So fahren Unternehmen in die Zukunft

So fahren Unternehmen in die Zukunft

Das Angebot an Apps und Services für die Mobilität ist schier unüberschaubar – und das ist erst der Anfang! Was im Arbeitsalltag Zeit und Geld spart, finden Sie in der folgenden Übersicht.

BNBernd NusserRedakteur Der Handel / Lebensmittel Zeitung
5 Min.· Aktualisiert am
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Doch mit den neuen mobilen Möglichkeiten hat die gleichfalls rasant wachsende Anbieterschar von Mobilitätsdienstleistungen von der Soft- bis zur Hardware vor allem die privaten Nutzer im Visier. So rühmt sich Mercedes-Benz mit seiner Marke „Me” derzeit auf Sylt sowie an Nord- und Ostseeküste Elektro- und Hybridfahrzeuge zu vermieten, die unbürokratisch über eine Plattform gebucht werden können. Konkurrent Audi hat in seinem „On demand”-Programm neben dem Stammsitz Ingolstadt jetzt noch rechtzeitig zur großen Reisewelle auch Mallorca entdeckt. Warum den Inselbesuchern ausgerechnet protzige PS-Boliden aus der RS-Sportabteilung der Bayern zur Leihe angeboten werden, bleibt allerdings das Geheimnis der Marketingstrategen.

Professor Sven Henkel von der European Business School in Wiesbaden und Leiter des Insight Mobility Institutes (IMI), mahnt die Hersteller im Interview zum Thema „Mobilitätsdienstleistungen“, das in der nächsten Ausgabe von Der Handel am 8. Juli 2019 erscheint, denn auch zu einem Umdenken in der Unternehmenskultur: "Weg von der Technologie, hin zur Frage, was Menschen in welchem Kontext mit der Technologie machen?" Im Klartext: Mit einem Kleinwagen oder einem Cabrio würden die Mallorca-Besucher sicher besser fahren…

Urlaubsautos sind erst das Vorspiel: Audi und Sixt kooperieren

Doch das ist ja auch nur das Vorspiel. „Audi on demand” soll vom vierten Quartal an zur Dachmarke für alle Mobilitätsangebote von der Kurzfristmiete über Abo-Modelle bis zur langfristigen Fahrzeugnutzung werden, kündigt Vorstandschef Bram Schot an und verweist auf eine Kooperation mit dem Fahrzeugvermieter Sixt.

Mazda ist mit Kooperationspartner Lidl schwungvoll ins Carsharing gestartet, setzt aber ebenfalls auf die private Nutzung. Häufig sind die zumeist roten Renner der Japaner deutschlandweit auf den Parkplätzen des Neckarsulmer Discounters zu finden. Einkaufen, nach Hause fahren, ausladen und das Auto wieder zurückbringen – funktioniert problemlos. Für den Arbeitsalltag aber eher ungeeignet.

Vor allem Großstädter im Visier der Dienstleister

Und wohin man auch schaut: Allenthalben steht der junge, dynamische Großstädter im Visier der selbsternannten Mobilitätsdienstleister. So wie bei der Volkswagen-Marke „We”, die derzeit fast im Wochenrhythmus neue Apps auf den Markt wirft und beim Laden von Elektrofahrzeugen gleichfalls mit Lidl und Kaufland kooperiert. Aktuell geht es um personalisierte Empfehlungen und vergünstigte Angebote für Waren und Dienstleistungen in der Nähe des jeweiligen Fahrzeugstandortes. Bereits zum Start des Services sind namhafte Partner wie Shell, Domino’s oder Tank & Rast mit an Bord.

Fuhrparkverantwortliche oder dienstlich Reisende müssen die App-Angebote dagegen schon gründlich studieren, wenn sie einen Mehrwert buchstäblich erfahren wollen. Wohl wissend, dass Geschäftsreisende häufig auf das Taxi angewiesen sind, hat sich das Unternehmen Mytaxi, das seit wenigen Tagen unter "Free Now" firmiert, mit einem speziellen Business-Account auf gewerbliche Nutzer eingestellt. Bestellung und Bezahlung per monatlicher Sammelrechnung laufen über die App. So müssen die Mitarbeiter nicht in Vorlage treten und es entfallen lästige Abrechnungen von Quittungen. Stammkunden berichten von „schneller Abholung”, „sauberen Fahrzeugen” und „freundlichen Fahrern”.

