
"Weg vom Kistenschieber-Image"
Olaf Stieper, Ausbildungskoordinator der Metro Group, spricht im Interview über Bewerber, Spezialisierung am POS und das Image der Handelsbranche als Arbeitgeber.
Thomas RehmRedakteurIn gewissem Maße schon, denn die Faszination von Handelsberufen erschließt sich nicht auf den ersten Blick: Erst wenn man sich richtig damit befasst, werden sie interessant. Unser Problem liegt aber auch darin, dass sich die heutigen Schulabgänger oft zu wenig mit ihrem Berufswunsch auseinandersetzen. Hier müssen auch Lehrer und Eltern mehr leisten, und die jungen Leute müssen sich sehr genau fragen, wo ihre Talente liegen und was sie wirklich machen wollen. Wer den Handel erst einmal kennengelernt hat, kann sich oft auch für eine Karriere in der Branche begeistern. Wo sonst haben sie so frühe Aufstiegschancen? Wir haben etliche Mitarbeiter, die mit 25 Jahren bereits Führungskraft sind. Das finden Sie nur schwer in anderen Wirtschaftsbereichen, wie zum Beispiel in der Industrie.
Wie kann man das Branchenimage verbessern?
Wir müssen weg vom Kistenschieber-Image. Die Branche tut inzwischen schon viel dafür. Es geht aber nicht nur um die Menge, sondern auch um die Art unserer Selbstdarstellung: Wir müssen den Arbeitgeber Handel anders vermitteln und das Thema emotionalisieren, damit wir an die Jugendlichen herankommen. Schließlich wissen wir selbst am besten, dass manche Produkte - wie etwa Mode - sich vor allem über die Emotion verkaufen lassen. Hierzu müssen sich jedoch alle in der Branche zusammenschließen - auch jene Unternehmen, die sich bislang noch zurückhalten.
Bei der Metro Group haben 40 Prozent der Führungskräfte als Auszubildende im Unternehmen angefangen. Wie erreichen Sie das?
Das geht nur, wenn man sich frühzeitig um die Mitarbeiter kümmert und sehr individuelle Angebote macht. Wir haben Förder- und Nachwuchskreise und bieten geeignete Qualifikationsmaßnahmen an, dafür arbeiten wir auch mit Universitäten zusammen. In regelmäßigen Abständen werden Beurteilungsgespräche geführt, die gleichzeitig eine Zielvereinbarung sind.
Im Handel gibt es einen Trend zur Spezialisierung, am POS wird man zum Beispiel zum Fruchtkaufmann oder Feinkost-Verkäufer ausgebildet. Begrüßen Sie diese Entwicklung?
Ist die allgemeine Klage der Wirtschaft über die Qualität der heutigen Bewerber berechtigt?
Sie ist schon berechtigt, denn die Qualität der Bildung lässt allgemein nach. Das ist jedoch nur die halbe Wahrheit: Die Jugendlichen werden oft schlechter gemacht, als sie sind. Sie haben zum Beispiel eine enorme Medienkompetenz und können mit Computern wesentlich besser umgehen als die vorangegangenen Generationen. Aber es stimmt schon, dass die Unternehmen oft Bildungsmängel auffangen - und das unter härtesten Wettbewerbsbedingungen. Ich kann mich nur bei den Ausbildern auf der Fläche für das Engagement bedanken.
Zur Person:
Olaf Stieper ist seit 2003 Abteilungsleiter im Bereich Personal und Soziales der Hauptverwaltung der Metro AG. Er ist zuständig für die zentrale Koordination der gesamten Berufsbildungsaktivitäten innerhalb der Gruppe (Metro Cash & Carry, Real, Media Markt und Saturn sowie Galeria Kaufhof). Zudem fungiert er als Vorsitzender des Arbeitskreises Personalentwicklung und der Arbeitsgruppe Einzelhandelsberufe beim Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE). Er ist außerdem Mitglied der Sachverständigenkommission beim Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) zur Aktualisierung der Handelsberufe.
Interview: Marcelo Crescenti
Dieser Artikel ist in der Ausgabe 5/2009 von Der Handel erschienen.

Redakteur
Thomas Rehm ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Der erfahrene Fachjournalist schrieb zuvor viele Jahre für Titel der dfv Mediengruppe, darunter das Konsumgüter- und Verpackungsportal packaging-360.com, und begleitet heute die Themen Handel, Konsumgüter und Digitalisierung.
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