
Kippen, fühlen, sehen
Um Blüten zu erkennen, benötigt man nicht nur technische Hilfsmittel. In Kassenpass-Seminaren lernen Teilnehmer beispielsweise, wie sich falsches Geld anfühlt und Gauner Kassenpersonal austricksen wollen
Björn BöerChefredakteurVier Wochen dauert so eine Weiterbildung – an einem Tag steht auf dem Stundenplan, wie man Falschgeld erkennt. Es geht dabei nicht um die Prüfung per UV-Licht, "sondern um nichttechnische Erkennungsmethoden", wie es Dickmann formuliert. Er zeigt seinen Schülern beispielsweise, dass bei einer echten Euronote der Stichtiefdruck mit der Abkürzung der Europäischen Zentralbank in fünf Sprachen (BCE ECB EZB EKT EKP) zu fühlen ist, weil dieser sich von der Oberfläche abhebt.
Frauen sind sensibler
An drei Kassen im Seminarraum üben die Berliner Kursteilnehmer das Erkennen von Falschgeld, Dickmann schickt die Schüler ohne theoretische Unterweisung in die Übung, "ich lasse sie voll auflaufen. Umso größer ist der Aha-Effekt." Männer tun sich schwerer, gefälschte Noten zu erkennen, hat Dickmann festgestellt. "Frauen gehen sensibler mit Geld um."
Der Berliner Dozent sagt, dass das meiste Falschgeld dort in Umlauf gerät, wo keine Prüfgeräte mit UV-Licht vorhanden sind. Das ist nicht der Einzelhandel. Das größte Risiko geht vielmehr von Kiosken aus, wo weder technische Hilfsmittel noch geschultes Personal vorhanden sind.
Wie die Handelsfirmen ihre Mitarbeiter auf Falschgeld vorbereiten, ist offenbar Geheimsache, denn entsprechende Anfragen von Der Handel blieben meist ohne Erfolg. Nur die Metro Gruppe gab Auskunft. Der Konzern verlässt sich ebenfalls nicht nur auf die Technik. "Wir schulen unser Kassenpersonal für die Echtheitsprüfung mit dem sogenannten manuellen Dreier-Check: Fühlen der Oberfläche, Sehen der Banknote im Gegenlicht und Kippen der Banknote", sagt Stefan Scheiwe, Leiter Cash-Management. "Die Filialen können auch technische Hilfsmittel wie UV-Lampe, elektronische Tischtester oder zertifizierte Einzahlungsautomaten nutzen", betont Scheiwe.
Steffen Gerth
Dieser Artikel ist in der Ausgabe 1/2011 von Der Handel erschienen. Hier können Sie ein Probeheft bestellen.

Chefredakteur
Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.
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