
3 Hebel für weniger CO₂ in der Lieferkette
Die Dekarbonisierung der Lieferketten müssen alle Unternehmen in Angriff nehmen, die beliefert werden oder selbst ausliefern. An drei Stellschrauben setzt eine Reihe von Start-ups an, um die Klimabilanz von Sendungen zu verbessern.
1. Transparenz der Risiken
Um Lieferketten nachhaltiger zu gestalten, müssen sie transparenter werden. Eine Reihe junger Unternehmen wie Prewave, Seedtrace, Integrity Next oder Osapiens haben digitale Plattformen aufgesetzt, die Herstellern und Händlern helfen, Nachhaltigkeitsrisiken ihrer Lieferanten und Rohstoffe auf jeder Stufe der Lieferkette zu identifizieren bzw. vorherzusagen. Dazu nutzen sie öffentlich zugängliche Daten aus lokalen Nachrichten, Sozialen Medien und anderen Datenbanken; Risikowarnungen werden in Echtzeit direkt an die Unternehmen gesendet.
Auf die Erfassung von CO₂-Emissionen im Güterverkehr hat sich Shipzero spezialisiert. "In den kommenden Jahren werden Milliardeninvestitionen in alternative Antriebe, Kraftstoffe und Infrastruktur fließen. Die wenigsten können aber heute datengestützt sagen, wo und wann genau sich diese Investition für sie lohnt", sagt Tobias Bohnhoff, Mitgründer und CEO des Hamburger Start-ups.Die Datenplattform von Shipzero soll das Emissionsreporting radikal vereinfachen, präziser machen und datenbasierte Entscheidungen zur Dekarbonisierung ermöglichen. Die CO₂-Kalkulation basiere nicht nur auf Hochrechnungen, heißt es, sondern auf den tatsächlichen Energieumsätzen der Verkehrsmittel.
2. Alternativen für die Letzte Meile
Bei der Haustürlieferung in den Innenstädten entsteht ein beträchtlicher Teil der Emissionen des Paketversands. Neben Lieferfahrzeugen mit alternativen Antrieben können Routenoptimierung und höhere Zustellquoten zu weniger Fahrten und damit weniger Emissionen führen. Dazu tragen unter anderem flexible Zustellfenster, Paketverfolgung in Echtzeit und bequeme Abholmöglichkeiten für die Kunden bei.
Start-ups wie Fairsenden oder Liefergrün steuern in Großstädten bereits eigene Lieferflotten aus Elektrofahrzeugen und Lastenrädern. Liefergrün berechnet mithilfe eines speziellen Algorithmus Lieferrouten, die auch die Größe der Pakete berücksichtigen. Durch den Versand aus lokalen Filialen und Warenlagern anstelle von überregionalen Logistikzentren will Pickshare Händlern zu Effizienzvorteilen und einer besseren Klimabilanz verhelfen.
Bündelung von Sendungen spart Wege
Das Berliner Start-up Paketconcierge hat eine Plattform entwickelt, die für einen Käufer alle Paketlieferungen - egal von welchem Onlineshop und Versanddienstleister - bündelt und an einen selbst gewählten Abholpunkt schicken lässt. So soll der Endkunde eine bequeme Lösung für den Paketempfang bekommen und außerdem auf der Letzten Meile erheblich weniger CO₂ pro Paket ausgestoßen werden.
Dasselbe Ziel verfolgt Budbee aus Schweden. Das Unternehmen verfügt über ein Netz von Paketschließfächern, liefert aber auch direkt zur Haustür. Kunden können per App jederzeit verfolgen, wo sich ihr Paket gerade befindet. Die digitale Routenoptimierung berücksichtigt Nachhaltigkeitsfaktoren, lässt Kunden zwischen verschiedenen Versandoptionen wählen und Zustellungen auf ein einstündiges Zeitfenster begrenzen.
3. Weniger Luft im Paket
Auch das Versandpaket selbst kann einen Beitrag zur Dekarbonisierung der Lieferkette leisten - wenn es besser auf den Inhalt zugeschnitten ist. Die Verringerung von Gewicht, Volumen und Leerräumen bei Versandverpackungen hat sich unter anderem die Schumacher-Packaging-Gruppe zum Ziel gesetzt.
Der Hersteller von maßgeschneiderten Verpackungen aus Well- und Vollpappe arbeitet seit Kurzem mit dem schwedischen Softwareanbieter Skrym zusammen, um mithilfe künstlicher Intelligenz die jeweils optimale Verpackungsgröße und -form für einen Gegenstand zu ermitteln und so Leerräume beim Transport zu reduzieren.
"Auf diese Weise können die Emissionen von E-Commerce-Unternehmen bei gleichbleibenden Lagerprozessen um bis zu 15% verringert werden", sagt Jochen Drösel, Chief Sales Officer bei Schumacher Packaging. Denn: "Etwa die Hälfte des Versandvolumens im Onlinehandel besteht aus Luft", so Jakob Nordfeldt, CEO von Skrym.
Dieser Artikel erschien zuerst in Der Handel.
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Redakteurin
Ulrike Sanz Grossón schreibt seit 2017 auf etailment.de über die digitalen Konzepte großer und kleinerer Einzelhandelsunternehmen. Die studierte Germanistin und Amerikanistin war journalistisch zunächst als freie Mitarbeiterin in der Lokalredaktion der "Taunus-Zeitung" (Frankfurter Neue Presse) und bei "Horizont" tätig. Es folgte das Volontariat bei der "Lebensmittel Zeitung". Seit 2003 schreibt sie als Redakteurin für verschiedene Publikationen des Deutschen Fachverlags.
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