Saubere Sache: Startups für mehr Service im Alltag

Saubere Sache: Startups für mehr Service im Alltag

Im Zeitalter der Bequemlichkeit (indem wir uns eigenartiger Weise gleichzeitig von Apps zur Bewegung zwingen lassen) wird Service immer wichtiger. Wer also im E-Commerce heute eine Vision hat, der verkauft nicht Produkte, sondern Service. War der Gedanke dahinter früher das "Aal-Prinzip" (Andere arbeiten lassen) ist es heute das "Uber-Prinizip". Das ist so ähnlich, ist aber sprachlich viel weiter weg vom Dotcom-Tod. Vielleicht ist es auch businesstechnisch weiter. In einiger Bereichen prügeln...

OKOlaf KolbrückChefredakteur
5 Min.· Aktualisiert am
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Sharedload

Worum geht es?

Sharedload bietet sich als Mitfahrzentrale für private oder gewerbliche Pakete an. Auf der Plattform sollen Fahrer, Pakete und Versender zusammenfinden. Die Fahrer machen Preisvorschläge. Sharedload kassiert eine Vermittlungsprovision. Für bestimmte Strecken gibt es Festpreise. Fahrer können bewertet werden. Das komplexe Regelwerk ist aber eher was für "Auskenner" und Freunde des „Kleingedruckten“.

Wer macht es?

Gründer Deniz Sen aus Bad Soden möchte damit ein Uber für Pakete aufbauen.

Locumi:

Worum geht es?

Das Start-up Locumi will mit einer im Vergleich zu anderen Lösungen von Logistikern und Startups recht ansehnlichen und faltbaren Pakettasche aus Naturwollfilz, die an der Haustür angebracht werden kann, den Empfang von Paketen an der Wohnungstür erleichtern, wenn gerade niemand daheim ist. Die Tasche, gesichert wird sie mit einem ABUS-Schloss, kann man kaufen oder mieten. Schick, aber unpraktisch für den berühmten Wasserkasten.

Wer macht es?

Gründer sind die TUM-Absolventen Christoph Baumeister und Daniel F. Jahn in München.

Deliveroo

Worum geht es?

Deliveroo ist ein Londoner Startup, das mit derzeit 300 Fahrern online in Restaurant bestellte Menüs zum Kunden fährt. 750 Restaurants im mittleren bis höheren Segment sind ans Netz angeschlossen. Anders als beispielsweise Lieferheld oder der britische Platzhirsch Justeat sorgt Deliveroo also nicht nur für die Buchungsplattform, sondern eben auch das Packaging und die Lieferung. Und das inziwschen in London, Brighton, Manchester, Oxford, Cambridge, Bristol, Reading, Birmingham und Dublin. Auffällig ist die charmante und ungezwungene Kommunikation - und das putzige Logo.

Wer macht es?

Gründer William Shu arbeitete zuvor als Investmentbanker und hat kürzlich 16 Millionen Pfund bei Accel Partners, Index Ventures, Hummingbird Ventures und Hoxton Ventures eingesammelt.


Lendable

Worum geht es?

Lendable ist ein Londoner Peer-to-Peer-Geldverleiher, der seit 2014 private Kreditnehmer mit wenigen Klicks an Investoren vermittelt. Eine der Besonderheiten: Ein Algorithmus berechnet den Kreditscore und liefert dazu prompt eine persönliche Rate. Dabei will – für einen höhere Rate – Lendable auch Investoren und Kunden zusammenbringen, die nicht gerade eine Top-Bonität erreichen.

Wer macht es?

Bei Angel Investoren wie Stefan Glänzer hat Gründer Martin Kissinger damit zuletzt im Dezember 2014 2,5 Millionen Pfund eingesammelt. Kissinger war zuvor übrigens für Rocket Internet und deren Kreditplattform Lendico aktiv.

Helpling

Worum geht es?

