
GoButler und Co: Stellen SMS-Butler den E-Commerce auf den Kopf?
Ist das die Zukunft des E-Commerce? Butler-Dienste per SMS? Gehört der Webshop bald der Vergangenheit ein, weil man einem Concierge-Service per Handy einen Auftrag erteilt? Dienste wie "GoButler" aus Berlin oder "Magic" in den USA versprechen eine neue Wunderwelt des Service und die ultimative Bequemlichkeit. Doch was taugen die gerade hochgradig gehypten Dienste auf Dauer wirklich?
alter, wie geil seid ihr denn!? alles, ueberall, 24/7 per sms. @GoButlerGlobal fuck yeah! darauf habe ich gewartet!!! #dankbarkeitisangesagt
— joko winterscheidt (@officiallyjoko) 21. März 2015
Das System von GoButler und Co ist vergleichsweise simpel: Die Nutzer können nach der Registrierung dem SMS-Assistenten kostenlos Anfragen schicken, Theaterkarten bestellen, einen Döner, ein Hotel oder einen Anzug kaufen lassen. Bestellt werden kann so ziemlich alles und jedes - solange es legal ist.
Gezahlt wird dann für den Service oder das Produkt – oft mit einem ordentlichen Aufschlag.
#BL+11656#24/7 um Wünsche und Bestellungen wollen sich hierzulande auch, Mywichtel, bringmir.jetzt und „James, Bitte”, einem Dienst des Münchner Startups doido, kümmern. Der Dienst Sixtyone baut dagegen auf eine eigene App und verlangt zunächst einmal eine Mitgliedsgebühr von knapp zehn Euro monatlich für die persönliche Betreuung. Wer es etwas edler mag, der nutzt vermutlich den Lifestyle-Service John`s Bell, der sich schon vor dem Hype auf dem Markt etabliert hat.
Vorbild für die SMS-Butler der neuen Generation ist Magic in den USA. Dort ging der Dienst nach einer viralen Welle der Begeisterung zeitweilig sogar in die Knie. GoButler, deren Gründer aus dem Rocket Internet-Kosmos stammen, beispielsweise hat daraus gelernt und zwingt neue Kunden zunächst auf eine Warteliste.
Doch was kommt nach dem Hype und dem Ausprobier-Wahn der Early Adopter?
Bequemlichkeits-Trend
Interessant sind die Testballone, die je nach Modell auch eine Kommunikation per Mail oder WhatsApp ermöglichen, aus mehreren Gründen.
Sie setzen auf den Bequemlichkeits-Trend und auf eine Kundschaft, die aus Faulheit und Zeitgründen auch bereit ist, dafür zu zahlen.
#BL+11658#Und sie folgen dem Plattform-Trend, stellen sich als neue Mittelsmänner für mehr Service zur Verfügung und zeigen, dass Handel ein Stück weit auch ohne klassische Handelsfläche möglich ist.
Wie auch schon Instacart und Shopwings partizipieren sie dabei fast schon parasitär am Handel und forcieren die Stammkunden-Erosion. Anbietern wie Rewe und Co kann das mit ihren Liefermodellen ebensowenig gefallen, wie Multichannel-Anbietern mit ihren Click & Collect-Angeboten, wenn nämlich nur noch der Butler zum Abholen geschickt wird.
Mobilisierungspotential dank persönlicher Interaktion
Natürlich lassen sich derlei Modelle wie jeder andere Service-Aspekt „leicht“ in den eigenen Shop integrieren. Allerdings stehen diese Dienste auch für eine neue Generation im E-Commerce, die das Smartphone nicht als weiteren Kanal versteht, sondern das Handy zum zentralen Bestandteil der Strategie macht und auf das Mobilisierungspotential eines leicht erfahrbaren Mehrwertes setzt.
Was dem klassischen Handel dabei zu denken geben sollte, ist, das hier völlig neue mobile Infrastruktur-Anbieter das Feld betreten. So wie Uber keine eigenen Autos hat, Airbnb keine Hotels besitzt, haben die Butler-Dienste nicht mehr und nicht weniger aufzubieten als das Versprechen schneller interaktiver Erledigung und direkter, persönlicher Kundenbeziehung.
Dahinter steckt nicht für morgen, aber vielleicht für übermorgen ein gewaltiges Erfolgspotenzial, wenn sich die Concierge-Angebote zwischen den Kunden und seine Wahrnehmung von Handelsmarken schieben. Weil es dann gleichgültig ist, ob König Kunde das Produkt von Otto, Amazon oder „Mode Schmitz“ bekommt. Wann der Kunde nämlich König ist, dann kauft der König schließlich nicht selbst ein.
Chefredakteur
Olaf Kolbrück, 48, war lange Jahre Reporter Internet und E-Business bei Horizont. Seine Karriere bei Horizont, Fachmagazin für Marketing und Medien, startete er 2000 als Redakteur für Marketing, Web 2.0 und E-Commerce. Daneben gründete er den renommierten Marketing-Blog Off-the-Record.de und zählt zu den profiliertesten Bloggern für digitale Werbung und Marketing. Im Juli 2013 erschien sein Fachbuch "Erfolgsfaktor Online-Marketing - So werben Sie erfolgreich im Netz / E-Mail, Social Media, Mobile & Co. richtig nutzen" (Deutscher Fachverlag, Frankfurt). Anschließend ist von ihm der Kurzgeschichten-Band "Gebete an die Cloud - 5 phantastische digitale Geschichten" erschienen. (Printversion) 2009 gewann er den Innovationspreis des Deutschen Fachverlags. 2011 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des Vereins D64 – Zentrum für digitalen Fortschritt. Zu seiner früheren redaktionellen Tätigkeit zählen Positionen bei der Handelsgruppe Rewe in Köln und bei der Neue-Rhein-Zeitung. Nebenbei schreibt er Krimis. Sie finden den Autor bei Twitter unter dem Namen @OlafKolbrueck oder auch auf Facebook sowie bei Google+. Kolbrück bloggt auch noch hier. Mehr über Olaf Kolbrück als Autor gibt es auf kolbrueck.de.
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