
So sieht es im digital vernetzten Karstadt aus
In seinem Düsseldorfer Flagship-Store übt sich Karstadt seit wenigen Wochen an der Vernetzung von on- und offline. Wie sieht es dort aus?
Es ist auch ein Signal des Aufbruchs, nachdem Karstadt das digitale Rad der Zeit 2016 erst einmal zurückgedreht hatte und online Sortimente ausmistete.
Nun also die sichtbare Kehrtwende: In seiner Düsseldorfer Vorzeige-Filiale erprobt Karstadt eine Leistungsschau digitaler Möglichkeiten am PoS. Basierend auf einem Konzept der Handelsberatung Tailorit sollen „innovative Lösungen on- und offline sinnvoll verknüpfen“. Doch wie sieht das aus:
Beispiel 1:
Die Grundzutat alle digitalen Ansätze: Eine vernetzte Umkleidekabine. Eingesetzt wird hier in der Demo-Phase auf einer Spezialfläche ein Modell von Phizzard. Der deutsche Anbieter setzt auf spiegelnde Touchscreens, die in den Umkleidekabinen installiert werden. Durch das Einscannen des Barcodes eines Kleidungsstücks können Styling-Vorschläge generiert oder eine Anfrage an den Verkäufer geschickt werden, das Teil in einer anderen Größe zu bringen.Über den intuitiv bedienbaren Spiegel können außerdem Produktinformationen abgerufen werden. Außerdem haben die Kundinnen und Kunden über den intelligenten Spiegel Zugang zum gesamten Sortiment – auch zum Onlineshop. Dadurch steige „die Kaufwahrscheinlichkeit, da nicht vorrätige Produkte unkompliziert bestellt werden können“, wirbt der Hersteller. So richtig vernetzten Sinn machen derlei Modelle schließlich immer dann, wenn Spiegel und Ware mit dem Onlineshop verknüpft sind und der Kunde sich die Artikel in den Warenkorb oder einen Wunschzettel legen kann, um sie direkt nach Hause liefern zu lassen – oder daheim noch einmal zu begutachten.
Beispiel 2:
Als weiterer digitaler Touchpoint auf dem mit wechselnden Themen gefüllten "Experience Store"-Fläche wird ein Social Mirror eingesetzt. Die Spiegel, die an überdimensionierte iPad erinnern, sollen bei Klamottenwahl und Kaufentscheidung helfen. Die mit einer Kamera ausgestatteten Spiegel sind mit den sozialen Netzwerken verbunden. So kann man sein gerade anprobiertes Outfit im Netz teilen und Freunde und Familie um Rat fragen. Technisch sind sie längst ein alter Hut. Dass sie sich noch nicht durchgesetzt haben, liegt vielleicht auch daran, dass man leichter und gefühlt datenschutzfreundlicher schnell mal ein paar Selfies mit dem Smartphone geteilt hat. Alle Aufnahmen mit dem hausintern „Delay Mirror“ genannten Spiegel werden zudem in den sozialen Medien mit dem Karstadt-Logo gebrandet.
Beispiel 3:
Zusätzliche Monitore, die als virtuelle Regalverlängerung (Endless Aisle) dienen, sollen informationsbedürftigen Kunden helfen. Bedienerfreundlicher Clou: Sobald ein Kunde Ware auf der Fläche davor platziert, werden ihm Infos zum Produkt oder passende Outfits gezeigt. Was Karstadt in Düsseldorf mit dem Dreiklang „Digital. Real. Perfekt.“ präsentiert, muss man vor allem als Test sehen. „Wir wollen wissen, was den Kunden am meisten interessiert und wie er damit umgeht. Wir haben bis jetzt schon eine ganze Menge Erkenntnisse gewonnen, die uns auf dem Weg, Karstadt zu einem vernetzten Marktplatz zu machen, helfen“, so Karstadt-Projektleiter Carsten Maeskes. „Twentyfoursevenkarstadt“ hat denn auch durchaus noch mehr auf dem Zettel. Mobiler PoS und Bon-Drucker beispielsweise, die die Mitarbeiter zu Omnichannel-Verkäufern machen sollen, Instore-Navigation in der Karstadt-App per Beacon und elektronische Preisetiketten, interaktive Schaufenster und Same Day Delivery, erklären die virtuellen Botschafter „Julia“ und „Thomas“ in einer „Guided Tour“.
01_Intro from twentyfoursevenkarstadt on Vimeo.
Ein Stück Motivation dürfte das schon im Vorjahr eingeleitete Konzept daher auch sein. Schließlich hat Karstadt-CEO Stephan Fanderl hohe Ziele: „Karstadt hat sich in den vergangenen drei Jahren mit hohem Tempo weiterentwickelt. Das Ziel bis 2020 ist, das Unternehmen zu einem der stärksten, über alle Vertriebskanäle erfolgreichen Händler in Deutschland zu entwickeln.“
Chefredakteur
Olaf Kolbrück, 48, war lange Jahre Reporter Internet und E-Business bei Horizont. Seine Karriere bei Horizont, Fachmagazin für Marketing und Medien, startete er 2000 als Redakteur für Marketing, Web 2.0 und E-Commerce. Daneben gründete er den renommierten Marketing-Blog Off-the-Record.de und zählt zu den profiliertesten Bloggern für digitale Werbung und Marketing. Im Juli 2013 erschien sein Fachbuch "Erfolgsfaktor Online-Marketing - So werben Sie erfolgreich im Netz / E-Mail, Social Media, Mobile & Co. richtig nutzen" (Deutscher Fachverlag, Frankfurt). Anschließend ist von ihm der Kurzgeschichten-Band "Gebete an die Cloud - 5 phantastische digitale Geschichten" erschienen. (Printversion) 2009 gewann er den Innovationspreis des Deutschen Fachverlags. 2011 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des Vereins D64 – Zentrum für digitalen Fortschritt. Zu seiner früheren redaktionellen Tätigkeit zählen Positionen bei der Handelsgruppe Rewe in Köln und bei der Neue-Rhein-Zeitung. Nebenbei schreibt er Krimis. Sie finden den Autor bei Twitter unter dem Namen @OlafKolbrueck oder auch auf Facebook sowie bei Google+. Kolbrück bloggt auch noch hier. Mehr über Olaf Kolbrück als Autor gibt es auf kolbrueck.de.
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