
Schrotthandel per App macht das Gespräch zum Markt
„Mobile-first“. Das Motto geben viele aus. Doch selten wird Mobile von Anfang an so konsequent gedacht wie bei scrappel, einem digitalen Marktplatz für den Wertstoffhandel. Über den Marktplatz können Buntmetall und Eisenschrott gehandelt werden. Das fühlt sich ein bisschen so an, wie Handel per WhatsApp oder über den Facebook-Messenger. Nur sicherer.
Zielgruppe von scrappel sind die rund 20.000 gewerblichen Händler Aggregatebetreiber, Schmelzereien und Gießereien, die in Deutschland Geschäfte mit Eisen-, Metall- und Stahlschrott sowie anderen Wertstoffen machen.
Klare Usability
Wer scrappel zum ersten Mal nutzt, wird sich schnell zurechtfinden. „Wir wollen nichts neu erfinden, nur ´Gelebtes` adaptieren“, sagt Spanic. Und so erinnert die Usability ein wenig an WhatsApp, manchmal an eine Art Facebook Messenger. „Die Unterhaltung zu einem Inserat, zum Handel, zur Preis- und Mengenverhandlung und Transport, bis hin zu Abnahme der Wiegenote passiert an einem Nutzer angehängten Chatverlauf“, sagt Matthias Spanic. Der Inseratsprozess selbst erinnert zudem an manchen Stellen an eBay.Simpel gesagt sollen auf der Plattform Anbieter und Abnehmern von Buntmetallen und Eisenschrotten mithilfe der App (oder auch über die Desktop-Variante) auf der Plattform zueinander finden und die besten Preise und Mengen für ihre Angebote aushandeln. Nach dem Inserat werden dann Preis- und Lieferungsabsprachen in einem zentralen Chatformat kommuniziert. Zuvor prüft scrappel zunächst im Rahmen der initialen Registrierung die Identität der Nutzer, um größtmögliche Sicherheit für alle zu gewährleisten.
Agile Microservices
Das klingt nach einer komplizierten und aufwändigen Infrastruktur und horrender Arbeit an Schnittstellen.
Ist es aber nicht.
Grundlage war die E-Commerce-Plattform von commercetools, die die Umsetzung zügig möglich machte. Sämtliche für die App benötigten Services kamen nämlich - individuell angepasst – quasi „von der Stange“. Die Verfügbarkeit agiler Microservices war somit ein wichtiger Faktor für die reibungslose Umsetzung. Von der Ausschreibung bis zur Fertigstellung vergingen denn auch lediglich sechs Monate.
Also nur Stückwerk?
Spanic wollte gar nicht mit einer Lösung aus einem Guss in den Markt. „Ein grober Fehler zu Beginn zieht sich wie ein Rattenschwanz durch die Software und deren Prozesse bedingt dann später überall Änderungen“, mahnt er. Sein Rat: „Bei komplexen Produkten, jungen Märkten, unterschiedlichen Kundenpersonas und ganz bestimmt bei Marktplatz-Konzepten schlank starten und potentiell Kunden so früh wie möglich in den Prozess involvieren.“ Nach den ersten Erfahrungen mit den Kunden könne man dann weitere Feature ausrollen.
Mit einem großen Pluspunkt ist scrappel aber von Anfang an gestartet: Die Zahlungsfunktion samt Treuhandservice, die den Marktplatz zu einem Full-Service-Angebot macht. Denn auch die Zahlungsabwicklung läuft komplett über scrappel. Diese besteht aus einem Treuhandkonto, das auf allen Seiten Vertrauen schaffen soll. Das garantiert eine sichere und transparente Geschäftsabwicklung. Bei der Bezahlung kann der Betrag erst vom Treuhandkonto freigegeben werden, wenn der Käufer via digitaler Wiegenote den Empfang und die abgestimmte Qualität der Lieferung bestätigt hat.
Warum nicht schlicht PayPal?
Warum sollte man?
Das eigene Set-up bietet niedrigere Transaktionskosten und schafft die Option, weitere Banking Produkte aufzusatteln. Die Verifizierung wiederum erledigt man mit strategischen Partnern wie unter anderen IDnow. Im Rahmen des KYC (Know Your Customer) Prozesses werden dabei alle potentiellen Kunden per Video-Ident Verfahren Web oder Mobile mit einem Personalausweis identifiziert.Das ist so sicher wie bei einer Bank und im Sinne der Händler. Denn gerade in einer Branche in der es um Schrott geht (scrappel kommt vom englischen Wort „scrap“ für Schrott), will man sich kein Blech andrehen lassen oder mit Pappkameraden handeln.
Das lässt sich gewissermaßen auch auf die Entwicklung der App selbst übertragen. Der Weg mit seinem Konzept-Mix aus Minimum Viable Product (MVP) und Minimal Marketable Product (MMP) sowie flexiblen und individualisierbaren Microservices schafft Spielraum für eine innovationsfreudige serviceorientierte Plattform. Da –pardon – rostet so schnell nichts an.
Chefredakteur
Olaf Kolbrück, 48, war lange Jahre Reporter Internet und E-Business bei Horizont. Seine Karriere bei Horizont, Fachmagazin für Marketing und Medien, startete er 2000 als Redakteur für Marketing, Web 2.0 und E-Commerce. Daneben gründete er den renommierten Marketing-Blog Off-the-Record.de und zählt zu den profiliertesten Bloggern für digitale Werbung und Marketing. Im Juli 2013 erschien sein Fachbuch "Erfolgsfaktor Online-Marketing - So werben Sie erfolgreich im Netz / E-Mail, Social Media, Mobile & Co. richtig nutzen" (Deutscher Fachverlag, Frankfurt). Anschließend ist von ihm der Kurzgeschichten-Band "Gebete an die Cloud - 5 phantastische digitale Geschichten" erschienen. (Printversion) 2009 gewann er den Innovationspreis des Deutschen Fachverlags. 2011 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des Vereins D64 – Zentrum für digitalen Fortschritt. Zu seiner früheren redaktionellen Tätigkeit zählen Positionen bei der Handelsgruppe Rewe in Köln und bei der Neue-Rhein-Zeitung. Nebenbei schreibt er Krimis. Sie finden den Autor bei Twitter unter dem Namen @OlafKolbrueck oder auch auf Facebook sowie bei Google+. Kolbrück bloggt auch noch hier. Mehr über Olaf Kolbrück als Autor gibt es auf kolbrueck.de.
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