Aktuell ist Free Now, vor zehn Jahren als Mytaxi gegründet und inzwischen Teil der Daimler/BMW-Kooperation, in neun Ländern und rund 100 Städten präsent. Mit der Namensänderung wird auch das Angebot um Mietwagen mit Fahrer erweitert. So gerät das klassische Taxigewerbe immer mehr unter Druck. Der amerikanische Anbieter Uber drängt mit Macht in das Geschäft und auch die Volkswagen-Tochter Moia möchte vom Personentransport in den Ballungsräumen profitieren. In Hannover und Hamburg läuft der Shuttleservice bereits.

China Vorreiter beim Carsharing

2030 wird jeder dritte Kilometer mit einem Carsharing-Fahrzeug zurückgelegt werden, hat die PSA-Marke Citroen im Jahr ihres 100. Geburtstages herausgefunden – bereits heute fänden 20 Prozent der Amerikaner und Europäer sowie 30 Prozent aller Chinesen, dass Carsharing perfekt auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist.

Unter dem Label „Free2move” wollen die Franzosen diese Wünsche abdecken. Der im April 2017 eingeführte Dienst ist inzwischen in zwölf Ländern verfügbar. Die urbanen Carsharing-Angebote können über das Smartphone gebucht werden. In Paris, Madrid, Lissabon, Wuhan (China) und Washington D.C. stehen bereits 500 bis 1.000 Fahrzeuge zur Verfügung. Mit Ausnahme des Angebots in Washington D.C. handelt es sich um reine Elektrofahrzeuge. Bis heute haben rund 260.000 Kunden den Carsharing-Dienst in Anspruch genommen.

Immerhin: Das Angebot von Free2Move richtet sich auch an Unternehmen: Die können in Echtzeit auf wichtige Fahrzeugdaten zugreifen, durch Carsharing ihre Fahrzeugflotte besser auslasten und das Leasingangebot zur Finanzierung nutzen – übrigens unabhängig von der Automobilmarke.

Verwaltung von individuellen Mobilitätsbudgets

Weder auf Carsharing und schon gar nicht auf persönlich zugeordnete Dienstwagen wollen sich die Geschäftsreiseexperten von Baldaja festlegen. Stattdessen bietet der Dienstleister die Verwaltung eines individuellen Mobilitätsbudgets an, das alle Verkehrsträger einschließt. Die Mitarbeiter entscheiden so, welche Bausteine am besten für sie passen. Vor allem bei der jungen „Generation Z” könnten Firmen so mit flexiblen Mobilitätsangeboten punkten und ihre Attraktivität als zukunftsorientierter Arbeitgeber steigern: „Unternehmen befinden sich beim Thema Mobilität in einem Dreieck aus Ökonomie, Ökologie und Variabilität. Gleichzeitig müssen sie in Zeiten des Fachkräftemangels ihren Mitarbeitern etwas bieten und auf deren Bedürfnisse eingehen, um sie langfristig zu binden", begründet Michael Holdkamp, Geschäftsführer von Baldaja, das Angebot, das die zentrale Buchung und Verwaltung sowie ein monatliches Reporting beinhaltet.

Versicherung für Spontanentschlossene

Nicht nur Leihfahrzeuge oder Taxis kommen heutzutage „on demand”. In Kooperation mit der Ergo-Gruppe bietet Volvo erstmals in Deutschland eine Spontanversicherung, beispielsweise für Mitfahrer oder das Gepäck an. Über die App lassen sich auch eine Mietwagen- oder Auslandsreiseversicherung buchen. Dabei kann die Dauer des Versicherungsschutzes individuell gewählt werden, unabhängig davon ob der Interessent Volvo-Kunde ist, oder nicht.

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Geschrieben vonBernd Nusser

Redakteur Der Handel / Lebensmittel Zeitung

Bernd Nusser ist Redakteur bei Der Handel und der Lebensmittel Zeitung in Frankfurt am Main. Er kam von der Verlagsgruppe Rhein Main zum Deutschen Fachverlag (dfv Mediengruppe), wo er seit November 2004 als Redakteur arbeitet, und wurde 2006 Chefredakteur der Lebensmittel Zeitung DIREKT. Er schreibt unter anderem über Handelsthemen, Konsumtrends und den Wandel im Autovertrieb.

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