Die neuen Männer

Die neuen Männer

Im Einkaufsverhalten unterscheiden sich Männern und Frauen längst nicht mehr so stark. Der Handel muss darauf eingehen. Das Verhalten von Männern zu.

Steffen GerthSteffen GerthRedakteur Der Handel und etailment
3 Min.· Aktualisiert am
Teilen
Viele Männer unterscheiden sich im Jahr 2008 erheblich von ihren Geschlechtsgenossen der Achtzigerjahre, und noch viel stärken von denen aus den Fünfziger- und Sechzigerjahren. Der einst harte Patriarch oder strenge Karrierist ist heute ein sensibles Wesen, lässt Gefühle zu, hat Sehnsucht nach Work-Life-Balance und kauft im Internet ein. Kochen ist schon längst keine Frauendomäne mehr.

Männlich allein genügt nicht

Dieses neue Denken erzeugt die Sehnsucht nach neuen Produkten - beispielsweise mit gesundem Genuss, Bio ist bei Männern im Trend. Die Marketingausrichtung auf reine Männlichkeit kann sich jedoch gegenteilig auswirken - für die Zukunftsforscher ist dafür der Misserfolg der „Cola Zero" ein gutes Beispiel.

Eine weitere Studie, „Gendermarketing im Einzelhandel" des Wolfenbütteler Wirtschaftsprofessor Joachim Hurth, belegt, dass sich Männer und Frauen im Kaufverhalten keineswegs mehr grundsätzlich unterscheiden. „Die gängige Hypothese, dass Frauen anders einkaufen, ist in dieser Allgemeinheit nicht haltbar", schreibt Hurth.

Hingabe für Elektronikartikel



Während Frauen zum Beispiel modische Textilien kaufen, investieren Männer eine vergleichbare Hingabe in die Anschaffung von Elektroprodukten. „Das Verhalten beim Einkauf hängt ganz deutlich vom Interesse an den Produkten ab", schreibt Professor Hurth. „Deshalb kann es vorkommen, dass ein modeinteressierter Mann häufiger und intensiver im Textilhandel kauft als manche Frau." Der Wirtschaftswissenschaftler sagt daher: „Auch wenn die Bedeutung der Frau als Käuferin groß ist, wäre es falsch, wenn der Handel sich nur mit weiblichen Kunden beschäftigen würde."

Denn etwa Männer in Singlehaushalten kaufen heute Produkte, die früher von Frauen erworben wurden. Dagegen kaufen weibliche Singles auch Bohrmaschinen im Baumarkt. Und Paare erleben Shopping als gemeinsame Freizeitbeschäftigung. Der verkaufsoffene Sonntag ist längst zum Familienausflug geworden.
Nur im Internet gibt es noch spürbare Unterschiede der Geschlechter, schreibt Hurth. „Hier bummeln Männer gerne, während Frauen gezielt einkaufen."

Wann ist ein Mann ein Mann?

Aber neue Erkenntnisse besagen, dass sich selbst dieser Zustand bald verändern wird. Das neue Einkaufsverhalten spiegelt letztlich auch das gesamtgesellschaftliche Männer-Frauen-Bild wieder: Deutschland hat erstmals eine Bundeskanzlerin, die Elternzeit wurde seit ihrer Einführung im Jahr 2007 von so vielen Männern in Anspruch genommen, dass die dafür geplanten Kosten aus Steuermitteln deutlich überschritten wurden.

Angesichts dieser zunehmenden Gleichheit der Geschlechter hat Professor Hurth eine Mahnung für den Handel: „Es geht nicht um Frauen- oder Männermarketing, sondern darum, den Kunden individuell zu beraten."

Teilen
Steffen Gerth
Geschrieben vonSteffen Gerth

Redakteur Der Handel und etailment

Steffen Gerth ist Redakteur bei Der Handel und etailment. Für das Digital-Commerce-Magazin der dfv Mediengruppe schrieb er unter anderem die wöchentliche Kolumne "Die Woche im Handel" mit Analysen zum Strukturwandel im deutschen Einzelhandel.

Alle Beiträge
Morning Briefing

Alles, was heute zählt — jeden Morgen in Ihrem Postfach.

Das Morning Briefing kuratiert die wichtigsten News aus E-Commerce und Handel. Kompakt, einordnend, werktäglich ab 7 Uhr.

  • 10.800+ Abonnenten
  • Werktäglich ab 7 Uhr
  • Jederzeit abbestellbar

Mit der Anmeldung stimmen Sie unserer Datenschutzerklärung zu. Abmeldung jederzeit möglich.