
Tierquälerei: Ernsting`s family knickt nach Shitstorm ein
So hatte sich das Ernsting`s family nicht vorgestellt. Es sollte ein fröhlicher Spot für die neue Kollektion sein, mit lustigen Kindern und munterer Zirkus-Atmosphäre. Doch die heile Welt der Online-Kampagne „Volle Farb´ voraus“ stieß Kunden sauer auf. Grund: die Elefanten in dem Zirkus-Spot. Tierfreunde überzogen das mittelständische Unternehmen (Slogan: Von fröhlichen Familien empfohlen) prompt mit einem Proteststurm gegen Wildtierhaltung im Zirkus. Nun ist die Modekette vor dem Shitstorm b...
Grund: die Elefanten in dem Zirkus-Spot. Tierfreunde überzogen das mittelständische Unternehmen (Slogan: Von fröhlichen Familien empfohlen) prompt mit einem Proteststurm gegen Wildtierhaltung im Zirkus. Nun ist die Modekette vor dem Shitstorm bei Facebook eingeknickt und zieht den Clip aus dem Verkehr.
"Uns ist bewusst geworden, dass wir mit diesem TV-Spot die Gefühle vieler Tierliebhaber verletzt und ein falsches Signal gesetzt haben", erklärt das Unternehmen nun auf Facebook nachdem sich dort hunderte wütender "Fans" Luft machten und sogar mit Kaufboykott drohten. Zuvor hatte das Unternehmen noch versucht, mit einer langen Rechtfertigungs-Arie die Wogen zu glätten. Vergeblich. Auch der Deutsche Tierschutzbund verurteilte die Kampagne. „Der Werbespruch von Ernsting's Family lautet ‚Von fröhlichen Familien empfohlen‘ - und man sollte ergänzen: von gequälten Elefanten präsentiert", kritisiert Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes.
Die Entrüstung kommt nicht ganz unbegründet. Der TV-Spot zeigt die beiden Elefanten Malou und Mogli des Circus Voyage. Dort war bereits Anfang des Jahres ein Elefant verstorben. Spätestens seitdem steht der Zirkus in der Kritik.
„Für die Tiere ist ‚Circus Voyage‘ die Hölle auf Erden“, so Diplom-Zoologe Peter Höffken, Wildtierexperte und Kampagnenleiter bei der Tierschutzorganisation PETA. Die hatte im Frühjahr Strafanzeige gegen den Zirkus gestellt.
Die Modekette, die mit der Kampagne so gerne mit der Zeit gehen wollte, zeigt sich bei der Gestaltung zudem nicht auf der Höhe der Zeit. Zwei Drittel der Deutschen finden Umfragen zufolge Wildtiere im Zirkus nicht mehr zeitgemäß. Die Bundestierärztekammer hat sich für ein Wildtierverbot im reisenden Zirkus ausgesprochen. Auch der Bundesrat fordert ein grundsätzliches Verbot von Wildtieren im Zirkus. Umgesetzt ist es, anders als in 14 anderen europäischen Ländern, bislang nicht.
Das hat offenbar nun auch der Mittelständler bemerkt: "Zu unserem eigenen Bedauern haben wir uns nicht ausreichend im Vorfeld mit dem Thema „Wildtierhaltung im Zirkus“ auseinandergesetzt. "
Der Shitstorm bei Facebook kommt für Ernsting`s family zudem zur Unzeit. Gerade erst hatte die Kette einen Facebook-Shop als zusätzlichem Verkaufskanal gestartet.
Chefredakteur
Olaf Kolbrück, 48, war lange Jahre Reporter Internet und E-Business bei Horizont. Seine Karriere bei Horizont, Fachmagazin für Marketing und Medien, startete er 2000 als Redakteur für Marketing, Web 2.0 und E-Commerce. Daneben gründete er den renommierten Marketing-Blog Off-the-Record.de und zählt zu den profiliertesten Bloggern für digitale Werbung und Marketing. Im Juli 2013 erschien sein Fachbuch "Erfolgsfaktor Online-Marketing - So werben Sie erfolgreich im Netz / E-Mail, Social Media, Mobile & Co. richtig nutzen" (Deutscher Fachverlag, Frankfurt). Anschließend ist von ihm der Kurzgeschichten-Band "Gebete an die Cloud - 5 phantastische digitale Geschichten" erschienen. (Printversion) 2009 gewann er den Innovationspreis des Deutschen Fachverlags. 2011 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des Vereins D64 – Zentrum für digitalen Fortschritt. Zu seiner früheren redaktionellen Tätigkeit zählen Positionen bei der Handelsgruppe Rewe in Köln und bei der Neue-Rhein-Zeitung. Nebenbei schreibt er Krimis. Sie finden den Autor bei Twitter unter dem Namen @OlafKolbrueck oder auch auf Facebook sowie bei Google+. Kolbrück bloggt auch noch hier. Mehr über Olaf Kolbrück als Autor gibt es auf kolbrueck.de.
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