
Groupon vor dem Börsengang
Die Gutschein-Website Groupon geht an die Börse. Die Bewertung ist mit 11 Milliarden Dollar geringer als erwartet - aber immer noch ein stolzer Preis.
David WöllensteinRedakteurVerluste massiv eingedampft
Groupon will inklusive einer Mehrzuteilungsoption insgesamt 34,5 Millionen Aktien platzieren. Bei einem Preis von 18 Dollar lägen die Einnahmen damit bei 621 Millionen Dollar - mitten in der von Anfang an angepeilten Spanne.
Bei Groupon können Unternehmen Rabatt-Coupons für ihr Geschäft anbieten. Der Deal kommt zustande, wenn eine bestimmte Anzahl von Interessenten zuschlägt. Groupon behält eine Kommission, typischerweise rund die Hälfte des Gutschein-Werts.
Das Unternehmen hat nach jüngsten Angaben insgesamt rund 142,9 Millionen registrierte Kunden - von denen jedoch lediglich 29,5 Millionen schon mindestens einmal bei einer Groupon-Rabattaktion mitgemacht haben.
Groupon zog bei den oft kritisierten hohen Ausgaben für die Kundengewinnung die Bremse an und konnte dadurch die bisherigen Verluste deutlich eindämmen. Doch das Geschäft wächst deutlich langsamer als zuvor.
So rückte der Umsatz im dritten Vierteljahr im Vergleich zum Vorquartal nur noch um knapp zehn Prozent auf 430 Millionen Dollar vor. Früher hatten sich die Erlöse oft von Quartal zu Quartal verdoppelt. Im abgelaufenen Quartal fielen noch rote Zahlen von 10,6 Millionen Dollar an - nach einem Minus von 101,2 Millionen Dollar im Vorquartal.
Ärger mit der Börsenaufsicht
Zuvor hatten konstant hohe Verluste grundsätzliche Zweifel am Geschäftsmodell genährt. Groupon unterhält ein Heer von Außenmitarbeitern, die Firmen für Rabattaktionen gewinnen.
Zuletzt musste Groupon wegen Bedenken der Börsenkontrolleure die Umsatz-Angaben praktisch halbieren - jetzt kommt nur noch die Kommission in die Bücher, und nicht der gesamte Coupon-Wert.
Schon zuvor tilgte Groupon auf Druck der Börsenaufsicht SEC eine Kennziffer, bei der das Ergebnis ohne die hohen Marketing-Kosten berechnet wurde. Hinzu kam Ärger mit der SEC, weil unter anderem Gründer Andrew Mason das Groupon-Geschäftsmodell in der sogenannten „stillen Periode" vor dem Börsengang verteidigte.
Google-Angebot abgelehnt
Groupon hatte den Gang an die Börse im Juni angekündigt. Beobachter hatten dem Internet-Senkrechtstarter sogar einen Milliarden-Börsengang zugetraut, insbesondere nachdem das junge Unternehmen ein Kaufangebot von Google im Wert von sechs Milliarden Dollar abgelehnt hatte.
2011 schien erst ein Spitzen-Jahr für Internet-Börsengänge zu werden, die Aktien des Business-Netzwerks LinkedIn und des Musikdienstes Pandora gingen zunächst steil nach oben. Doch dann trübte sich das Marktklima ein, und auch der Groupon-Börsengang geriet ins Stocken.

Redakteur
David Wöllenstein ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Er schreibt über E-Commerce, Retail-Technologie und digitale Geschäftsmodelle — zuletzt intensiv über Agentic Commerce und den Einsatz von KI im Handel.
Alle Beiträge