
Glossybox: Ärger im Paket
Der Kosmetik-Abo-Dienst Glossybox zählt zu den Vorzeigemodellen in Sachen Abo-Commerce in Deutschland. Da schadet es auch nicht, dass Rocket Internet die Idee beim US-Vorbild Birchbox abgekupfert hat. Nun hebt Glossybox die Preise für das Abo von 10 auf 15 Euro an. Die automatisch und vehement einsetzende Kritik am Preismodell offenbart aber noch so manche andere ungeschminkte Wahrheit, die dem Image der Kosmetik-Wundertüte nicht gut zu Gesicht steht.
Nun hebt Glossybox die Preise für das Abo von 10 auf 15 Euro an. Die automatisch und vehement einsetzende Kritik am Preismodell offenbart aber noch so manche andere ungeschminkte Wahrheit, die dem Image der Kosmetik-Wundertüte nicht gut zu Gesicht steht.
Kritiker aus dem Wettbewerbsumfeld verteufelten das System gerne einmal als überteuertes Pröbchen-Abo für ein Trend-Prekariat. Auch im Web findet sich reichlich Kritik. Von Müll in der Box ist da die Rede, von Abzocke, von Produkten, die nicht zum Beauty-Profil passen. Positive Stimmen gibt es indes auch.
Dauerkritikpunkte seien aber, so schreibt das Blog magi-mania.de, "Produkte aus dem Kaufhaus für unter 5€, Pröbchen in der Größe, die einem Parfümerien auch umsonst geben" und einige Boxen seien "vollständig luxusfrei".
Dass ein gutes Qualitätsniveau schwer zu erreichen sein würde, das konnte man vorher ahnen. Für große Marken fand Kosmetik-Experte Christian Litsch 2011 das Modell nicht lukrativ genug: "Da wird sich jeder Brandmanager nicht zweimal überlegen müssen, ob er ein Marketingbudget von beispielsweise 50.000 Euro in einen Marketingevent mit einem regionalen Filialisten steckt, als in 20.000 Stück Samples bei Birchbox & Co. – wo er dann nicht weiß, ob die Kundin auch seine treue Kundin wird oder doch nur günstig an Top Make-up-Produkte für kleines Geld kommt."
Mit anderen Worten: Es war vorprogrammiert, dass in den Boxen eher B- und C-Marken zu finden sind.
Ob sich daran nun etwas ändern wird? Da bleibt Glossybox auf Nachfrage von magi-manie.de im Ungefähren. Den Wunsch der Kunden " nach Hochwertigkeit und Qualität" hat man aber registriert. Konkret wird das Unternehmen indes nicht.
Dabei dürfte sich die Akzeptanz - auch im Preis - deutlich steigern lassen, wenn Luxusmarken deutlicher im Sampling vertreten wären und entsprechend präsentiert würden. Auch ließen sich mit einer besseren Kommunikation kommender Kooperationspartner manche Kritiker, die nun mit Kündigung des Abos drohen, leichter besänftigen. So sieht die Preiserhöhung eher wie schlichte kalkulatorische Notwendigkeit aus. Mit wachsender Nutzerzahl schlagen schließlich die Versandkosten umso mächtiger ins Kontor.
So wirkt die Preiserhöhung eher so, als wolle man schnell noch die Bilanzen aufhübschen, nachdem neben der schwedischen Beteiligungsgesellschaft Kinnevik inzwischen Access Industries als weiterer Großinvestor eingestiegen ist, und dann in die Verkaufsverhandlungen mit Birchbox und Co einsteigen.
Die Preiserhöhung ist auch aus einem anderen Grund wenig sinnvoll. Die Differenzierung zu Mitbewerbern wie der DouglasBox of Beauty ist nicht groß genug. Dort kostet die Box derzeit weiter 10 Euro.
Chefredakteur
Olaf Kolbrück, 48, war lange Jahre Reporter Internet und E-Business bei Horizont. Seine Karriere bei Horizont, Fachmagazin für Marketing und Medien, startete er 2000 als Redakteur für Marketing, Web 2.0 und E-Commerce. Daneben gründete er den renommierten Marketing-Blog Off-the-Record.de und zählt zu den profiliertesten Bloggern für digitale Werbung und Marketing. Im Juli 2013 erschien sein Fachbuch "Erfolgsfaktor Online-Marketing - So werben Sie erfolgreich im Netz / E-Mail, Social Media, Mobile & Co. richtig nutzen" (Deutscher Fachverlag, Frankfurt). Anschließend ist von ihm der Kurzgeschichten-Band "Gebete an die Cloud - 5 phantastische digitale Geschichten" erschienen. (Printversion) 2009 gewann er den Innovationspreis des Deutschen Fachverlags. 2011 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des Vereins D64 – Zentrum für digitalen Fortschritt. Zu seiner früheren redaktionellen Tätigkeit zählen Positionen bei der Handelsgruppe Rewe in Köln und bei der Neue-Rhein-Zeitung. Nebenbei schreibt er Krimis. Sie finden den Autor bei Twitter unter dem Namen @OlafKolbrueck oder auch auf Facebook sowie bei Google+. Kolbrück bloggt auch noch hier. Mehr über Olaf Kolbrück als Autor gibt es auf kolbrueck.de.
Alle Beiträge