Mobile Commerce: Labor-Tests sind sinnlos

Mobile Commerce: Labor-Tests sind sinnlos

Eyetracking und klassische Usability-Tests laufen bei Smartphones ins Leere, weil der Nutzungskontext so variabel ist. Was muß man tun, um herauszufinden, was die User mit Apps und mobilen Websites wirklich machen? Fünf Fragen an, Juliane Hartmann Managing Director beim User-Experience-Dienstleister MPathy, zu dessen Kunden unter anderem Heine, Sportscheck und Bonprix gehören.

FPFrank PuscherRedakteur
3 Min.· Aktualisiert am
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Frau Hartmann, wo liegt die Schwierigkeit im neuen Marktsegment Mobile Analytics?

Juliane Hartmann, Managing Director MPathy: Ein Problem ist, dass die Nutzer ständig die Endgeräte wechseln, oder sie gehen mit dem Smartphone mal auf die mobile Website und mal auf die normale. Die meisten Messverfahren bilden immer nur Ausschnitte ab. Auch uns gelingt das nur zum Teil. Wir benutzen zum Beispiel einen einheitlichen JavaScript-Code, dadurch kann unser System den Wechsel von App zu Website erkennen und verfolgen.

Noch besser funktioniert das Tracking aber, wenn der Nutzer sich selbst zu erkennen gibt. Man sollte sich unbedingt etwas einfallen lassen, was das LogIn sinnvoll macht.

Gibt es technische Probleme beim Tracking von Smartphones?



Hartmann: Nicht mehr viele. Es gibt auf der Android-Plattform Browser, die die Interaktion nicht sauber zurückgeben. Und natürlich muss man einordnen, was Inaktivität bedeutet. Ist die Verbindung abgerissen oder hat der Nutzer die Handlung bewusst abgebrochen?

#BL+5130#Was für uns die größere Herausforderung war, war die Vielzahl an Interaktionsparametern in den Griff zu bekommen. In unserem Websystem arbeiten wir mit einem Koordinatengerüst und können dann die User-Session nachbilden. Das funktioniert mit dem Smartphone nicht, da gibt es zu viele unterschiedliche Bildschirmgrößen. Jetzt macht unser System im Hintergrund permanent Screenshots und dadurch können wir zum Beispiel auch den Ausschnitt erkennen, in den ein Nutzer gezoomt hat.

Welche Probleme sehen Sie in der Nutzung häufig?



Hartmann: Ein typisches Problem ist, dass Nutzer auf eine Telefonnummer tippen, um einen Anruf auszulösen. Wenn das nicht funktioniert, navigieren die Nutzer ständig zum Homescreen und zurück, um die Nummer mühevoll abzutippen. Häufiger als im Web sehen wir Interaktionen, die ins Leere laufen.

Außerdem vergessen viele Anbieter, dass man Formularfelder so definieren kann, dass die Tastatur im Smartphone bereits richtig vor eingestellt ist, zum Beispiel wenn man nur Zahlen eingeben darf wie bei der Postleitzahl.

Sie halten nicht viel von klassischen Usability-Tests?



Hartmann: Grundsätzlich schon, aber in diesem Fall nicht. Die Laborsituation ist so weit weg vom echten Nutzungsszenario. Wenn ein Nutzer eine Aktion nicht beendet, dann kann das ja sein, dass er die Seite nicht verstanden hat, oder dass der Bus gerade kommt auf den er wartete. Nein. Labortests sind nur für die Prototypenentwicklung geeignet.

Gibt es Parallelen in der Nutzung des Web, wenn man mobile und stationär vergleicht?



Hartmann: Nein. Mobile Nutzer verhalten sich komplett unterschiedlich. Produktdetailseiten sind weit weniger wichtig, dafür hat die Site-interne Suche eine höhere Bedeutung. Die Nutzer wollen schneller zum Ziel kommen.

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FP
Geschrieben vonFrank Puscher

Redakteur

Frank Puscher arbeitet seit über 20 Jahren als Journalist in der Online-Branche. Er schreibt regelmäßig für Publikationen wie InternetWorld Business, Ct, InternetMagazin, WebSelling oder die Absatzwirtschaft. Seine Lieblingsthemen sind Usability, E-Commerce und Online-Marketing. Seit 12 Jahren arbeitet Puscher außerdem als Moderator auf Online-Veranstaltungen. Außerdem berät er Unternehmen und öffentliche Institutionen im Umgang mit Online-Marketing und Social Media. Puscher ist diplomierter Volkswirt, herzblütiger Schwabe und Spezialist für Gutschein-Themen. Er gibt mit seinem Verlag Spielfigur ein Golf-Gutscheinbuch für die Metropolregion Hamburg heraus. Frank Puscher im Web: www.puscher.de, www.spielfigur.de

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