Passbook: Eine App, sie alle zu binden

Passbook: Eine App, sie alle zu binden

Es ist der jüngste Streich von Apple: Passbook. Eine Sammel-App als virtuelle Börse für Coupons, Reservierungen und Co. Sie soll das Geschäft mit mobilen Gutscheine und virtuellen Kundenkarten revolutionieren. Die ersten Ketten und Dienstleister setzen sie bereits ein.

OKOlaf KolbrückChefredakteur
3 Min.· Aktualisiert am
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Es ist der jüngste Streich von Apple: Passbook. Eine Sammel-App als virtuelle Börse für Coupons, Reservierungen und Co. Sie soll das Geschäft mit mobilen Gutscheine und virtuellen Kundenkarten revolutionieren. Die ersten Ketten und Dienstleister setzen sie bereits ein.

Mit dem neuen Betriebssystem iOS 6 und dem iPhone 5 präsentierte Apple stolz auch die Anwendung Passbook. Magisch soll sie sein, wie so vieles bei Apple und ist der Trumpf, den Apple gegen die Near Field Communication ins Feld führt.

„Passbook bietet alles, was der Kunde heutzutage braucht“, trommelt Apple-Marketingchef Phil Schiller und setzt damit auf die schon heute weit verbreiteten QR-Codes.

Doch stimmt das?

Vielleicht.

Im Kern dient die App dazu, Gutscheine, mobile Stempelkarten, Bahnfahrkarten, Mietwagenreservierungen und Flugtickets zu verwalten und reichert sie mit zeit- und ortsbasierten Informationen an.

Das Ticket der Lufthansa, die Reservierung bei HRS beispielsweise.

Beide sind frühzeitig mit dabei. Als erstes Hotelportal weltweit unterstützt HRS das neue System von Apple und erleichtert seinen Kunden damit die Verwaltung ihrer Hotelreservierungen. Per Klick können iPhone-Nutzer ihre über HRS getätigten Buchungen zu Passbook hinzufügen. Lästige Ausdrucke entfallen, Reisende müssen beim Check-in im Hotel nur noch ihre Bestätigung auf dem Display vorzeigen. Dank Kalenderfunktion und GPS zeigt Passbook automatisch alle relevanten Informationen an, etwa wenn sich der Nutzer dem von ihm gebuchten Hotel nähert. In Zukunft ist es außerdem denkbar, Aktualisierungen und nützliche Zusatzinformationen direkt an Passbook zu schicken, zum Beispiel wenn das Zimmer für den Gast vorbereitet ist oder die Check-in-Frist abläuft. Auch weiterführende Informationen über das gebuchte Zimmer oder Angebote im Hotel, wie beispielsweise die aktuelle Menükarte des Hotelrestaurants, könnten in die App eingespielt werden.

Lufthansa möchte in einem zweiten Entwicklungsschritt noch in diesem Jahr auch die Update-Funktionalität integrieren. Ändert sich beispielsweise der Abflugsteig, werden die Daten in den unter „Passbook“ abgelegten Bordkarten automatisch angepasst und der Nutzer erhält eine entsprechende Information, ohne dass er selbst aktiv werden muss.

Auch Starbucks integriert den Dienst in die eigene App. Verknüpft mit der Starbucks-Kundenkarte lassen sich dann auf diese Weise künftig Bestellung bezahlen. Dank der Geo-Daten kann Starbucks sogar per Push-Mitteilung daran erinnern, dass man sich dem Geschäft nähert und beispielsweise eine Gutschein an das iPhone senden.Vorerst aber nur in den USA.

Kundenbindungsprogramm, man denke nur an Payback, ließen sich so zudem um weitere mobile Optionen ergänzen. Geburtskinder könnten  mit kleinen Goodies versorgt werden. „Die Zukunft des Mobile Commerce ist jedenfalls um eine strategische Option reicher", urteilt Achim Himmelreich, Partner bei Mücke, Sturm & Company (MS&C).

Ob Kunden das wollen?

Die Managementberatung Mücke, Sturm & Company (MS&C) hat in einer Analyse festgestellt, dass Passbook das Potenzial hat, den Markt für Coupons, Loyalty-Cards, etc. zu revolutionieren und Gutscheinportale unter Druck zu setzen. MS&C schätzt das Marktvolumen, der über Passbook abgefertigten Transaktionen bereits im Jahr 2013 auf 12,3 Milliarden US-Dollar.

Die amerikanische Kosmetikkette Sephora vermeldet immerhin mehr als 20.000 Downloads ihrer Passbook-Anwendung innerhalb von 24 Stunden. Auch der US-Händler Target ist bereits auf den Zug aufgesprungen.

Innerhalb kürzester Zeit sind darüber hinaus mit PassTools, PassRocket, Passdock, PassSource, PassK.it, Passshop und Passwallet zahlreiche Anbieter in den Markt eingetreten, mit deren Hilfe Händler, Restaurants und Dienstleister eigenständig Pässe für Passbook erstellen können. Push-Benachrichtigungen für mobile Werbung können vor diesem Hintergrund laut Mücke, Sturm & Company einen größeren Verbreitungsgrad erlangen.

Gutscheinportale wie Groupon, Dailydeal & Co würden hingegen durch Passbook unter Druck geraten und aufgrund der Möglichkeit zur eigenständigen Pass-Erstellung als Mittler in der Wertschöpfungskette substituiert.

Interessiert? Auf der Webseite passsource.com können Händler testweise eigene Pässe erstellen.

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Geschrieben vonOlaf Kolbrück

Chefredakteur

Olaf Kolbrück, 48, war lange Jahre Reporter Internet und E-Business bei Horizont. Seine Karriere bei Horizont, Fachmagazin für Marketing und Medien, startete er 2000 als Redakteur für Marketing, Web 2.0 und E-Commerce. Daneben gründete er den renommierten Marketing-Blog Off-the-Record.de und zählt zu den profiliertesten Bloggern für digitale Werbung und Marketing. Im Juli 2013 erschien sein Fachbuch "Erfolgsfaktor Online-Marketing - So werben Sie erfolgreich im Netz / E-Mail, Social Media, Mobile & Co. richtig nutzen" (Deutscher Fachverlag, Frankfurt). Anschließend ist von ihm der Kurzgeschichten-Band "Gebete an die Cloud - 5 phantastische digitale Geschichten" erschienen. (Printversion) 2009 gewann er den Innovationspreis des Deutschen Fachverlags. 2011 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des Vereins D64 – Zentrum für digitalen Fortschritt. Zu seiner früheren redaktionellen Tätigkeit zählen Positionen bei der Handelsgruppe Rewe in Köln und bei der Neue-Rhein-Zeitung. Nebenbei schreibt er Krimis. Sie finden den Autor bei Twitter unter dem Namen @OlafKolbrueck oder auch auf Facebook sowie bei Google+. Kolbrück bloggt auch noch hier. Mehr über Olaf Kolbrück als Autor gibt es auf kolbrueck.de.

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