
Media-Markt stoppt Superschützen an der Torwand
Wer an der Torwand trifft, bekommt den Einkauf geschenkt. Damit lockte Media-Markt Anfang Juni die Kunden. Ein Hobbyfußballer aus Aachen griff darauf reihenweise Elektrogeräte ab - auch für andere Kunden.
Drei von fünf seiner Schüsse gingen ins Loch. Beflügelt von dem Erfolg kaufte der Aachener weiter ein: DVDs sowie ein Mini-Radio und noch eine Kaffeemaschine. Wieder traf er zweimal.
"In großem Stil eingekauft"
Schließlich profitierten noch weitere Kunden von Wards Treffsicherheit. So auch eine ältere Dame, die gerade acht Tablet-PCs für insgesamt 2.400 Euro gekauft hatte und ihn nach Wards Angaben bat, für sie zu schießen. Als das auch gelang, hatte sich bereits ein Menschenauflauf um die Torwand gebildet, und Ward beendete sein Schützenfest - fürs Erste. Am nächsten Tag kehrte er zusammen mit seine Vetter und zwei Freunden zurück und packte einen Wäschetrockner, fünf Navigationsgeräte in den Einkaufswagen.
Als er sich diesmal mit acht Kassenbons der Torwand näherte, machte die Marktleitung dem Treiben ein Ende - wie Ward der "Welt" sagte, auf "rüde" Art und Weise. "Man warf mir vor, ein bandenmäßiger Betrüger" zu sein, wird der Hobbyfußballer zitiert.
Bei Media-Markt sieht man das anders. Eine Unternehmenssprecherin sagte, das Gespräch sei "ruhig und freundlich" verlaufen. "Der Kunde hat gekauft, getroffen, gekauft, getroffen. Es gab das Gerücht, dass er mehrere Kunden angesprochen und ihnen seine Hilfe angeboten hat. Am Tag danach ist er mit einer ganzen Crew gekommen und hat im ganz großen Stil eingekauft - und zwar in nicht handelsüblichen Mengen, sondern gewerblich. Das ist nicht zulässig."
Mit Ventilatoren warmgespielt
Offenbar reizen Aktionen wie das Torwandschießen Kunden damit, einmal richtig abzusahnen. So hat sich das Torwandschießen auch für Michael Görlitz, Außenstürmer beim Zweitligisten Frankfurter FSV, gelohnt. Der gewann zwar nicht reihenweise Elektrogeräte wie Ward, holte sich aber ganz gezielt einen hochwertigen Fernseher.
Wie der 26-Jährige der Bild-Zeitung erzählte, bereitete er den Coup aber generalstabsmäßig vor: indem er zunächst mehrere Kleinartikel wie billige Ventilatoren kaufte. Dann trainierte er solange an der Torwand, bis er sich sicher war, den Fernseher im Wert von 1.500 Euro zu gewinnen.
Redakteurin
Ulrike Sanz Grossón schreibt seit 2017 auf etailment.de über die digitalen Konzepte großer und kleinerer Einzelhandelsunternehmen. Die studierte Germanistin und Amerikanistin war journalistisch zunächst als freie Mitarbeiterin in der Lokalredaktion der "Taunus-Zeitung" (Frankfurter Neue Presse) und bei "Horizont" tätig. Es folgte das Volontariat bei der "Lebensmittel Zeitung". Seit 2003 schreibt sie als Redakteurin für verschiedene Publikationen des Deutschen Fachverlags.
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