Media-for-Equity: Wenn sich der E-Commerce ans TV verkauft

Media-for-Equity: Wenn sich der E-Commerce ans TV verkauft

Es gab eine Zeit, da redeten Fernsehsender wie ProSiebenSat.1 eher ungern über ihr Modell Media-for-Equity. Unternehmensanteile gegen TV-Spots einzutauschen, das klang dann doch zeitweilig ein wenig nach einem etwas eigenartigen Deal um leere Werbeblöcke zu füllen. Spätestens seit dem Pro Sieben Sat 1 Media und mit ihr die Unit Seven Ventures erfolgreich freie Werbeflächen kapitalisiert und mit Zalando noch dazu einen erfolgreichen Case vorzeigen konnte, ist der Blick auf die beiden Modelle "...

OKOlaf KolbrückChefredakteur
3 Min.· Aktualisiert am
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Spätestens seit dem Pro Sieben Sat 1 Media und mit ihr die Unit Seven Ventures erfolgreich freie Werbeflächen kapitalisiert und mit Zalando noch dazu einen erfolgreichen Case vorzeigen konnte, ist der Blick auf die beiden Modelle "Media for Revenue Share" und "Media for Equity" deutlich heiterer. In jüngster Zeit macht das Konzept zunehmend Schule. In dieser Woche machten gleich zwei neue Kooperationen Schlagzeilen.

ProSiebenSat1 holt sich 60 Prozent von Preis24

Gerade eben hat die Venture-Tochter der ProSiebenSat.1 Group im Rahmen eines Media-for-Equity-Deals 60 % an preis24.de erworben. "Da eine unmittelbare Verbindung von E-Commerce und TV besteht, bereichert preis24.de unser Beteiligungsportfolio um ein Online-Portal mit sehr guten Erfolgsaussichten", sagt Claas van Delden, Geschäftsführer SevenVentures. Eine spätere Einbindung von Services der Preisvergleich-Plattform zu Top-Deals für Verträge von privaten Haushalten im Bereich Mobilfunk und DSL in die Web-Auftritte der Senderfamilie scheint da gar nicht einmal ausgeschlossen.

Aus Sicht der Start-ups und E-Commerce-Anbieter kann es dabei durchaus Sinn machen, Werbezeiten gegen Umsatz- oder Firmenbeteiligung einzutauschen. Angesichts des Wettbewerbs sind sie gezwungen, ihre Wahrnehmung schleunigst zu erhöhen. Auch um ihren Investoren Erfolge bei der Zielgruppe vorzuweisen. Das Mittel der Wahl ist da immer noch TV-Werbung. Die aber wäre trotz diverser Rabatte für ein junges Unternehmen nur teuer einzukaufen. Geld, das dann an anderer Stelle fehlt. Hinzu kommt: Kleinen Unternehmen fehlt vielfach die Media-Agentur oder das Know-how, um sinnvolle Mediaplanung abschätzen zu können.

40 Millionen Euro will die ProSiebenSat.1 Group im vergangenen Jahr mit dem Modell verdient haben. Cash Flow ist aber nur ein Ziel. Der andere ist ein gewinnträchtiger Exit. Für Zalando bezeichnet Hans Fink, Vorsitz der Geschäftsführung der SevenVentures, "Minimum Guarantee" und "Exit value" als die beiden Erlösquellen der Kooperation. Rund 30 Partnerschaften (u.a. Zalando, eDarling, Trivago) umfasst das Portfolio derzeit.

GMPVC: Serientäter bei Media-for-Equity

Doch der Sender ist mit dem Konzept nicht allein.

Da ist etwa GMPVC, gegründet vom Berliner Investor Niko Waesche, das sich mit Media-for-Equity-Leistungen soeben am Männer-Shoppingclub Paul Direkt beteiligt und bei N-TV in die Werbeblöcke schubst. Eine zehnmonatige TV-Kampagne im siebenstelligen Bereich soll so von GMPVC Media-Partner N24 angeschoben werden.

GMPVC selbst ist kein Sender, sondern ein unabhängiger Media-for-Equity-Investor in dem sich N24 Media, die Radio-Gruppe Regiocast und der Außenwerber Wall unter dem Namen German Media Pool zusammengeschlossen haben. German Media Pool wirbt damit, dass es anders als die TV-Sender durch diese Kombination crossmediale und zielgruppenspezifische Pakete anbieten könne.

Zum Portfolio von GMPVC gehört auch 9flats. Für die Plattform zur Ver- und Anmietung von Privatunterkünften wurde im Januar die erste cross-mediale Kampagne in TV und auf Plakat losgetreten. Bereits 2011 dockte GMPVC beim Homeware-Anbieter Urbanara an.

Da geht noch mehr. Laut W+V ist die ProSieben-Unit Seven Ventures weiter auf Suche nach Beteiligungen im Bereich von Datingportalen, Reiseseiten, Mobile, Erziehungsplattformen und Lifestyle.

Man kann es sich natürlich auch "einfacher" machen: RTL interactive hat das Coupon-Portal Gutscheine.de einfach schlicht komplett übernommen.

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Geschrieben vonOlaf Kolbrück

Chefredakteur

Olaf Kolbrück, 48, war lange Jahre Reporter Internet und E-Business bei Horizont. Seine Karriere bei Horizont, Fachmagazin für Marketing und Medien, startete er 2000 als Redakteur für Marketing, Web 2.0 und E-Commerce. Daneben gründete er den renommierten Marketing-Blog Off-the-Record.de und zählt zu den profiliertesten Bloggern für digitale Werbung und Marketing. Im Juli 2013 erschien sein Fachbuch "Erfolgsfaktor Online-Marketing - So werben Sie erfolgreich im Netz / E-Mail, Social Media, Mobile & Co. richtig nutzen" (Deutscher Fachverlag, Frankfurt). Anschließend ist von ihm der Kurzgeschichten-Band "Gebete an die Cloud - 5 phantastische digitale Geschichten" erschienen. (Printversion) 2009 gewann er den Innovationspreis des Deutschen Fachverlags. 2011 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des Vereins D64 – Zentrum für digitalen Fortschritt. Zu seiner früheren redaktionellen Tätigkeit zählen Positionen bei der Handelsgruppe Rewe in Köln und bei der Neue-Rhein-Zeitung. Nebenbei schreibt er Krimis. Sie finden den Autor bei Twitter unter dem Namen @OlafKolbrueck oder auch auf Facebook sowie bei Google+. Kolbrück bloggt auch noch hier. Mehr über Olaf Kolbrück als Autor gibt es auf kolbrueck.de.

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