
Olympischer Geist, aber kein großes Geschäft
Die olympischen Spiele wurden in Peking eröffnet. Für den Sportfachhandel ist das weltgrößte Sportfest nur aus atmosphärischer Sicht wichtig.
Steffen GerthRedakteur Der Handel und etailment„Olympia hat für uns nicht die Auswirkungen, wie sie eine Fußball-WM oder -EM mit sich bringen”, sagt Jost zu Der Handel und bemüht eines seiner Lieblingsbeispiele. „Wenn ein Deutscher Olympiagold im Gewichtheben holt, dann verkaufen wir keinen einzigen Gewichtheberschuh mehr.”
Hoffen auf sportliche Inspiration
Olympia als größtes Sportfest der Welt ist für den Handel zu facettenreich und zu speziell, um Breitenwirkung zu erzielen. Hat der TV-Konsument soeben noch einen Schwimmwettbewerb verfolgt, muss er sich Sekunden später mit Modernem Fünfkampf auseinandersetzen, danach schalten die Sender hinüber zum Trap-Schießen.
Auch Andreas Rudolf ist skeptisch: „Olympische Spiele wirken sich nicht unmittelbar auf den Umsatz im Handel aus. Hier geht es mehr um Nachhaltigkeit und das Bewusstsein, Sport zu treiben. Was uns letztendlich natürlich auch weiterhilft”, sagt der Geschäftsführer der Sport-Verbundgruppe Sport 2000 im Gespräch mit Der Handel.
Intersport-Chef Jost sieht Olympia eher als große Werbeveranstaltung für den Sport im Allgemeinen und hofft, dass von den Spielen in „China die Bevölkerung bei uns angesprochen wird”. Denn wer sich von den Olympiaathleten inspiriert fühlt, selber eine Sportart auszuüben, der muss Ausrüstung oder Geräte kaufen - und deswegen den Fachhandel aufsuchen.
Optimisten setzen auf Basketball
Werner Haizmann versprüht wenigstens eine Spur Optimismus, von Olympia unmittelbar zu profitieren. Denn für den Präsidenten des Verbandes des Deutschen Sportfachhandels (VDS) ist es nicht abwegig, dass eine erfolgreiche deutsche Basketballmannschaft um den Star Dirk Nowitzki daheim den Absatz von Basketbällen oder - trikots erhöhen könnte.
Doch Haizmann weiß auch, dass die deutsche Mannschaft der schwersten Vorrundengruppe zugelost worden ist mit Weltmeister Spanien, Griechenland (WM-Zweiter), Olympia-Gastgeber China, Topfavorit USA und Afrikameister Angola.
Einzelne Sporthändler wollen mit Olympia im Laden punkten. Die Kunden von Paul Krumholz etwa, Händler in Mülheim-Kärlich, werden die Übertragung der Wettkämpfe in China live im Geschäft verfolgen können.
Fußball über alles
Olympia ist für den Sportartikelhandel aus atmosphärischen Gründen interessant - wirtschaftlich überragend wichtiger sind längst Fußball-Großereignisse. Daher schwärmen Jost und Rudolf von der zurückliegenden Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz. „Das war für uns ein toller Erfolg", sagt Rudolf und spricht sogar vom besten EM-Ergebnis in der Geschichte von Sport 2000.
Verkaufsschlager bei solchen Ereignissen ist das Trikot der deutschen Nationalmannschaft. Und hier hat Sport 2000 laut Rudolf in diesem Sommer nur fünf Prozent weniger Leibchen verkauft als während der Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland, als seine Gruppe 147.000 Trikots abgesetzt hatte.
Olympischer Geist in den Läden
Auch Intersport bescherte die EM einen schönen Sommer. Klaus Jost spricht von einem Umsatzplus bei Fußballartikeln von 25 Prozent Prozent für das erste Halbjahr 2008, damit liege der Intersport-Verbund laut Jost „nur vier Prozent hinter den Jahrhundert-Zahlen des WM-Jahres 2006 zurück.” Trikots und Bälle waren die Verkaufsschlager, gefolgt von Fan-Zubehör wie Fahnen, Perücken oder Schminke. Mit einem Gesamt-Umsatzplus von acht Prozent in den ersten sieben Monaten 2008 liegt Intersport laut Jost deutlich über Plan.
Doch wenigstens auf den olympischen Geist mag der Fachhandel nicht verzichten - zumindest bei der Ladeneinrichtung. Intersport wird zusammen mit den Herstellern Adidas, Nike und Asics das olympische Thema in den Geschäften entsprechend inszenieren.
Alles schön und gut - doch den Wert der Spiele für den Handel beschreibt diese Ankündigung von Klaus Jost: „Die Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen 2011 in Deutschland ist für uns wichtiger als Olympia in Peking."

Redakteur Der Handel und etailment
Steffen Gerth ist Redakteur bei Der Handel und etailment. Für das Digital-Commerce-Magazin der dfv Mediengruppe schrieb er unter anderem die wöchentliche Kolumne "Die Woche im Handel" mit Analysen zum Strukturwandel im deutschen Einzelhandel.
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