Woola: Schafwolle statt Luftpolsterfolie
Das estnische Start-up Woola will mit Verpackungslösungen aus Wollresten gleich zwei Probleme von Plastikverpackungen lösen: die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen und die Kurzlebigkeit. Nach Estland, Schweden, Finnland, Dänemark und Frankreich will das junge Unternehmen nun auch in Deutschland Onlinehändler von seinen Produkten überzeugen. Etailment stellt Woola vor.
Nach Estland, Schweden, Finnland, Dänemark und Frankreich bereitet Woola nun den Markteintritt in Deutschland vor. Im Etailment-Kurzinterview stellt Woola-Mitgründerin Anna- Liisa Palatu das Start-up vor.
Mal ehrlich und ohne Buzzwords: Wie würden Sie Ihren Eltern das Start-up erklären?
Waren für den Versand in Luftpolsterfolie zu verpacken, ist alles andere als nachhaltig und gut für unseren Planeten – genau das wollen wir ändern. Viele wissen nicht, dass Schafwolle eine ungenutzte und zu wenig geschätzte Ressource ist. Denn mehr als 200.000 Tonnen Wolle werden in Europa jedes Jahr ungenutzt entsorgt – oft wird diese Wolle verbrannt oder vergraben. Im Team haben wir herausgefunden, dass eben diese Wolle ausreicht, um 120% des weltweiten Bedarfs an Luftpolsterfolie zu decken. Mit unseren Woola-Produkten reduzieren wir die Nachfrage nach Einweg-Plastikverpackungen im E-Commerce, indem wir eine bessere Alternative anbieten, nämlich Schutzverpackungen aus Wollresten.Wie beschreiben Sie Ihr Geschäftsmodell einem möglichen Partner in einem Tweet (280 Zeichen)?
Schützen, auffallen und Plastik reduzieren – mit Woola-Verpackungen aus Wollresten können Einzelhändler umweltfreundlich und sicher empfindliche Waren wie Elektronik, Schmuck oder Kosmetika versenden. Und das Beste: alle Produkte sind wiederverwendbar.
Welche Unternehmen/Kunden konnten Sie bereits überzeugen?
Unser Kreis an Kunden ist recht breit gefächert, dennoch gibt es eine Gemeinsamkeit: Unsere Kunden versenden Produkte, die geschützt werden müssen. So arbeiten wir mit Modemarken zusammen, die Schmuck verkaufen, mit Haushaltsreinigungsmarken wie Atmo Home oder auch mit Gewürzherstellern. Ein weiteres Beispiel ist Tanel Veenre, ein buntes und experimentelles Schmucklabel, das vor etwa einem Jahr von individuell gestalteten Luftpolstertaschen aus Plastik zu unseren Wollumschlägen wechselte. Wir hoffen, bald noch mehr Gründer wie Tanel von Tanel Veenre davon zu überzeugen, dass Wollverpackungen eine einfache, funktionelle und nachhaltige Möglichkeit bieten, Produkte während des Versands zu schützen. Insgesamt sehen wir in ganz Europa ein großes Interesse aufseiten der E-Commerce-Marken.
Mit wem würden Sie gerne ins Geschäft kommen?
Unsere Wunschkunden sind Einzelhändler, die zerbrechliche Produkte online verkaufen. Da wir die größtmögliche Wirkung erzielen wollen, ist es unser Ziel, mit den größten Namen im E-Commerce zusammenzuarbeiten: von Amazon und Otto bis hin zu spezifischeren Vertikalen wie Shop Apotheke.
Was war die wichtigste Erkenntnis seit dem Start?
Unser Motto „Manchmal verlieren, immer gewinnen” spiegelt unsere wichtigste Erkenntnis wider: Jeden Erfolg, den wir bisher erzielen konnten, verdanken wir unserer Arbeitsmoral und Hartnäckigkeit. Doch auch wenn wir immer unser Bestes geben, scheitern wir manchmal – das Wichtigste dabei ist, dass wir uns nicht entmutigen lassen, aus den Fehlern lernen und es erneut versuchen.
Auf welche Erfolgszahl sind Sie besonders stolz?
Wir sind sehr stolz darauf, dass wir seit unserer Gründung im Jahr 2020 bereits 32.374,40 Quadratmeter Luftpolsterfolie aus Kunststoff ersetzen konnten. Zudem setzen wir alles dran, unsere eigene Produktion so nachhaltig wie möglich und völlig abfallfrei zu gestalten. So haben wir bereits alle Kunststofffolien durch wiederverwendbare Palettennetze und Palettengurte ersetzt, um die Kartons während des Transports zu sichern. Zudem recyceln wir alle Kunststofffolien, die uns unsere Lieferanten schicken. Kürzlich haben wir auch unsere Produktionsabfälle (also Wollabfälle) zur Herstellung von Matratzen verwendet, die wir an die Front in der Ukraine geschickt haben.Welche Schlagzeile würden Sie gerne in fünf Jahren über Ihr Start-up in einer Wirtschaftszeitung lesen?
"Luftpolsterfolie, nein danke: Lösungen wie Woola reduzieren den weltweiten Verbrauch von Luftpolsterfolie um 50%"
Start-ups ohne Buzzwords
Sie sind Gründer eines innovativen und spannenden Unternehmens im Umfeld von Handel und FMCG? Können auch Sie Ihr Start-up ohne Buzzwords erklären? Dann melden Sie sich bei uns jederzeit unter ulrike.sanz@dfv.de.
Alle bisher vorgestellten Start-ups finden Sie unter etailment-Startups.de.
Redakteurin
Ulrike Sanz Grossón schreibt seit 2017 auf etailment.de über die digitalen Konzepte großer und kleinerer Einzelhandelsunternehmen. Die studierte Germanistin und Amerikanistin war journalistisch zunächst als freie Mitarbeiterin in der Lokalredaktion der "Taunus-Zeitung" (Frankfurter Neue Presse) und bei "Horizont" tätig. Es folgte das Volontariat bei der "Lebensmittel Zeitung". Seit 2003 schreibt sie als Redakteurin für verschiedene Publikationen des Deutschen Fachverlags.
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