Das Rocket Internet-Startup, das inzwischen auch mit Außenwerbung und TV-Spots auffällt, vermittelt Putzkräfte. Einfache Sache, langfristig eine kluge Vision Richtung Bequemlichkeit. Gerade hat das Startup die Putzdienstvermittler CleanAgents und Familienhelfer vom Markt gefegt – pardon – gekauft. Ähnlich wie das US-Vorbild Homejoy nimmt Helpling als Vermittler eine Provision. Das US-Startup Homejoy, 2012 von den Geschwistern Adora und Aaron Cheung gegründet, ist im Sommer 2014 in Deutschland gestartet und dürfte angesichts von rund 40 Millionen Dollar Investorengeldern, darunter auch von Google, einer der größten Mitbewerber sein. Als weiterer Mitbewerber im deutschen Markt ist Book-A-Tiger ernst zu nehmen, das in rund zwei Dutzend Städten aktiv ist.

Wer macht es?

Weil Helpling eine tofte Idee ist, hat das Startup seit der Gründing vor einem Jahr über 60 Millionen Euro eingesammelt. Abstauben wollen Lakestar, Kite Ventures, Mangrove Capital Partners, Lukasz Gadowski und natürlich Rocket Internet. Aber erstmal wollen die Gründer Benedikt Franke und Philip Huffmann weiter expandieren. Auch international. Helpling ist derzeit in 200 Städten in Österreich, Brasilien, Kanada, Frankreich, Deutschland, Italien, Niederlande, Australien, Singapur, Spanien, Schweden und in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) präsent. Book-A-Tiger haben die Lieferheld-Mitgründer Claude Ritter und Nikita Fahrenholz aus der Taufe gehoben.

Zipjet

Worum geht es?

Mit Zipjet kümmert sich Oliver Samwer auch um schmutzige Wäsche der Deutschen. Der Wäschedienst von Rocket Internet lässt sich in einem Aufwasch per App bestellen. Zipjet will bei Abholung und Lieferung mit einem 30-Minuten-Fenster auskommen. Vielleicht ist jetzt der richtige Zeitpunkt für den Wasch und Abholdienst. Die deutschen Vorgänger cleenbox und MyDryclean.de scheiterten.

Wer macht es?

Florian Färber, Lorenzo Franzi, Damian Kastil und Marco Sperling wollen nach dem Start in London Ende 2014 seit Anfang 2015 auch den Deutschen an die Wäsche und orientieren sich dabei an Modellen wie mit dem Millionen-Fundings unterstützen Washio oder sfwash oder FlyCleaners. Derzeit wird von Zipjet in Berlin gewaschen. Frankfurt, München oder Hamburg könnten folgen.

Und dann kommt da noch …

Den Service an die Haustür bringen - wenn das Uber-Prinzip einmal klar ist, dann lässt sich das auch auf andere Branchen ausdehnen. Auch auf den Friseur. Shortcut will sich da als Uber für haarige Angelegenheiten aufbauen. Vorerst aber nur in New York.
Nach dem Friseurtermin lässt man dann den Masseur nach Hause kommen. Mit der Plattform von Unwind me beispielsweise, die den Service derzeit nur in San Francisco bietet.

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Geschrieben vonOlaf Kolbrück

Chefredakteur

Olaf Kolbrück, 48, war lange Jahre Reporter Internet und E-Business bei Horizont. Seine Karriere bei Horizont, Fachmagazin für Marketing und Medien, startete er 2000 als Redakteur für Marketing, Web 2.0 und E-Commerce. Daneben gründete er den renommierten Marketing-Blog Off-the-Record.de und zählt zu den profiliertesten Bloggern für digitale Werbung und Marketing. Im Juli 2013 erschien sein Fachbuch "Erfolgsfaktor Online-Marketing - So werben Sie erfolgreich im Netz / E-Mail, Social Media, Mobile & Co. richtig nutzen" (Deutscher Fachverlag, Frankfurt). Anschließend ist von ihm der Kurzgeschichten-Band "Gebete an die Cloud - 5 phantastische digitale Geschichten" erschienen. (Printversion) 2009 gewann er den Innovationspreis des Deutschen Fachverlags. 2011 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des Vereins D64 – Zentrum für digitalen Fortschritt. Zu seiner früheren redaktionellen Tätigkeit zählen Positionen bei der Handelsgruppe Rewe in Köln und bei der Neue-Rhein-Zeitung. Nebenbei schreibt er Krimis. Sie finden den Autor bei Twitter unter dem Namen @OlafKolbrueck oder auch auf Facebook sowie bei Google+. Kolbrück bloggt auch noch hier. Mehr über Olaf Kolbrück als Autor gibt es auf kolbrueck.de.

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