
Trotz Angst vor dem Abschwung: Verbraucher weiter in Kauflaune
Die Schuldenkrise in den Euro-Ländern schürt auch bei den Konsumenten Rezessionsängste. Vielleicht genau deswegen kaufen sie lieber ein, als ihr Geld anzulegen.
David WöllensteinRedakteurSchlechte Konjunkturaussichten werden weggekauft
Die Nürnberger Forscher schreiben von einem widersprüchlichen Konsumentenverhalten. Zwar lasse die Banken- und Schuldenkrise in Europa den Konjunkturoptimismus der Deutschen schwinden. Das Resultat: Zum zweiten Mal in Folge muss die Konjunkturerwartung einen Dämpfer hinnehmen. Mit einem Minus von 8,6 Punkten ist der Verlust fast halb so hoch wie im Vormonat. Aktuell weist der Indikator einen Wert von minus 5,6 Zählern auf. Damit ist die Konjunkturstimmung zum ersten Mal seit Dezember 2011 wieder in den negativen Wertebereich, also unter den langjährigen Durchschnittswert von 0 Punkten, gefallen.
Auf der anderen Seite sind Einkommenserwartung und Anschaffungsneigung weiterhin hoch. "Beide Indikatoren können ihr überaus gutes Niveau auch im Juli halten", teilt die GfK mit. Die Einkommenserwartung kann ihr hohes Niveau halten. Das Minus von 3,8 Punkten im Juli ist sehr moderat und nicht einmal halb so hoch wie der Anstieg von 8,1 Punkten im Vormonat.
Damit bewegt sich der Indikator nun seit zwei Jahren (von zwei Ausnahmen abgesehen) jenseits der 30-Punkte-Linie, was eine überaus stabile Entwicklung signalisiert, betonen die Konsumforscher. Aktuell weist die Einkommensstimmung 36,3 Punkte auf.
Jobsicherheit fördert Mut zu Anschaffungen
Die Anschaffungsneigung ist sogar weiter gestiegen. Zum dritten Mal in Folge legt der GfK-Indikator zu. Aktuell beträgt das Plus 3,1 Punkte. Damit steigt die Konsumneigung auf 35,8 Zähler und entspricht in etwa dem Vorjahresniveau. "Nach wie vor zeigt sich die Konsumneigung von den steigenden Konjunkturrisiken im Wesentlichen unbeeindruckt", betont die GfK.
Grund dafür sei die stabile Beschäftigungssituation mit sinkender Arbeitslosigkeit und damit verbundener Planungssicherheit. "Das ist vor allem bei größeren Anschaffungen wichtig."
Zudem wirke sich die gegenwärtige Finanzkrise auf die Anschaffungsneigung aus. Fehlendes Vertrauen in die Finanzmärkte und die historisch niedrigen Guthabenzinsen ließen eine Geldanlage nicht attraktiv erscheinen. "Folglich tendieren die Verbraucher eher zu werthaltigen Anschaffungen, wie beispielsweise Immobilien oder auch Möbeln", analysieren die Konsumforscher.
Verbraucher als Stützen der deutschen Wirtschaft
Zusammengefasst bleibe die Einkaufslaune in Deutschland ungebrochen, weswegen der private Konsum in Deutschland zusehends eine wesentliche Stütze der Konjunktur sei, betont die GfK.
Der Export werde auch künftig ein wichtiger Baustein der wirtschaftlichen Entwicklung bleiben, aber seine klar dominierende Stellung der früheren Jahre vermutlich nicht beibehalten können. "Dann wird es umso wichtiger sein, dass mit dem privaten Konsum, der fast 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts umfasst, ein zweites starkes Standbein für eine stabile konjunkturelle Entwicklung hinzukommt."
Die GfK bestätigt ihre zu Beginn dieses Jahres getroffene Prognose, wonach der reale private Konsum 2012 um ein Prozent steigen wird.

Redakteur
David Wöllenstein ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Er schreibt über E-Commerce, Retail-Technologie und digitale Geschäftsmodelle — zuletzt intensiv über Agentic Commerce und den Einsatz von KI im Handel.
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