
Praktiker-Pleite wirkt nach
Die Praktiker-Pleite wirkt nach: Den Wegfall von 2 Milliarden Euro Umsatz können die verbliebenen Bau- und Gartenmarktbetreiber nicht auffangen. Doch unterm Strich wächst diese Branche, in der die Online-Konkurrenz bisher noch schwach ist.
Andreas ChwallekChefredakteur Der Handel und etailment.deZwar ging der Gesamtumsatz des sogenannten Do-it-Yourself-Marktes wegen der Schließungen von Praktiker- und Max Bahr-Märkten um 6,2 Prozent auf 17,63 Milliarden Euro zurück. Doch bereinigt um dieses außerordentliche Ereignis legte die Branche sogar um 8,8 Prozent zu.
Bald wieder mehr Fläche
In diesem Jahr wird die Gesamtfläche der Bau- und Gartenmärkte absehbar sogar wieder zunehmen, unter anderem wegen Neueröffnungen geschlossener Praktiker-Märkte, die nun von Wettbewerbern betrieben werden, ergänzt BHB-Hauptgeschäftsführer Peter Wüst. Die Zahl der Standorte steigt dann deutschlandweit auf etwa 2.150.
Eine Prognose für dieses Jahr ist eher schwierig. Besonders der Start der Gartensaison wirkt sich maßgeblich auf die Entwicklung aus. Bisher hatte sich dieser Start wegen des kalten Wetters verzögert, erst seit einigen Tagen zeichnet sich der Frühling ab. So geben die Branchenvertreter für 2015 die vorsichtige Wachstumsprognose von plus 1,5 bis plus 2,5 Prozent heraus.
Österreich und Schweiz bescheiden
Der BHB vertritt auch die Garten- und Baumarktbetreiber in Österreich und der Schweiz. Österreich kam 2014 auf ein mageres Umsatzplus von 0,8 Prozent auf 2,39 Milliarden Euro. Das Wachstum der Schweizer fiel mit plus 0,5 Prozent auf 1,91 Milliarden Euro sogar noch dürftiger aus.
Der Anteil des Onlinegeschäftes ist in der Bau- und Gartenmarktbranche noch vergleichsweise gering. In Deutschland wurden vergangenes Jahr nur 2,57 Milliarden mit Do-it-Yourself-Produkten übers Netz umgesetzt. Allerdings steigt auch hier der Anteil, zuletzt um 14 Prozent. Auch für dieses Jahr erwartet Verbandsmanager Wüst ein Plus von 10,6 Prozent im E-Commerce. Je nach Produktgruppe schwanken die Onlineumsätze extrem: Eine Bohrmaschine wird eher per Mausklick bestellt als der Zementsack.
Mit Blick auf die einzelnen Produktkategorien sehen die Verbandsmanager vor allem den Trend zum altersgerechten Wohnen und der Tendenz, sich mehr und komfortabler in den in den eigenen vier Wänden einzurichten. Die Demografie spreche für Produkte wie Sitz- und Gehhilfen oder alle Produkte, die älteren Menschen das Leben vereinfachen - zum Beispiel der einfache Ein- und Ausstieg in die Badewanne und Dusche.

Chefredakteur Der Handel und etailment.de
Andreas Chwallek ist seit März 2015 Chefredakteur des Wirtschaftsmagazins Der Handel und von etailment.de. Der Diplom-Sozialwirt begann seine Laufbahn im Wirtschaftsressort des Göttinger Tageblatts und kam 1991 als Redakteur der Lebensmittel Zeitung zur dfv Mediengruppe. Ab Mai 2014 war er stellvertretender Chefredakteur von Der Handel, bevor er die Chefredaktion übernahm.
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