
Startup: Der Gugl rollt
Vor fünf Jahren ist Werbemanagerin Chalwa Heigl umgestiegen. Jetzt macht sie mehr als eine Million Euro Umsatz mit kleinen Kuchenpralinen im Web.
David WöllensteinRedakteur„Die kleinen Köstlichkeiten müssen ja nicht immer aus anderen Ländern kommen, schließlich haben wir in Deutschland eine hohe Backkultur“, erinnert sich die Unternehmerin an die Gründungszeit der Kuchenpralinen-Manufaktur.
Das war im Jahr 2009. Zu dem Zeitpunkt stand sie vor der Entscheidung, beruflich wieder das zu machen, was sie vor einer rund einjährigen Weltreise gemacht hatte – oder aber „die Seite zu wechseln“ und ein eigenes Unternehmen zu gründen. Bevor sie sich auf die Reise durch Städte wie Kapstadt, Mumbai, Lissabon und Sevilla machte, war sie in der Kommunikationsbranche tätig: Ihre eigene Agentur hatte sie nach zehn Jahren an das internationales Netzwerk TBWA verkauft, lenkte aber dort noch für geraume Zeit als Geschäftsführerin und Mitglied im Business Development- und Management Board der Holding die Geschicke der deutschen Dependancen. Bis sie sich entschloss, ganz auszusteigen und etwas von der Welt zu sehen.
Als sie nach der Auszeit zurück nach Deutschland kam, klopften schon wieder erste Kunden an, die sie als Kommunikationsberaterin buchen wollten. Doch Chalwa Heigl verfolgte lieber die Idee mit dem eigenen Unternehmen. „Zusammen mit einer Bekannten, die in einem Münchener Sternerestaurant als Patissier arbeitet, habe ich zunächst an den Rezepten gearbeitet“, berichtet die Gründerin.
1,1 Millionen Euro Umsatz
„Dann habe ich das Konzept getestet.“ Mit Erfolg: So eröffnete sie im April 2010 den Onlineshop DerGugl.de, der mit dem Slogan „Das Glück darf auch klein sein“ wirbt. „Seitdem rollt der Gugl“, sagt sie scherzhaft. Schwarze Zahlen schreibt sie „locker“, im Jahr 2012 lag der Umsatz bei rund 1,1 Millionen Euro. „2013 ist er höher, aber da sind wir noch mitten in der Bilanz“, sagt die Unternehmerin – die stolz ist, ihr inhabergeführtes Start-up aus eigener Kraft finanzieren zu können.
Auch Direktvertrieb
Ihre Kunden können verschiedene Services in Anspruch nehmen, etwa den Geschenkservice. Hierbei verschickt sie Geschenkboxen oder Backbuch-Sets auf Wunsch mit tatsächlich handgeschriebenen Grußkarten innerhalb Europas. „Das sind kleine Feinheiten, die persönlich sind und gut ankommen. Das kleine Glück eben“, so Chalwa Heigl. Außerdem hat sie auch Backutensilien, Konfitüre und andere Produkte im Programm – von den selbst verfassten Backbuch-Sets hat die Unternehmerin auch schon 300.000 Stück verkauft. Neben dem Onlineshop setzt das inzwischen sechs Mitarbeiter starke „Unternehmen Gugl“ auf den Direktvertrieb über drei dreirädrige, umgebaute Verkaufswagen der Marke Piaggio Ape. „Das kleine Laster“, wie die Crew die einzelnen Gefährte liebevoll nennen, kann beispielsweise für Messen, Firmenveranstaltungen und Hochzeiten gebucht werden. „Dort verweisen wir auch immer auf den Onlineshop, damit die Leute wissen, wo sie uns finden. Wir haben ja keinen stationären Laden“, erläutert die DerGugl-Chefin.
Das soll sich allerdings ändern: Chalwa Heigl ist zurzeit auf der Suche nach passenden Räumlichkeiten – zunächst in München. Darüber hinaus beliefert die Onlinehändlerin auch rund 30 Feinkosthändler. Mittlerweile ist das Team zu der Konditorei gezogen, wo auch die Gugl mit verschiedenen aufbauenden Sprüchen produziert werden – „denn der Glückskeks war gestern“, sagt Chalwa Heigl. Größere Mengen der handgefertigten Kuchenpralinen kann sie problemlos produzieren: „Danach habe ich mir den Konditor extra ausgesucht.“ Denn das ist erst einmal der Plan: weiter zu wachsen. Am Ende des Gesprächs weist es sich, dass Heigls Eltern prophetische Gaben haben. Denn ihr Vorname Chalwa kommt aus dem Arabischen und heißt genau das, was sie eigenen Worten zufolge ja eigentlich gar nicht ist: die Süße.
Die Webshop-Strategie
DerGugl-Gründerin Chalwa Heigl hat gerne die Kontrolle – so auch bei der Wahl des Webshops. „Ich möchte alles selbst wissen und suche mir dann Spezialisten, die mir das so machen, wie ich es will.“ In diesem Jahr stellt die Unternehmerin den 2010 gegründeten Webshop von der Software XT Commerce auf Magento um, „weil wir ihn selbst pflegen und betreuen können“, erläutert Heigl. „Das ist wichtig, weil wir unseren Webshop grenzenlos erweitern können. Wir wollen ja weiter wachsen.“
Von Anfang an ist der Webshop für (Tablet-)PCs und Smartphones gleichermaßen optimiert. Bekannt wird DerGugl.de anfangs durch klassische PR, berichtet sie: „Die Medienöffentlichkeit hat uns einen ersten Schub gegeben. Richtig los ging es, als wir mit Onlinemarketing und Social-Media-Aktivitäten begonnen haben.“ Mehr als aktive 7.000 Facebook-Nutzer hat das junge Unternehmen Anfang 2014, rund 20.000 Menschen haben den Newsletter abonniert. „Mehr als 30 Prozent der Abonnenten öffnen den Newsletter.“
Als Zahlungsart bietet die Onlinehändlerin Vorkasse, PayPal und den in Deutschland noch immer sehr beliebten Rechnungskauf an: „Unsere Kunden sind ehrlich, wir haben so gut wie keine Zahlungsausfälle“, sagt sie. Die Pakete liefert DHL Deutsche Post aus.

Redakteur
David Wöllenstein ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Er schreibt über E-Commerce, Retail-Technologie und digitale Geschäftsmodelle — zuletzt intensiv über Agentic Commerce und den Einsatz von KI im Handel.
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