Frau swipt am Smartphone in modernem Brautmoden-Geschäft mit Kleidern im Hintergrund
© Black Forest Labs / Flux

Bridify digitalisiert die Brautkleid-Suche

Wenn die Partnersuche per Swipe funktioniert, sollte auch die Suche nach einem Brautkleid so möglich sein, sagte sich Festmoden-Händler Henning Laue. Die von ihm initiierte App „Bridify“ bietet eine umfangreiche Brautkleid-Datenbank und funktioniert als digitales Drehkreuz zwischen Bräuten und rund 200 Händlern. Online-Händler sind allerdings ausgeschlossen.

SBStefan BeckerRedakteur
4 Min.· Aktualisiert am
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„Braut sucht Kleid, und zwar digital“ – das ist die Idee von Henning Laue. Er führt in dritter Generation und zusammen mit seiner Mutter Kerstin Laue das Fachgeschäft Laue Festmoden im schleswig-holsteinischen Tellingstedt. Früher seien viele Kundinnen unentschlossen zur Anprobe erschienen, heute beobachtet er ein neues Verhalten: „Bräute haben durch Online-Recherche oft klare Vorstellungen. Viele bringen bereits eine Wunschliste mit bestimmten Kleidern oder Designern mit“, sagt er. „Und die Beratung hat sich verändert – von ,komplett unentschlossen' zu ,gezielter Auswahl'.“

Zusammen mit Raffael Schulz hat er daher die App „Bridify“ initiiert, die im November 2023 herauskam. Derzeit sind mehr als 3.000 Kleider in der Datenbank, eingestellt von Herstellern und Designern. Angehende Bräute durchsuchen sie wie eine Dating-App per Wisch (Swipe) nach links (weitersuchen), rechts (liken) und oben (Favoriten). Der nächste Schritt ist der für Händler wichtige: Die App zeigt, wo die favorisierten Kleider anzuprobieren und zu kaufen sind.

Dafür arbeitet Laue mit rund 200 Händlern zusammen, etwa zur Hälfte in Deutschland und zur Hälfte in Großbritannien. „Im Schnitt kommen zurzeit in Deutschland zehn bis 15 neue Fachgeschäfte pro Woche hinzu“, sagt er. Wermutstropfen für den E-Commerce: Online-Shops listet Bridify nicht. „Wir möchten uns auf hochwertige Brautmode spezialisieren, die meist sogar eine Anpassung benötigt“, so Laue. „Das ist online nur schwer umzusetzen.“

Neue Händler sind willkommen, die Nachfrage sei sehr groß. „Hier wünschen wir uns, dass wir vor allem die Händler bekommen, die verstehen, wie eine moderne Braut tickt“, sagt Laue. Es gehe nicht nur darum, ein Kleid zu verkaufen, sondern ihr ein Erlebnis zu bieten. Gegenwärtig sei die App noch in einer Testphase, daher entstünden den Fachgeschäften keine Kosten. Geplant seien Entgelte pro vermitteltem Termin, sie sollen weit unter dem liegen, was Fachgeschäfte für Werbung auf Instagram oder Hochzeitsmessen ausgeben. Eigenen Content muss kein Geschäft mitbringen: „Die Fachgeschäfte können angeben, welche Kollektionern sie führen, und werden in der App entsprechend verknüpft.“

Ungefähr zehn Prozent der jährlich in Deutschland heiratenden Frauen sei auf Bridify aktiv, sagt Laue, das seien etwa 40.000 Bräute. In Großbritannien seien es 6.000. Um die Investorensuche zu erleichtern, „ist die App mittlerweile ,aus Zypern', war aber vorher Made in Germany“, sagt Laue. Was er mit Bridify vorhat und welche Marken vertreten sind, erläutert Henning Laue im Interview mit Etailment.de.

Mal ehrlich und ohne Buzzwords: Wie würden Sie Ihren Eltern das Start-up erklären?
Bridify ist eine mobile App, mit der Bräute spielerisch und einfach ihren perfekten Brautkleider-Stil finden können. Sie können Kleider durchstöbern, die ihnen gefallen, markieren und sich eine persönliche Wunschliste anlegen. Wenn eine Kollektion gefällt, zeigt die App, in welchen Geschäften sie es anprobieren können – mit Terminbuchung direkt in der App.

Wie beschreiben Sie Ihr Geschäftsmodell einem möglichen Partner in 280 Zeichen?
Bridify ist die smarte Bräute-App für Hochzeitskleid-Inspiration & Terminbuchung. Brands erhalten gezielte Reichweite, Fachgeschäfte bekommen Terminanfragen ohne großen Aufwand. Gleichzeitig generieren wir wertvolle Daten zu Trends, um schneller bessere Designs erstellen zu können.

Welche Unternehmen/Kunden konnten Sie bereits überzeugen?
Wir arbeiten bereits mit mehr als 30 internationalen Herstellern und fast 200 Fachgeschäften zusammen. Renommierte Marken wie Pronovias, Modeca, Justin Alexander und Bridal Collective glauben an unser Konzept, und es kommen fast wöchentlich neue Marken dazu.

Mit wem würden Sie gerne ins Geschäft kommen?
Wir haben schon sehr viele internationale, große Marken und auch einige Designer an Bord. Wir wollen den Bräuten eine maximale Auswahl bieten und wünschen uns daher, dass wir sowohl noch mehr internationale Labels, aber auch etwas weniger bekannte, dafür aber ausgefallenere Designer vom Nutzen der App überzeugen können. Was war die wichtigste Erkenntnis seit dem Start?
Der Brautkleidermarkt ist sehr viel komplexer und fragmentierter als gedacht. Gleichzeitig besteht auf allen Ebenen ein enormer Nachholbedarf in der Digitalisierung der Branche.

Auf welche Erfolgszahl sind Sie besonders stolz?
Wir konnten im ersten Jahr fast 15 Millionen Swipes in der App verzeichnen. Die meisten Bräute machen 300 bis 500 Swipes, aber wir haben auch Bräute, die innerhalb von 48 Stunden durch mehr als 2.000 Kleider swipen. Das zeigt uns, dass wir mit dem Konzept einen Nerv getroffen haben.

Welche Schlagzeile über Ihr Start-up würden Sie gerne in fünf Jahren in einer Wirtschaftszeitung lesen?
Durch smarte Daten- und Trendanalyse beim Einkauf hilft Bridify Fachgeschäften weltweit, die Ladenhüter um 60 Prozent zu reduzieren.

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SB
Geschrieben vonStefan Becker

Redakteur

Stefan Becker arbeitet seit Sommer 2022 als Redakteur für „Der Handel“ und Etailment.de, nachdem er zuvor ein gutes Jahr als freier Mitarbeiter dabei war. Der Diplom-Journalist (TU Dortmund) kommt aus dem Lokaljournalismus („Recklinghäuser Zeitung“, Volontariat beim „Solinger Tageblatt“) und verbindet im Deutschen Fachverlag seine Erfahrungen aus dem Verbraucher- (sieben Jahre „Öko-Test“) und dem Fachzeitschriften-Journalismus (sechs Jahre „Touristik-Report“).

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