
Tollabox: Warum ein Startup für Verzückung sorgt
Abokisten - keine neue Idee. Spielzeug im Abo – angesichts von Meine Spielzeugkiste und Wummelkiste.de auch keine neue Idee. Und trotzdem elektrisiert das Berliner Startup Tollabox derzeit Anleger und Szenebeobachter. Auf der Crowdfunding-Plattform Seedmatch sammeln die Gründer Oliver Beste und Béa Beste gerade Geld im Rekordtempo ein. Was steckt hinter dem Phänomen?
Eine "kreative Entdeckerbox" verspricht das Unternehmen, will mit seiner Idee und dem Inhalt der Boxen spielerisches Lernen fördern: Lernspielzeug für rund 20 Euro im Monat für Kinder zwischen drei und acht Jahren. Spektakulär ist das erst einmal nicht. Und doch sammelt das Start-up Geld in Säcken ein. Und eben nicht nur von den drei „F“ – „Friends, Familiy & Fools“.
300.000 Euro binnen 36 Stunden
Sogar Andreas Winiarski, PR-Mann bei Rocket Internet, ganz sicher kein Finanz-Hasardeur, twittert via Twitter von seinem allerersten Crowd-Investment. Anlageberater waren Frau und Kind.
300.000 Euro wollte sich Tollabox zunächst bei Seedmatch holen. Der Betrag war binnen 36 Stunden erreicht. Nun sollen es 450.000 Euro werden.
Pädagogischer Anspruch
Womöglich trifft Tollabox punktgenau den Markt, weil es Eltern nicht nur die Mühe der Suche nach neuem Spielzeug erspart, sondern auch das Gewissen beruhigt, weil das Start-up zugleich ein innovatives Lernkonzept nach fundierten Methoden (und nicht nach Marketing-Gusto) mit auf den Weg gibt und pädagogische Ansprüche befriedigt.
Bisherige Kunden sind auch von der Produktqualität und dem Abwechslungsreichtum überzeugt: In jeder Box gibt es drei selbst entwickelte Entdeckerspiele mit allen Materialien, Elterntipps für spielerisches Lernen, eine eigene Seriengeschichte zum Vorlesen und als Ruhepause für die Eltern eine Hör-CD für Kinder. Gerade letzteres ist ein echter USP.
Mytoys-Gründer und Schulexperten
Wichtig aber auch: Die Glaubwürdigkeit. Béa Beste, einst bei The Boston Consulting Group, hat 2005 die privaten, bilingualen Phorms Schulen mitgegründet und bis 2011 als CEO geführt. Da kennt sich also jemand mit Pädagogik und Business aus. McKinsey-Mann Oliver Beste war Mitgründer des Online-Shops myToys, der inzwischen zu Otto gehört. Der Marketing-Experte kennt die Branche. Das hilft beim Einkauf und beim Vertrieb bis hin zur Geldquelle Paketwerbung.
Vor allem aber: Das Berliner Startup hat mit seinem Mix aus E-Commerce und Pädagogik schon Lernkurven hinter sich. Ende September 2012 ist es eher auf leisen Sohlen gestartet, hat seitdem Service, Preispolitik und Strukturen optimiert, gleichzeitig aber schon demonstriert, dass der Markt bereit ist.
Seit dem Start Ende September 2012 wurden über 120.000 Euro Nettoumsatz realisiert und im April 2013 über 2.500 Boxen verkauft. Nun peilt Oliver Beste für 2013 „deutlich über 500.000 Euro Umsatz“ an und dürfte Neukunden vor allem über Newslettermarketing, Kooperationen (Paketbeilage), Partnerschaften und PR erreichen.
Allerdings müssen derzeit noch pro Neukunde rund 25 Euro in Werbung investiert werden. Beste will das radikal senken. Sieht aber auch bei dieser Höhe Tollabox nach 5 Monaten bereits bei 5 bis 21 Euro Deckungsbeitrag pro Abonnent nach Abzug aller variablen Kosten, dank 6 bis 9,24 Euro Deckungsbeitrag pro Monat.
Dafür müssen die Kunden bleiben. Da aber aber kann dann das Produkt punkten. Klingt fast nach Kinderspiel.
Chefredakteur
Olaf Kolbrück, 48, war lange Jahre Reporter Internet und E-Business bei Horizont. Seine Karriere bei Horizont, Fachmagazin für Marketing und Medien, startete er 2000 als Redakteur für Marketing, Web 2.0 und E-Commerce. Daneben gründete er den renommierten Marketing-Blog Off-the-Record.de und zählt zu den profiliertesten Bloggern für digitale Werbung und Marketing. Im Juli 2013 erschien sein Fachbuch "Erfolgsfaktor Online-Marketing - So werben Sie erfolgreich im Netz / E-Mail, Social Media, Mobile & Co. richtig nutzen" (Deutscher Fachverlag, Frankfurt). Anschließend ist von ihm der Kurzgeschichten-Band "Gebete an die Cloud - 5 phantastische digitale Geschichten" erschienen. (Printversion) 2009 gewann er den Innovationspreis des Deutschen Fachverlags. 2011 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des Vereins D64 – Zentrum für digitalen Fortschritt. Zu seiner früheren redaktionellen Tätigkeit zählen Positionen bei der Handelsgruppe Rewe in Köln und bei der Neue-Rhein-Zeitung. Nebenbei schreibt er Krimis. Sie finden den Autor bei Twitter unter dem Namen @OlafKolbrueck oder auch auf Facebook sowie bei Google+. Kolbrück bloggt auch noch hier. Mehr über Olaf Kolbrück als Autor gibt es auf kolbrueck.de.
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