
Scrap Bees: "Fleißige Bienen" sollen urbane Minen erschließen
Das Start-up Scrap Bees aus Neuss ist angetreten, um Entsorgung und Recycling von Altmetallen einfacher zu machen: Privatkunden und Betriebe können die Abholung ihres Metallschrotts unkompliziert online anmelden. Mithilfe einer selbst entwickelten Software sollen selbst kleinste Mengen wertvoller Metalle der Wiederverwertung zugeführt werden. Etailment stellt Scrap Bees vor.
Software findet den besten Abnehmer
Damit Kunden, die z.B. ein Ladenlokal umbauen und alte Warenträger entsorgen, keine Container stellen müssen, kommen die Schrottbienen bei Bedarf auch täglich und holen kleinere Mengen Altmetall ab. Die selbst entwickelte Softwarelösung hilft dem Start-up nicht nur Routen effizient zu planen, sondern auch, den jeweils besten Abnehmer zu finden, um den Ertrag im Verkauf zu optimieren. So soll es möglich sein, auch kleinste "urbane Minen" zu erschließen. Die Metalle werden vor Ort analysiert, gewogen und dann zum professionellen Abnehmer gefahren. Für wertvolle Materialien erhalten Kunden zeitnah eine digitale Gutschrift.
Ein Jahr nach dem operativen Start erzielte Scrap Bees 2022 einen Umsatz von rund einer Million Euro und hat mittlerweile mehr als 8.000 Kunden. Im vergangenen Jahr wurden mehr als 2.000 Tonnen Metallschrott gesammelt, von denen ansonsten ein Großteil als Sperrmüll verbrannt worden wäre. Derzeit verfügt das junge Unternehmen über 20 Fahrzeuge, die das Altmetall bei Haushalten, Handwerkern, aber auch bei Einzelhandelsbetrieben einsammeln.
Nach dem Start im Ruhrgebiet sind die fleißigen Bienen mittlerweile in Hamburg, Stuttgart, Mannheim, Nürnberg und Frankfurt sowie in Sachsen und Thüringen unterwegs. Weitere Städte und Regionen sollen folgen. Im Etailment-Kurzinterview stellt Mitgründer Thilo Hamm Scrap Bees vor.Mal ehrlich und ohne Buzzwords: Wie würden Sie Ihren Eltern das Start-up erklären?
Wir sind sozusagen ein rollender Schrottplatz, den man online buchen kann. Wir holen den Schrott da ab, wo er entsteht: im Lager, in der Werkstatt, in der Verkaufsfläche bei Geschäftsauflösung. Wir kommen auch schon bei kleinen Mengen ab 100 Kilogramm, tragen das Material raus und zerlegen es sogar notfalls. Damit entfallen die klassischen Schrottcontainer (teuer, brauchen Genehmigungen, sehen nicht schön aus vor der Filiale).
Wie beschreiben Sie Ihr Geschäftsmodell einem möglichen Partner in einem Tweet (280 Zeichen)?
Wir nehmen Händlern, Betrieben oder Privatpersonen die ungeliebte Aufgabe des Schrott-Recyclings ab. Das Material wird vor Ort analysiert, gewogen und digital erfasst. Keine Containermiete, kein selbst Schleppen. Pünktlich, zuverlässig, transparent und nachhaltig.
Welche Unternehmen/Kunden konnten Sie bereits überzeugen?
Unsere Kundschaft erstreckt sich über klassische stationäre Einzelhändler sowie Onlinehändler, über Handwerksbetriebe bis hin zu Privatpersonen. Zum Beispiel helfen wir auch beim Abtransport und Entsorgen alter Verkaufs- oder Lagerflächen, wie metallischer Regale oder Transportgeräte. Darüber hinaus arbeiten wir mittlerweile mit über 250 B2B-Partnern zusammen. Unter anderem haben wir eine Partnerschaft mit dem Heizungshersteller Vaillant.
Mit wem würden Sie gerne ins Geschäft kommen?
Mit allen Unternehmen, die nach einer effizienten Methode suchen, Altmetall zu entsorgen.
Was war die wichtigste Erkenntnis seit dem Start?
Schrott abholen allein reicht nicht. Wir müssen genau verstehen, wie wir uns in die komplexen Prozesse unserer Kunden integrieren können, um diesen möglichst viel Arbeit abzunehmen. Das geht von der Beauftragung über den Service vor Ort bis zur Lieferung des Entsorgungsnachweises bzw. der Abrechnung.
Auf welche Erfolgszahl sind Sie besonders stolz?
Auf unsere knapp 50 großartigen Kollegen, mit denen wir Tag für Tag an unserem Ziel arbeiten, wertvolle urbane Minen zu finden und zu heben.
Welche Schlagzeile würden Sie gerne in fünf Jahren über Ihr Start-up in einer Wirtschaftszeitung lesen?
Abhängigkeit von primären Rohstoffen dank Scrap Bees stark reduziert
Redakteurin
Ulrike Sanz Grossón schreibt seit 2017 auf etailment.de über die digitalen Konzepte großer und kleinerer Einzelhandelsunternehmen. Die studierte Germanistin und Amerikanistin war journalistisch zunächst als freie Mitarbeiterin in der Lokalredaktion der "Taunus-Zeitung" (Frankfurter Neue Presse) und bei "Horizont" tätig. Es folgte das Volontariat bei der "Lebensmittel Zeitung". Seit 2003 schreibt sie als Redakteurin für verschiedene Publikationen des Deutschen Fachverlags.
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