
Verdi stellt Einigung mit Praktiker unter Vorbehalt
Praktiker-Beschäftigten sollen zugunsten der Sanierung des Baumarktkonzerns auf Millionen verzichten. Doch Verdi stellt das Abkommen nun unter Bedingungen. Und es gibt Gerüchte um einen neuen Investor.
"Die Beschäftigten sind bereit, ihren Beitrag für die Zukunft von Praktiker und Max Bahr zu leisten. Allerdings gibt es keinen Blankoscheck, solange die Finanzierung des Sanierungskonzepts nicht solide und belastbar vereinbart ist", so Wolff.
Abschluss der Verhandlungen nach gesicherter Finanzierung
Erst wenn die Finanzierung gesichert sei, könnten die Verhandlungen über einen Sanierungstarifvertrag auf der Basis der bisher vereinbarten Punkte fortgesetzt und schnell zum Abschluss gebracht werden, sagte der Verdi-Funktionär.
Die Beschäftigten von Max Bahr und Praktiker sollen im Gegenzug für den Gehaltsverzicht eine Standort- und Beschäftigungssicherung erhalten. "Wir wollen so viele Arbeitsplätze wie möglich erhalten. Dazu gehört auch, dass Beschäftigte von Baumärkten, die geschlossen werden müssen, im Zuge des Umbaus von ehemaligen Praktiker- zu Max-Bahr-Märkten dort einen neuen Arbeitsplatz erhalten", betonte Wolff.
Derzeit sind bei Praktiker und Max Bahr in Deutschland insgesamt rund 15.000 Menschen beschäftigt, weitere 9.000 Mitarbeiter sind bei den Auslandsgesellschaften tätig.
Ungewisse Zukunft
Das weitere Schicksal des Baumarktkonzerns ist derzeit jedoch völlig unklar, da Vorstand und Großaktionäre auch nach der turbulenten Hauptversammlung unterschiedliche Auffassungen über die operative Führung und die Finanzierung des Restrukturierungskonzepts verfolgen.
Vorstandschef Kay Hafner und CFO Markus Schürholz setzten auf einen Hochzinskredit des Finanzinvestors Anchorage und ein Sanierungsvorschlag der Unternehmensberatung Roland Berger. Im Gegenzug soll Max Bahr an die Finanzgesellschaft als Sicherheit verpfändet werden. Diese Haltung bekräftigte Hafner noch einmal in einem Interview mit dem Magazin Focus.
Isabella de Krassny, Vertreterin der Investmentgesellschaft Maseltov und der Semper Constantia Privatbank, die gemeinsam rund 15 Prozent an der Praktiker AG halten, will dagegen ein Drei-Säulen-Konzept ("Spark") unter einer neuen Führung und mit einer alternativen Finanzierung realisieren.
Auf der Hauptversammlung konnte die streitbare Fondsmanagerin jedoch zunächst nur eine Erweiterung des bestehenden Vorstands (Vertrieb, Einkauf) und zwei Aufsichtsratsmandate durchsetzen. De Krassny sucht nach eigenen Aussagen nach alternativen Investoren, damit Praktiker nicht in die Hände von Anchorage gerät.
Investor Clemens Vedder prüft das "Ob und Wie"
Nach einem Bericht der "Wirtschaftswoche" von heutigem Montag erwägt der bekannte Investor Clemens Vedder mit seiner Fondsgesellschaft Goldsmith Capital Partners "ob und wie" er bei der Baumarktkette einsteigen will.
Vedder verfügt über Beteiligungserfahrungen im Einzelhandel und engagierte sich 2010 zeitweilig im Bieterverfahren um Kaufhof.