtschafts- und Finanzsystem der Zukunft.

Auch bei den Produkten ist der Mittelstand immer weniger erfindungsreich. 2004 haben noch rund 43 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen mehr als die Hälfte ihres Umsatzes mit neuen Produkten oder Dienstleistungen erwirtschaftet. Aktuell ist dieser Wert auf 31 Prozent geschrumpft, hat die KfW ermittelt. Im selben Zeitraum stieg der Anteil der Firmen, die keinen oder höchstens 10 Prozent ihres Umsatzes mit Innovationen erreichen von 30 Prozent auf jetzt 53 Prozent.

Neue Unternehmer braucht das Land

"Es gilt, einen weiteren Rückzug der Mittelständler aus der Innovationstätigkeit zu verhindern. Das Risiko wächst, dass der deutsche Mittelstand mit einer alternden Produktpalette international an Boden verliert", betont Zeuner.

Für den KfW-Manager hat Stabilität im europäischen Wirtschafts- und Finanzsystem Priorität, um den Unternehmen Sicherheit zu gewährleisten. Darüber hinaus sollte die Politik Innovationshemmnisse beseitigen. "Aber auch der Mangel an Unternehmernachwuchs und Fachpersonal, der sich durch die demografische Entwicklung noch verschärfen wird, muss jetzt angegangen werden", mahnt Zeuner und meint hier Weiterbildung und Qualifizierung.

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Steffen Gerth
Geschrieben vonSteffen Gerth

Redakteur Der Handel und etailment

Steffen Gerth ist Redakteur bei Der Handel und etailment. Für das Digital-Commerce-Magazin der dfv Mediengruppe schrieb er unter anderem die wöchentliche Kolumne "Die Woche im Handel" mit Analysen zum Strukturwandel im deutschen Einzelhandel.

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