So shoppen Sie 2020 im Stau

So shoppen Sie 2020 im Stau

Apps und Sprachsysteme machen das Auto mehr und mehr zum Mobile Device. Schon darf man vom Shopping im Stau träumen. An der Umsetzung tüfteln nicht nur die Internet-Riesen aus den USA. Auch deutsche Anbieter mischen mit Lösungen für den mobilen Marktplatz mit.

OKOlaf KolbrückChefredakteur
5 Min.· Aktualisiert am
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SEAT, BMW, Ford und Toyota bieten beispielsweise künftig am Volant Unterstützung mit Amazons Alexa. Bei BMW soll der Sprachassistent, der in diesen Tagen vorgestellt werden soll, nicht nur reden, sondern auf dem Control-Display im BMW auch visuelle Informationen anbieten. Was geht, das muss die Praxis zeigen. BMW will Skills aussortieren, die im Auto keinen Sinn machen oder den Fahrer ablenken. Mit BMW Connected bietet der Autobauer bereits einen eigenen Skill der Funktionen rund um Navigation und das Auto bietet. Was fehlt: „Alexa, hupen!“ Vielfach aber fristen die Connected Features heute noch ein Schattendasein. Das mag an mangelnder Usability liegen, vielleicht auch an fehlender Nähe zum Alltag. Tankstand abfragen, Türen ver- und entriegeln, Wetter und Verkehr abfragen, klingen jetzt nicht nach Features, die zum Game Changer werden. Das mag mehr werden, wenn alltagstaugliche Lösungen wie bei General Motors in der Mitte des Marktes angekommen sind. GM bietet in den neueren Modellen von Chevrolet, Buick, GMC und Cadillac einen Infotainment Marketplace. Damit kann der Nutzer unter anderem Produkte von Dunkin’ Donuts, Shell, ExxonMobil, Applebee und auch Starbucks kaufen und bestellen. GM will das Einkaufserlebnis damit nicht nur vom Smartphone am Steuer emanzipieren, sondern auch komfortabler machen. Das System soll lernen, was der Nutzer kaufen möchte und wann – beispielsweise, wenn es um den Kaffee auf dem Weg zu Arbeit geht. Bei den Drive-in-Starbucks in den USA kann eine automatische Vorbestellung ja ganz sinnvoll sein.
Auf dem Weg zum vernetzten Mobilitätsanbieter arbeiten derzeit alle großen Hersteller an neuen Lösungen. Am umfassendsten plant dabei vermutlich derzeit VW an der großen digitalen Serviceplattform und setzt mit "WeDeliver" auf die Kofferraumzustellung, bietet mit „WePark“ die Park-App mit integrierter Abrechnung, liefert mit „WeExperience“ personalisierte Angebote und Empfehlungen in Parkplatz-Nähe und steigt mit „WeShare“ ins Car-Sharing ein. Damit nicht genug: Eine andere Option bietet VW mit einem Protoytpen für die Autosuche und den Autokauf mit Alexa daheim.„Es wird eines Tages normal sein, per Sprache einzukaufen, Autos zu konfigurieren oder sich Produkte von einer Marke zeigen zu lassen. Die klassischen Touch- Tipp-/ Scrollfunktionen und die Spracheingabe werden im Netz miteinander verschmelzen,“ sagt Axel Neuhaus, Head of Digital Marketing bei VW Deutschland. Noch müssen beide Seiten dabei viel lernen. Alexa würde beispielsweise noch den Golf VII mit V eins eins aussprechen.

White-Label Lösung gegen die Abhängigkeit

Kritisch betrachtet wird vielfach die Datenhoheit im vernetzten Auto, wenn Alexa, Cortana, Siri oder der Google Assistant im Fond verbaut sind und die enge Zusammenarbeit mit den Internet-Riesen diese noch schlauer macht. Die GAFA-Ökonomie umgehen will deshalb die White-Label Lösung Drive2Shop. Die Online-Plattform wurde vom Zahlungsdienstleister Concardis sowie IAV (Gemeinschaftsunternehmen von VW, Continental und Schaeffler) entwickelt. Drive2Shop soll nicht nur Shopping per Spracheingabe ermöglichen, sondern während der Fahrt die Angebote lokaler Händler mit den Interessen des Kunden abgleichen – und den Fahrer gegebenenfalls gleich zum Händler navigieren. Da ist der Einkauf dann an einem Drive-In-Schalter abholfertig und – dank integrierter Payment-Funktion – auch schon bezahlt. Aussteigen unnötig.

