Uber ist erst der Anfang: Die Macht der neuen Plattformen

Uber ist erst der Anfang: Die Macht der neuen Plattformen

Plattformen wie Airbnb und Uber definieren neue Wertschöpfungsketten und definieren damit neue Geschäftsmodelle. Mit einer womöglich alsbald geradezu verführerischen Infrastruktur und Reichweite, die klassische Anbieter von der Suche nach Vertriebswegen und teilweise auch Marketingfragen erlöst, können neue Plattform-Anbieter klassische Service- und Verkaufskanäle völlig verändern. Überall. Auch im Handel. Wir zeigen Beispiele.

OKOlaf KolbrückChefredakteur
3 Min.· Aktualisiert am
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Wenn sich Real.de, wie gerade gemeldet, als Vertriebsplattform für externe Händler öffnen will, die als solche auf der Plattform nicht sichtbar werden, dann zeigt dies, dass auch der klassischen Handel allmählich versteht, dass die Stunde der Plattformen geschlagen hat.

Allen voran Zalando definiert sich mehr denn ja weniger als Kaufhaus, sondern als Plattform, das Marken einen umfassenden Service bieten will. Samt Brandshops, Advertising Services und sogar Lieferservices in Verbindung mit den Filialen.

Ein Feld, in dem der Uber-fizierung große Chancen eingeräumt werden, ist der Beauty-Markt. Rocket Internet startet mit Vaniday gerade einen Service-Marktplatz rund um Beauty und Wellness in Brasilien. Die Buchungsplattform soll international ausgerollt werden.
Hierzulande ist beispielsweise bereits das Berliner Terminbuchungs-Startup Salonmeister.de für Friseure, Beauty- und Wellnesssalons aktiv. Bisher sind rund 4.000 Salons gelistet. Seit März gehört Salonmeister zum britischen Marktführer Wahanda. Derlei Geschäft lassen sich sogar – siehe CityMani in den USA – bis runter zur Maniküre atomisieren. Beim US-Startup Stylebee kann man die Schönheitshelfer auch per App nach Hause kommen lassen.

Dienstleistungs-Plattformen sind ohnehin gegenwärtig die ganz große Wette.

Eine dieser Wetten hat Rocket Internet mit dem Putzportal Helpling abgeben. Mit dabei sind Mangrove Capital Partners, Phenomen Ventures, Point Nine Capital, Lakestar und Kite Ventures.

Wenn es auch außen schick sein soll, dann sind Handwerker-Plattformen wie PaintZen gefragt. Das US-Startup verspricht die Vermittlung zertifizierter Maler für den Hausanstrich. Greenpal hilft dann anschließend bei der Suche nach dem Rasenmäher-Mann.

Deutlich wird: gerade Service-Plattformen sind en vogue. Kein Wunder, dass auch Amazon in das Business einsteigt und sein bislang lokal begrenzten Konzept “Amazon Home Services” für die Vermittlung von Klempnern, Fernsehtechnikern, Putzhilfen undundund zu einem nationalen Projekt erhebt.

Auch auf der Lieferseite machen sich die Plattformen breit: Lieferheld und Lieferando versammeln die Dönerbuden dieser Welt, Instacart (USA) oder Shopwings (Deutschland) kümmern sich um die täglichen Einkäufe. Die eigentliche Handelsmarke wird da zweitrangig.

Und wenn es mit einem dieser Dienste und Plattformen mal Ärger gibt. Dann empfehlen wir Plattformen wie Upcounsel. Die US-Plattform sorgt mit wenigen Klicks für den passenden Anwalt und bietet sogar eine Geld-Zurück-Garantie.

Was da derzeit aufploppt ist gewiss jedenfalls erst den Beginn des Wandels und einer neuen Service- und Handelswelt, die das klassische Bild vom Handel weiter aufweichen wird. Denn mit zunehmender Größe werden solche Plattformen zu neuen Meta-Händlern und damit zu einem immer weniger umgehbaren Magneten, der gleichzeitig das Bild des eigentlichen Anbieters immer unschärfer werden lässt. Wie sehr solche Systeme demnächst die Regeln des Spiels bestimmen könnten, wie sehr sie zur Ultima Ratio werden, weil sie den Händler und Dienstleister als klassischen Mittelsmann an den Rand drängen, das kann man ja sehr schön bei Amazon beobachten.

Spannend dazu auch: Die Folien eines Impulsvortrags von Matthias Schrader über die Neuausrichtung der Geschäftsmodelle von einer 
Produkt- zu einer Service-dominanten Logik auf Basis 
einer allgegenwärtigen digitalen Infrastruktur. Slideshare

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Geschrieben vonOlaf Kolbrück

Chefredakteur

Olaf Kolbrück, 48, war lange Jahre Reporter Internet und E-Business bei Horizont. Seine Karriere bei Horizont, Fachmagazin für Marketing und Medien, startete er 2000 als Redakteur für Marketing, Web 2.0 und E-Commerce. Daneben gründete er den renommierten Marketing-Blog Off-the-Record.de und zählt zu den profiliertesten Bloggern für digitale Werbung und Marketing. Im Juli 2013 erschien sein Fachbuch "Erfolgsfaktor Online-Marketing - So werben Sie erfolgreich im Netz / E-Mail, Social Media, Mobile & Co. richtig nutzen" (Deutscher Fachverlag, Frankfurt). Anschließend ist von ihm der Kurzgeschichten-Band "Gebete an die Cloud - 5 phantastische digitale Geschichten" erschienen. (Printversion) 2009 gewann er den Innovationspreis des Deutschen Fachverlags. 2011 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des Vereins D64 – Zentrum für digitalen Fortschritt. Zu seiner früheren redaktionellen Tätigkeit zählen Positionen bei der Handelsgruppe Rewe in Köln und bei der Neue-Rhein-Zeitung. Nebenbei schreibt er Krimis. Sie finden den Autor bei Twitter unter dem Namen @OlafKolbrueck oder auch auf Facebook sowie bei Google+. Kolbrück bloggt auch noch hier. Mehr über Olaf Kolbrück als Autor gibt es auf kolbrueck.de.

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