
Das Kraftwerk auf dem Firmendach
Mit dem Solarpaket 1 hat die Bundesregierung Solaranlagen auch für Gewerbe attraktiver gemacht. Wer erwägt, PV-Module auf dem Dach zu installieren, sollte sich jedoch vorab ein paar wichtige Fragen stellen.
Paul Siethoff, GREEN WORKS,Redakteur GREEN.WORKSBesitzer von PV-Anlagen profitieren von der Einspeisevergütung
Wer eine Industriehalle oder große Lagergebäude besitzt, verfügt auch meist über reichlich Dachfläche – ist also im Prinzip ein Kandidat für PV-Module. Die wichtigste Frage, dem sich nun Interessierten stellen dürfte, ist: Rechnet es sich für mich, Solarpanels auf dem Dach zu installieren?
Als Faustregel gilt dabei: Wenn die Solaranlage den Eigenbedarf decken soll, lohnt sich die Installation so gut wie immer, denn: Wer den Strom der PV-Anlage selbst nutzt, muss keinen Strom für durchschnittlich 20 Cent pro Kilowattstunde kaufen. Solaranlagen rentieren sich also gerade für produzierende Unternehmen mit hohem Stromverbrauch fast immer.
Für Gewerbe, die auch Strom einspeisen wollen, also mehr produzieren werden, als selbst benötigt wird, gilt: Je größer die installierte Leistung der Solaranlage und die verfügbare Dachfläche sind, desto mehr Solarstrom kann produziert und dann selbst verbraucht oder eingespeist werden. Dadurch verkürzt sich die Amortisationszeit. Wer Strom einspeist, sollte damit kalkulieren, dass er für den eingespeisten Strom sechs bis acht Cent je Kilowattstunde erhält.
Amortisation in fünf bis zehn Jahren
Grundsätzlich liegen typische Amortisationszeiten für gewerbliche Dach-Solaranlagen zwischen fünf und zehn Jahren, können aber je nach Rahmenbedingungen auch deutlich kürzer oder länger sein. Da sich die Frage nach der Amortisationszeit nicht pauschal beantworten lässt, ist eine individuelle Wirtschaftlichkeitsberechnung ratsam. Diese kann auch ein externer Dienstleister übernehmen.
Aus Rentabilitätsgründen lohnt sich also eine möglichst große Dach-PV-Anlage. Aber: Eine große Anlage bedeutet auch, dass der Anschluss an das Stromnetz umständlicher und damit aufwendiger wird. Wichtig ist auch: Nicht überall ist das Stromnetz gleich gut ausgebaut, in Industriegebieten aber in der Regel weitaus besser als auf der grünen Wiese.
Wer Strom in das Netz einspeist und dafür eine Vergütung erhält, muss darauf Einkommens- beziehungsweise Körperschaftssteuer sowie Gewerbesteuer zahlen.Hinzu kommt: Wer weitere Betriebe wie Tochter- oder Schwesterunternehmen mit dem erzeugten Strom versorgt oder Ladestationen für Elektroautos betreibt, hat im Regelfall stromsteuerliche Versorgerpflichten. Damit sind Anzeige- und Erklärungspflichten gemeint, die Unternehmen gegenüber Hauptzollämtern erfüllen müssen. Damit kann ein hoher bürokratische Aufwand einhergehen.
Aber, als positive Nachricht: Für die Anschaffung einer Solaranlage kann unter bestimmten Voraussetzungen ein Investitionsabzugsbetrag von der Steuerschuld abgezogen werden.
KfW bietet Klimaschutz-Förderkredite
Die staatliche Förderbank KfW bietet zwei Kredite an, mit denen Unternehmen ihre Solaranlagen finanzieren können. Erstens gibt es den Kredit „Klimaschutzoffensive für Unternehmen“, der einen Kreditbetrag von bis zu 25 Millionen Euro hat und einen Zinssatz ab 2,33% effektiven Jahreszins. Eine der Voraussetzungen für den Kredit ist, dass mindestens die Hälfte des Stroms am Standort genutzt wird.
Als zweite Möglichkeit existiert der KfW-Kredit „Erneuerbare Energien – Standard“, den auch Privatpersonen nutzen können. Dieser hat kaum Voraussetzungen, dafür ist der effektive Jahreszins weniger attraktiv; er liegt bei mindestens 5,21%. Förderfähig sind bis zu 100% der Investitionskosten bis maximal 150 Millionen Euro pro Vorhaben.
Für welche Gebäude eignen sich PV-Anlagen?
Eine ganz zentrale Frage bei der Entscheidung pro oder contra PV-Anlage lautet: In welche Himmelsrichtung ist mein Dach ausgerichtet? Ideal sind große, unverschattete Dachflächen in Richtung Süden, Südwesten oder Südosten. Bei einer Ausrichtung nach Südost oder -west sollte der Winkel maximal 45 Grad abweichen.Handelt es sich um ein Flachdach, sollten die Module mit einer Ost-West-Ausrichtung positioniert werden. Gibt es keine günstigen Dachflächen, sind nach Süden ausgerichtete Fassaden auch eine Option.
Natürlich spielt auch die Substanz des Gebäudes, auf dem die PV-Anlage angebracht werden soll, eine Rolle. Geeignet sind vorrangig Massivbauten mit stabilen Dächern. Für die statische Tragfähigkeit gilt: Das Dach sollte die zusätzliche Last der PV-Module und Montagesysteme aufnehmen können. Grobe Faustregel: Die Dachlastreserve sollte mindestens 25 kg/m² betragen.
Sind die Statik-Unterlagen nicht mehr vorhanden, muss ein Statiker oder Architekt eine Bauzustandsüberprüfung durchführen, die bei alten Bestandsimmobilien sehr lange dauern kann. Aber auch die Substanz der Dacheindeckung spielt eine Rolle: Ist diese beispielsweise asbestbelastet, darf keine PV-Anlage angebracht werden.
Contracting als "Last Resort"
Wer als Unternehmer die Installation einer eigenen Solaranlage letztlich doch verwirft, hat dennoch eine weitere Möglichkeit, am Solarstrom-Boom zu partizipieren: Über das sogenannte Contracting können Gewerbebetriebe ihre Dachflächen an Dritte vermieten, die dort PV-Anlagen installieren und betreiben. So profitieren sie von Mieteinnahmen, ohne selbst Geld in die Hand nehmen zu müssen.
Dieser Artikel erschien zuerst bei GREEN WORKS.

Redakteur GREEN.WORKS
Paul Siethoff ist Redakteur von GREEN.WORKS, dem Nachhaltigkeitsmedium der dfv Mediengruppe. Zuvor arbeitete er für das Finance Magazin und schrieb unter anderem über Politik und Wirtschaft für die Frankfurter Rundschau. Sein Fokus liegt seit einigen Jahren auf dem Thema Klimaschutz.
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