Digitalexperten, wie Gabriel Seiberth vom Strategie- und Technologieberatungsunternehmen Accenture Digital, sind sich sicher: Bereits 2020 werden 90 Prozent der Neufahrzeuge vernetzt sein. Dies wird auf der Hardware-Seite erleichtert durch Nachrüstlösungen (beispielsweise mit Alexa von Anker und Garmin), auf der Software-Seite durch eine moderne E-Commerce-Architektur und Schnittstellen, die eine schnelle Integration neuer Funktionen hin zu den automobilen Plattformen ermöglichen."Ein Auto ist kein Webshop, klassische Shoplösungen kommen hier an ihre Grenzen. Eine flexible E-Commerce-API, die im Hintergrund mit dem Fahrzeug kommuniziert, kann ohne hohen Aufwand mit der Bordtechnologie der Fahrzeuge verbunden werden Das Auto liefert quasi nur die Benutzeroberfläche, sagt Roman Zenner, Industry Analyst beim Software-Unternehmen commercetools.

Mehr Vernetzung


Amazon lockt Entwickler und Autobauer unterdessen mit einer Open-Source-Version des Alexa Automotive Core (AAC). Das Software-Development-Kit (SDK) soll Automobilherstellern helfen, den Sprachassistenten in Autos und ihre Infotainment-Systeme zu integrieren. Amazon begnügt sich dabei selbst noch mit den üblichen Funktionen rund um Media und Navigation. Shopping bei Amazon hebt man sich wohl für eine spätere Evolutionsstufe auf. "Mit einem gut dokumentierten SDK können Anbieter die Akzeptanz ihrer Technologie aus Entwicklersicht spürbar steigern und zur Beschäftigung mit der eigenen Technologie motivieren, denn ein SDK bietet Entwicklern einen schnellen Einstieg in eine bestimmte Technologie und spart damit Zeit und Nerven, weiß Roman Zenner vom Software-Dienstleister commercetools aus eigener Erfahrung beim Einsatz von SDK. Die Autohersteller, die nach einem neuen Selbstverständnis jenseits der Straße suchen, dürften dabei am E-Commerce im Auto durchaus Interesse haben. Weniger aber am Ersatzteil-Sortiment von Amazon, denn an der Vernetzung mit den eigenen Händlern. Mit zusätzlichen digitalen Services könnte sie nämlich ihre Kunden besser binden. Beispielsweise kann ein Fahrzeughändler dem Kunden über die vernetzten Systeme je nach Strecke und Fahrzeugzustand individuelle Angebote für Services unterbreiten. Damit ergeben sich Chancen auf Zusatz- und Folgegeschäfte. Warum sollte man auch das Geschäft mit dem Verkauf neuer Scheibenwischer Amazon überlassen?

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Geschrieben vonOlaf Kolbrück

Chefredakteur

Olaf Kolbrück, 48, war lange Jahre Reporter Internet und E-Business bei Horizont. Seine Karriere bei Horizont, Fachmagazin für Marketing und Medien, startete er 2000 als Redakteur für Marketing, Web 2.0 und E-Commerce. Daneben gründete er den renommierten Marketing-Blog Off-the-Record.de und zählt zu den profiliertesten Bloggern für digitale Werbung und Marketing. Im Juli 2013 erschien sein Fachbuch "Erfolgsfaktor Online-Marketing - So werben Sie erfolgreich im Netz / E-Mail, Social Media, Mobile & Co. richtig nutzen" (Deutscher Fachverlag, Frankfurt). Anschließend ist von ihm der Kurzgeschichten-Band "Gebete an die Cloud - 5 phantastische digitale Geschichten" erschienen. (Printversion) 2009 gewann er den Innovationspreis des Deutschen Fachverlags. 2011 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des Vereins D64 – Zentrum für digitalen Fortschritt. Zu seiner früheren redaktionellen Tätigkeit zählen Positionen bei der Handelsgruppe Rewe in Köln und bei der Neue-Rhein-Zeitung. Nebenbei schreibt er Krimis. Sie finden den Autor bei Twitter unter dem Namen @OlafKolbrueck oder auch auf Facebook sowie bei Google+. Kolbrück bloggt auch noch hier. Mehr über Olaf Kolbrück als Autor gibt es auf kolbrueck.de.

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