Warum Onliner neidisch auf die Ladenwelt schielen

Warum Onliner neidisch auf die Ladenwelt schielen

"Es macht heutzutage keinen Sinn mehr, seine Waren nur auf einem Vertriebsweg zu verkaufen". Solche Sätze müssen sich vor allem stationäre Händler anhören. Gegen den Umkehrschluss sahen sich die Pure Player bislang immun. Das könnte sich, sterbenden Innenstädten zum Trotz, bald ändern.

OKOlaf KolbrückChefredakteur
3 Min.· Aktualisiert am
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Der Offenbacher Re-Commerce Newcomer Emerango hat nicht nur mit einem eigenen Store in Offenbach losgelegt, sondern will ganz bewusst auch ein Shop-in-Shop-Konzept in Kooperation mit dem stationären Handel aufbauen.

Offline ist gefragt.

Der Berliner Personal Shopping-Service Modomoto hat Ende 2013 in Berlin-Mitte einen Fitting-Room als Beratungsraum für Kunden eröffnet. Gründerin Corinna Powalla sieht in dem Angebot auf wenigen Quadratmetern einen idealen Weg, On- und Offline zu verbinden. „Alle sagen momentan: Der Online-Handel boomt und Offline sieht es ganz schlecht aus. Ich bin der Auffassung, dass es da super Kombinationsmöglichkeiten gibt. Man muss einfach nur Ideen haben, wie man das interessant für den Kunden gestaltet.“

Warum als nicht über platzsparende Partnerschaften mit sortimentsnahen Handelsketten nachdenken?

Beispiel Etsy: Die Handarbeitsplattform öffnet sich dem Wholesale und eröffnet seinen Verkäufern die Option, ihre Artikel über Ladengeschäfte zu vertreiben. Etsy kooperiert dabei auch mit großen Anbietern wie Nordstrom.

Beispiel Bonobos: Einem kleinen Guideshops, in dem es die Produkte nur zum Anfassen und gucken gab, folgten Vertriebsabkommen mit Nordstrom und anderen US-Fachhändlern. Gründer Andy Dunn will die Zahl der eigenen US-Geschäfte (derzeit acht) innerhalb des nächsten Jahres zu verdoppeln.

Natürlich geht es immer auch eine Nummer größer.

Beispiel Mytoys.de. Der Onlinehändler betreibt inzwischen rund ein Dutzend Filialen. "Die Eröffnung einer Filiale wirkt sich positiv auf die Neukundengewinnung in der jeweiligen Stadt und Region aus", sagt Gründer und Geschäftsführer Oliver Lederle.

Letztlich geht es bei den Shop-in-Shop-Konzepten und auch bei Filial-Modellen nicht zwingend um den Umsatz auf der Fläche. Die Ware lässt sich schließlich auch per Tablet und Display verkaufen. Was der Kunde dann im Mini-Showroom einkauft, wird vom Ladenpersonal online bestellt und dann nach Hause geliefert.

Breite Sortimente braucht es da nicht. Vorzeigeprodukte, allen voran Eigenmarken, reichen völlig aus. Regalverlängerung via Tablet - das muss ja nicht dem stationären Handel vorbehalten sein.

Auf der Fläche steht schließlich zunächst die perfekte Inszenierung der Marke im Fokus: Das Ziel: Gerade für die Legion jener Kunden sichtbar werden, die sich online bislang nicht ansprechen ließen und sich gegenüber dem Einkauf im Web eher reserviert verhalten. Das ist immerhin noch die Mehrheit der Deutschen.

Weiterer Vorteil von Shop-in-Shop-Lösungen gegenüber eigenen Filialen. Überschaubarere Kosten und sicherere Frequenz als im eigenen Laden jenseits der Laufwege.

Shop-Konzepte sind jedoch vor allem relevant, um sich von Preisdiktat im Web freizuschwimmen, weil der Pure Player hier ein kontinuierlich erfahrbares Produkterlebnis und positives Dienstleistungsergebnis bieten kann, dass dann langfristig Markenwahrnehmung und Kaufverhalten beeinflussen kann.

Und auch das spätere Suchverhalten im Web. Wer Kunden hat, die direkt nach der Online-Handelsmarke bei Google suchen, muss sich nicht mehr für teueres Geld auf die teuren, vorderen Plätze bei Adwords und PLA kämpfen.

Der Onlinehandel braucht die Offline-Welt aber auch sonst, um das Gesicht seiner Marke in den Köpfen der Konsumenten zu festigen. Online klappt das immer noch nur bedingt. Stellen Sie sich doch beispielsweise einmal die Landingpages und Produktseiten führender Online-Modehändler im Web ohne Logo vor - und versuchen Sie dann herauszufinden, in welchem Laden Sie gerade herumklicken.

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Geschrieben vonOlaf Kolbrück

Chefredakteur

Olaf Kolbrück, 48, war lange Jahre Reporter Internet und E-Business bei Horizont. Seine Karriere bei Horizont, Fachmagazin für Marketing und Medien, startete er 2000 als Redakteur für Marketing, Web 2.0 und E-Commerce. Daneben gründete er den renommierten Marketing-Blog Off-the-Record.de und zählt zu den profiliertesten Bloggern für digitale Werbung und Marketing. Im Juli 2013 erschien sein Fachbuch "Erfolgsfaktor Online-Marketing - So werben Sie erfolgreich im Netz / E-Mail, Social Media, Mobile & Co. richtig nutzen" (Deutscher Fachverlag, Frankfurt). Anschließend ist von ihm der Kurzgeschichten-Band "Gebete an die Cloud - 5 phantastische digitale Geschichten" erschienen. (Printversion) 2009 gewann er den Innovationspreis des Deutschen Fachverlags. 2011 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des Vereins D64 – Zentrum für digitalen Fortschritt. Zu seiner früheren redaktionellen Tätigkeit zählen Positionen bei der Handelsgruppe Rewe in Köln und bei der Neue-Rhein-Zeitung. Nebenbei schreibt er Krimis. Sie finden den Autor bei Twitter unter dem Namen @OlafKolbrueck oder auch auf Facebook sowie bei Google+. Kolbrück bloggt auch noch hier. Mehr über Olaf Kolbrück als Autor gibt es auf kolbrueck.de.

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