
Metros 'Nebelwand' hat sich noch nicht gelichtet
Die Metro Group leidet trotz des Sparprogramms unter der Wirtschaftskrise. Metro-Chef Cordes bekräftigte aber noch einmal, dass er weiterhin Interesse an Karstadt hat.
David WöllensteinRedakteurMetro leidet unter Krise und Währungsschwankungen
An der europaweiten Nummer zwei ist die Wirtschaftskrise in den zurückliegenden Monaten nicht spurlos vorbeigegangen. Vor allem die starken Währungsschwankungen in Osteuropa belasteten den stark auf das Ausland setzenden Konzern. Auf dem Heimatmarkt verlief das Geschäft hingegen einigermaßen stabil. Konzernweit sanken die Erlöse im dritten Quartal um 4,6 Prozent auf 15,6 Milliarden Euro. Der Gewinn lag mit 357 Millionen Euro knapp unter dem Vorjahresniveau.
Unter dem Strich stand ein Überschuss von 72 Millionen Euro nach
183 Millionen Euro im Vorjahr. Verantwortlich für den Gewinnrückgang waren unter anderem die Kosten für den Konzernumbau, der laut Cordes aber bereits erste Einspareffekte zeigt. Seit Jahresanfang wurden dem Vorstandschef zufolge bereits 100 Millionen Euro gespart. Der Großteil stammt aus dem Abbau von weltweit knapp 5.000 Stellen.
Börse reagiert positiv
Die Börse honorierte die Zahlen, die besser ausfielen als von vielen Marktteilnehmern erwartet. Die Metro-Aktie gehörte zu den größten Gewinnern im Dax und verbuchte zuletzt ein Plus von 2,6 Prozent auf 38,47 Euro. Auch Metro-Chef Cordes zeigte sich zufrieden: "Die Metro ist beim Umsatz in vielen Ländern besser als der Markt."
Fortschritte gemacht haben aus Cordes Sicht auch die beiden größten Baustellen im Konzern: Das deutsche Großhandelsgeschäft (Cash & Carry) und die Lebensmitteltochter Real. Im dritten Quartal verbuchte das Deutschlandgeschäft von Cash & Carry allerdings einen Umsatzrückgang von 5 Prozent. Deutlich schwächer entwickelte sich der Auslandsmarkt.
Weiterhin Interesse an Karstadt
Die unter dem Namen Real laufenden Supermärkte wurden von dem derzeit tobenden Preiskampf im deutschen Lebensmitteleinzelhandel ausgebremst. Ihr Umsatz sank um 4 Prozent. Das Glanzstück in der Metro-Gruppe waren erneut die Elektronikketten Media Markt und Saturn, deren Umsatz in Deutschland um 6,5 Prozent stieg.
Ein Umsatzminus von gut 4 Prozent verbuchten die Kaufhäuser Galeria Kaufhof, weil das warme Wetter bis in den September hinein den Verkauf von Wintertextilien erschwerte. Metro zählt Kaufhof nicht mehr zum Kerngeschäft und würde die Tochter am liebsten in einer Deutschen Warenhaus AG mit dem Konkurrenten Karstadt zusammenlegen.
Cordes erneuerte bei dieser Gelegenheit sein Interesse an Karstadt. Er will die Kette aber nicht wie vom Karstadt-Insolvenzverwalter gewünscht als Ganzes, sondern höchstens zwei Drittel der 90 Häuser übernehmen.
Gespräche liegen auf Eis
Derzeit liegen die Gespräche auf Eis. In der nächsten Woche tagt die Gläubigerversammlung von Karstadt, was vielleicht neuen Schwung in die Verhandlungen bringen könnte. Laut Cordes hatte Metro bislang noch keine Gelegenheit, einen ausführlichen Blick in die Bücher zu werfen. Daher habe man noch kein Angebot abgeben können. "Das wäre so, als würden wir ein Auto kaufen, ohne vorher Baujahr und Kilometerleistung zu kennen", sagte Cordes.

Redakteur
David Wöllenstein ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Er schreibt über E-Commerce, Retail-Technologie und digitale Geschäftsmodelle — zuletzt intensiv über Agentic Commerce und den Einsatz von KI im Handel.
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