Tierärztin bereitet rassenspezifisches Hundefutter für Dackel und Schäferhund zu
© Black Forest Labs / Flux

Hey Holy hat für jede Hunderasse eigenes Futter

„Ein Schäferhund ist kein Chihuahua“, sagt das Hundefutter-Start-up Hey Holy und setzt auf eigene Futtermischungen für jede Rasse. Zusammen mit einer Tierärztin entwickelt ein 19-köpfiges Team die Futter und vertreibt sie bisher ausschließlich im eigenen Online-Shop – vor allem im Abonnement.

SBStefan BeckerRedakteur
5 Min.· Aktualisiert am
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Die verschiedenen Hunderassen haben nicht nur ihre je eigenen Charaktereigenschaften, sondern auch spezifische Krankheiten: Dackel leiden wegen ihres langen Rückens oft unter Bandscheibenvorfällen (der Dackellähme), Möpse haben wegen des brachycephalen Syndroms Probleme mit der Atmung, große Rassen entwickeln Herzerweiterungen. Viele solcher Malaisen lassen sich mit dem richtigen Futter vermeiden oder lindern, davon sind Annika Rahm und Charlotte Dehnert überzeugt, die Gründerinnen des Hundefutter-Start-ups Hey Holy.

Wie bei vielen Start-ups entstand die Idee aus einer persönlichen Geschichte: Annika Rahm erfüllte sich den Traum eines eigenen Dobermanns, schreibt sie in der Unternehmensgeschichte, befürchtete aber, er könne an einer einer typischen Dilatativen Kardiomyopathie erkranken, einer Herzkrankheit. Von Züchtern erfuhr sie, dass Zusatzstoffe im Futter dem vorbeugen können. Gemeinsam mit Charlotte Dehnert und der Tierärztin Helena Bröring Veith begann sie, auf Hunderassen abgestimmtes Futter zu entwickeln.

Und so heißen die Produkte im Online-Shop „Beautiful Bulldogs“, „Ravishing Retrievers“ oder „Shine-Bright Shepherds“. Unter anderem komme es durch die Verwendung von nur einer tierischen Proteinquelle zu weniger Stress für das Immunsystem und seltener zu Unverträglichkeiten. Hey Holy betont, die Futter enthielten weder Getreide noch Zucker, Aromen oder Schlachtabfälle. Und nimmt für sich in Anspruch, die Kundschaft nicht nur zu beliefern, sondern auch zu beraten. Der Name lässt sich übrigens nicht mit „Hallo, Heiliger“ übersetzen: „HOLY steht für Holistic Pet Nutrition – unseren Anspruch, Hunde ganzheitlich, gesund und individuell zu ernähren“, sagen die Gründerinnen. „HEY ist die charmante Ergänzung, eine persönliche Ansprache und verleiht dem Markennamen eine nahbare, emotionale Note.“

Und der Online-Shop ist nicht einfach ein Shop: 85 Prozent der Kundinnen und Kunden beziehen das Futter im Abonnement, sagen die Gründerinnen Rahm und Dehnert. Lieferintervalle, Sorten und Mengen könnten jederzeit angepasst werden, eine Mindestlaufzeit gebe es nicht, Kündigen sei einfach. „Das schafft planbare Umsätze für uns.“ Planbar vor allem deshalb, weil nur ein Prozent der Kunden mache von der Geld-zurück-Garantie Gebrauch. Im Interview mit Etailment.de erklären die Gründerinnen ihr Konzept.

Mal ehrlich und ohne Buzzwords: Wie würden Sie Ihren Eltern das Start-up erklären?
Stell dir vor, du hättest eine Glutenunverträglichkeit – und müsstest trotzdem den ganzen Tag Pasta essen. Du würdest leiden, hättest Verdauungsprobleme, Entzündungen – und langfristige gesundheitliche Folgen inklusive. Genau so ist es bei vielen Hunden. Sie bekommen Futter, das nicht zu ihren Bedürfnissen passt, obwohl jede Rasse andere Anforderungen an Verdauung, Gelenke oder Haut hat. Eine Bulldogge beispielsweise leidet besonders häufig unter Juckreiz, ein Labrador unter Gelenkproblemen. Beides lässt sich mit den richtigen Zusätzen im Futter adressieren. Wir geben also jedem Hund genau das, was er wirklich braucht. Rassenspezifisch, gesund und individuell.

