
Expansionsdrang im Einzelhandel ist ungebrochen
Stationäre Händler haben weniger Angst vor dem Internet als gedacht. Sie drängt es mit neuen Läden in die Innenstädte. Doch dort beklagen sie hohe Mieten und bürokratische Restriktionen.
Steffen GerthRedakteur Der Handel und etailmentMehr Standorte als im Vorjahr
Eigentlich sprechen diese Zahlen gegen den stationären Handel. Doch das Gegenteil ist der Fall. Die Branche expandiert weiter, das Filialnetz wird ausgebaut, heißt es in der Studie "Expansionstrends 2015", die das EHI Retail Institute in Kooperation mit dem Immobiliendienstleister Hahn-Gruppe durchgeführt hat.
So werden zwei Drittel der befragten Händler Ende 2015 mehr Standorte als im Vorjahr haben, während nur 13 Prozent ihr Filialnetz ausdünnen. Besonders expansive Branchen sind Lebensmittel, Drogerie, Gesundheit & Beauty sowie Bekleidung und Bau & Gartenmärkte.
Auf die Größe kommt es an
44 Prozent der Händler setzen außerdem auf größere Verkaufsflächen, weil sie ihren Kunden mehr Komfort und ein größeres Warenangebot bieten wollen. Nur etwa jeder vierte der Befragten verkleinert seine Verkaufsflächen - in erster Linie, um dadurch Kosten zu sparen. Auch die Multi-Channel-Vernetzung, bei der Lagerflächen und Präsenzware reduziert werden können, trägt zur Verkleinerung der Verkaufsflächen bei, heißt es in der Studie.
Den ersten Rang der beliebtesten Standorte teilen sich einzelne Geschäftshäuser und Fachmarktzentren. Shopping-Center belegen den dritten Platz. Die beliebteste Lage sind die Innenstädte - 70 Prozent suchen dort schwerpunktmäßig nach Flächen. Ebenfalls beliebt sind für 64 Prozent die Fachmarktagglomerationen. Die A-Lagen sind aufgrund der kleinteiligen Bausubstanz vieler Innenstädte vor allem für kleinflächige Formate geeignet: So geben 92 Prozent der Händler mit Verkaufsflächen unter 100 Quadratmeter die A-Lagen als Lagefavoriten an.
Die Flächen werden knapp
Gebremst wird der Expansionsdrang allerdings von verfügbaren Flächen - deren Mietpreise und Nebenkosten zudem nicht zu teuer sind. Auch baurechtliche Rahmenbedingungen haben eine hohe Bedeutung für großflächige Einzelhändler.
Und diese Sorgen belasten die Händler mehr als das Internet. Fast jeder zweite Händler sieht in der Konkurrenz durch den E-Commerce kaum eine Bedeutung für die stationäre Expansion. Gleichwohl gibt es auch Händler, die aufgrund des stärkeren Onlinehandels in den letzten 12 Monaten Frequenzrückgänge in ihren Läden zu verzeichnen haben.
Das Baurecht nervt die Händler
70 Prozent der Händler wünschen von der Politik, dass baurechtliche Restriktionen abgebaut werden. Auch die Stärkung öffentlicher Verkehrsmittel und eine autofreundlichere Politik fordern mehr als die Hälfte der Händler. Eine stärkere rechtliche Regulierung von Onlinehändlern ist keine favorisierte Maßnahme.
80 Prozent sehen den Markt für Shopping-Center in Deutschland als gesättigt an. 90 Prozent halten den Lebensmitteleinzelhandel aufgrund seiner Zugkraft für einen guten Ankermieter. Auch andere klassische Ankermieter in Shoppingcentern wie große Textil- oder Warenhäuser bleiben Magneten, glauben zwei Drittel der befragten Händler.

Redakteur Der Handel und etailment
Steffen Gerth ist Redakteur bei Der Handel und etailment. Für das Digital-Commerce-Magazin der dfv Mediengruppe schrieb er unter anderem die wöchentliche Kolumne "Die Woche im Handel" mit Analysen zum Strukturwandel im deutschen Einzelhandel.
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