
Hey circle will den Mehrwegversand aus der Nische holen
Das Münchener Start-up Hey circle will helfen, das Abfallproblem im E-Commerce zu lösen - mit faltbaren Versandboxen und -taschen, die Endkunden nach Gebrauch leer zurückschicken. Ein Rücknahmesystem im stationären Handel und bei Paketdienstleistern ist bereits in Planung. Etailment stellt Hey circle vor.
Etailment sprach mit Gründerin Doris Diebold über ihr Start-up.Mal ehrlich und ohne Buzzwords: Wie würden Sie Ihren Eltern das Start-up erklären?
Ihr bestellt doch gerne im Internet, seid dann aber traurig über all den Verpackungsmüll. Das Problem ist, dass jeder Karton nur genau einmal genutzt und dann entsorgt wird. Beim Mehrweg-Versand mit Hey circle ist das anders – ihr nehmt aus der Verpackung einfach raus, was ihr bestellt habt, faltet sie zusammen und schickt sie zurück. So kann sie rund 50-mal verwendet werden, spart Abfall und CO₂.
Wie beschreiben Sie Ihr Geschäftsmodell einem möglichen Partner in einem Tweet (280 Zeichen)?
Hey circle vermietet an Versandhändler #Mehrweg-Versandverpackungen, die bei 50 Umläufen 94% Abfall und 76% #CO₂-Emissionen sparen (Ökopol). Die 8 robusten, leichten, faltbaren Taschen & Boxen sind für die #Logistik optimiert und werden um eine IT-Lösung ergänzt. #choosereuseWelche Unternehmen/Kunden konnten Sie bereits überzeugen?
Generell sind das First Mover, die sich nachhaltigeres Handeln zum Ziel gesetzt haben – zum Beispiel Drykorn, Arive, VIU (Testphase). Häufig starten Unternehmen damit, Hey circle in der Intralogistik einzusetzen und weiten die Mehrweg-Lösungen dann auf den B2C-Versand aus.
Mit wem würden Sie gerne ins Geschäft kommen?
Wir sind bereits mit großen deutschen E-Commerce-Händlern im Gespräch und freuen uns darauf, noch mehr "Partner in crime" zu gewinnen. Gerade in Branchen, in denen der Wert des Warenkorbs etwas höher ist und es viele Warenretouren gibt, fällt der Einstieg in den Mehrwertversand leicht. Aber auch überall dort, wo es ohnehin einen geschlossenen Kreislauf und regelmäßige Sendungen gibt – das geht von Mietmodellen im B2C über B2B-Versandhandel bis hin zur Intralogistik. Das nächste große Spielfeld wird der Bereich E-Food sein. Wir sind also nicht auf eine Branche oder ein Unternehmen festgelegt –der Wunsch nach mehr Nachhaltigkeit ist aber bei allen der gemeinsame Nenner.
Was war die wichtigste Erkenntnis seit dem Start?
Eine Erkenntnis, die wir mit vielen Start-ups teilen, ist die, dass eine gute Idee und ein nachhaltiges Produkt nicht ausreichen, um die Welt zu retten. Wir brauchen ein wettbewerbsfähiges Geschäftsmodell und richtig große Mitstreiter – und diese wiederum brauchen harte Zahlen und hohe Verlässlichkeit. Deshalb sprechen wir transparent über Faktoren wie Kostenersparnis durch Mehrwegversandlösungen, deren Marketing-Effekt, gesetzliche Regularien oder wie sich CSR-Ziele erreichen lassen. Und nutzen das Feedback unserer Kunden für die Weiterentwicklung unserer Produkte.Auf welche Erfolgszahl sind Sie besonders stolz?
94 und 76. Gemäß unserer aktuellen Ökobilanz von Ökopol spart unsere Hey-circle-Box Größe L bei 50 Umläufen 94% Abfall und 76% CO₂ gegenüber dem Einwegkarton. Und bereits mit der nächsten anstehenden Produktion werden die Zahlen noch cooler - dann erhöhen wir den Rezyklat-Anteil nämlich auf 30%.
Welche Schlagzeile würden Sie gerne in fünf Jahren über Ihr Start-up in einer Wirtschaftszeitung lesen?
"Abfall und CO₂ im E-Commerce drastisch reduziert: Hey circle feiert 150 Millionen Mehrweg-Sendungen"
Redakteurin
Ulrike Sanz Grossón schreibt seit 2017 auf etailment.de über die digitalen Konzepte großer und kleinerer Einzelhandelsunternehmen. Die studierte Germanistin und Amerikanistin war journalistisch zunächst als freie Mitarbeiterin in der Lokalredaktion der "Taunus-Zeitung" (Frankfurter Neue Presse) und bei "Horizont" tätig. Es folgte das Volontariat bei der "Lebensmittel Zeitung". Seit 2003 schreibt sie als Redakteurin für verschiedene Publikationen des Deutschen Fachverlags.
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