Wie beschreiben Sie Ihr Geschäftsmodell einem möglichen Partner in 280 Zeichen?
Hey Holy ist das erste Abo für rassenspezifisches Hundefutter in Europa. Hochwertige, individuell abgestimmte Ernährung, direkt nach Hause geliefert, jederzeit anpassbar. Das ist bequem für den Menschen, gesund für den Hund, und ein tolles Geschäftsmodell noch dazu.

Welche Unternehmen/Kunden konnten Sie bereits überzeugen?
Mittlerweile vertrauen mehr als 20.000 Hundehalter regelmäßig auf unser Futter – mit besonders hoher Bindung und Weiterempfehlungsrate. Unsere Kundinnen und Kunden kommen aus allen Einkommensschichten und unterschiedlichsten Lebensrealitäten: Familien auf dem Land, junge Paare in der Stadt, Rentner mit viel Zeit für ihren Hund oder Berufstätige mit wenig.

Mit wem würden Sie gerne ins Geschäft kommen?
Tatsächlich sind wir bereits vom stationären Handel angesprochen worden. Aktuell ist der richtige Zeitpunkt dafür aber noch nicht gekommen. Unser Fokus liegt derzeit ganz klar auf dem Ausbau unseres Online-Geschäfts, weil wir dort die volle Kontrolle über Marke, Kundenerlebnis und Daten behalten. Mittelfristig sehen wir Retail aber ganz klar als spannenden Wachstumskanal. Wenn es so weit ist, wollen wir das mit einem starken Partner angehen. Bis dahin bauen wir weiter Momentum auf – und stellen sicher, dass wir auch im Handel nicht nur sichtbar, sondern erfolgreich sind.

Was war die wichtigste Erkenntnis seit dem Start?
Viele unserer Kundinnen und Kunden kommen zu uns mit einer langen Leidensgeschichte, weil ihr Hund jahrelang Probleme mit der Verdauung, Haut oder Gelenken hatte und kein Futter wirklich geholfen hat. Wir begleiten die Umstellung eng: mit individueller Tierarztbetreuung, speziellen Supplements für besonders sensible Hunde und einer 30-Tage-Geld-zurück-Garantie, falls es doch mal nicht passt. Nur ein Prozent unserer Kundinnen und Kunden macht überhaupt von dieser Garantie Gebrauch. Ein starkes Zeichen dafür, dass das Futter wirkt – und die Erleichterung groß ist, endlich angekommen zu sein. Auf welche Erfolgszahl sind Sie besonders stolz?
Auf unsere Abo-Quote – sie liegt inzwischen bei 85 Prozent. Gestartet sind wir bei ca. 60 Prozent, und viele meinten damals: „Abo-Modelle? In Deutschland? Schwierig.“ Und tatsächlich: Nur wenige Unternehmen – gerade im Heimtierbereich – haben es geschafft, Subscription wirklich nachhaltig zu etablieren. Umso stolzer sind wir, dass es uns gelungen ist, dieses Modell nicht nur umzusetzen, sondern zu einem echten Differenzierungsmerkmal zu machen. Unsere aktuelle Umfrage hat ergeben, dass für viele Hey Holy das erste Abo überhaupt ist – nicht nur im Bereich Hundefutter, sondern generell. Das zeigt: Wenn der Mehrwert spürbar ist, funktioniert Subscription auch hier. Wir haben unser Modell so gebaut, dass es flexibel, vertrauenswürdig und einfach ist – und genau das honorieren unsere Kunden.

Welche Schlagzeile über Ihr Start-up würden Sie gerne in fünf Jahren in einer Wirtschaftszeitung lesen?
„Hey Holy wird zur Nr.- 1-Marke für Hundefutter in Europa – und hat bereits mehr als 1 Million Hunden zu einem gesünderen Leben verholfen.“

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SB
Geschrieben vonStefan Becker

Redakteur

Stefan Becker arbeitet seit Sommer 2022 als Redakteur für „Der Handel“ und Etailment.de, nachdem er zuvor ein gutes Jahr als freier Mitarbeiter dabei war. Der Diplom-Journalist (TU Dortmund) kommt aus dem Lokaljournalismus („Recklinghäuser Zeitung“, Volontariat beim „Solinger Tageblatt“) und verbindet im Deutschen Fachverlag seine Erfahrungen aus dem Verbraucher- (sieben Jahre „Öko-Test“) und dem Fachzeitschriften-Journalismus (sechs Jahre „Touristik-Report“).

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