
Taschentuch-Alarm: Die Weihnachts-Spots 2017 der Händler
Alle Jahre wieder sollen weihnachtliche TV-Spots des Handels die Gefühle in Wallung und in Kauflust versetzen. Wir zeigen jene Spots, die so herzig und gefühlvoll auf die Festtage einstimmen, dass Taschentuch-Alarm herrscht. Denn in etlichen Spots geht es eher um den Menschen, die Botschaft und um ganz große Emotionen, als um den schnöden Konsum.
Senioren hat der Discounter Tedi auf dem Schirm. Es geht um eine Altersheim-Bewohnerin, die Erinnerungen nachtrauert und eine Pflegerin, die der Dame einen Herzenswunsch erfüllt - und Deko von Tedi hilft dabei. Zu sehen ist der Spot aber lediglich im Internet.
Nicht nur zur Weihnachtszeit lässt es Saturn derzeit menscheln. Die neuen Spots ohne Testimonial Tech-Nick zeigen, wie Technik das Leben der Menschen bereichert. So erzählt ein Spot, wie eine VR-Brille einen geistig abwesenden alten Herren im Pflegeheim zurück ins Leben holt. Nicht wirklich weihnachtlich - aber rührend.
Amazon macht in seinem Spot, was es offenbar am besten kann: Pakete durch die Gegend schippern. Der Spot will zwar mit dem Motto „Lächeln schenken“ und dem Supertramp-Hit „Give a little bit“ ein wenig herzig daherkommen und wird mit einem lächelnden Kind beendet, doch Gefühl stellt sich nicht ein. Die Anmutung bleibt eher technologisch und seelenlos. Um den britischen Amazon-Spot gab es zumindest ein kleines Shit-Stürmchen, weil nicht der Weihnachtsmann die Geschenke bringt, sondern der Papa. Die Briten maulten wegen Spoiler-Alarm: Santa Claus bringt gar nicht die Geschenke.
Mit dem Slogan „Feiere Weihnachten wie kein anderer. Denn du bist wie kein anderer“ beschwört eBay in seiner Weihnachtskampagne das Thema Individualität. In den kreierten TV-Spots lassen sich dazu in hektischen Schnittfolgen Influencer wie Sarah Akwisombe, Eric Lanlard, Claus Fleissner und Katja Vogt sehen. Anfangs fanden wir den Spot eher doof. Jetzt erst begreifen wir die sublime Botschaft: Ganz schön hektisch dieses Weihnachten.
Von einem quasselnden Blechroboter wollen sich Kunden bei Edeka nicht bedienen lassen. Es gibt doch den "netten Herrn von der Fleischtheke". Der Weihnachtsspot von Edeka kommt zwar mit eher beige-farbenem Humor daher, hat aber eine gute Botschaft: Liebe zählt im Handel. Damit hat der Clip (Danke, Jung von Matt) zumindest ein bisschen Seele und erklärt nebenbei, warum Digitalisierung allein den Handel nicht rettet.
Auch bei Penny wurden nette ältere Herrschaften gecastet, die erst einmal Dramen erleben müssen, bevor mit den Lieben an Weihnachten alles ganz heimilig und versöhnlich wird. Hübsch anzusehen und aufwändig gedreht. Dabei sagen beim Gucken des Spots sicher viele: Komisch, das Drama in der Familie fängt doch an Weihnachten erst an.
Mit einem doch recht anspuchsvoll inszenierten Animationsfilm im Stil eines Pop-Up-Bilderbuches erzählt der Kaufhof die Geschichte vom Bär und seinen Freunden und einem gemeinsamen Weihnachtsfest im Wald. Zuckersüß und sehenswert. Per Augmented-Reality-App sollen die Tiere auch in den Filialen erlebbbar sein. Manch einer wird sich aber sehr an der John-Lewis-Klassiker von 2013 erinnert fühlen. Immer noch einer der besten Weihnachtswerbefilme aller Zeiten. Weil`s so schön ist - hier ist er. Der Spot der britischen Kette für 2017 erreicht zwar nicht ganz die Fallhöhe dieses und anderer Kult-Klassiker, bietet aber mit "MozTheMonster" das knuffigste Ungeheuer, das Sie in diesem Winter zu sehen bekommen. Natürlich wird das Monster wieder kongenial digital und offline verlängert.
Wer Dinge wie #SchleFaZ und #Sharknado mag, schaut womöglich auch auf diese Spots mit anderen Augen:
Kaufland / Aldi / Ikea / Lidl (UK) sowie Zalando.
Von der Schweizer Migros kommt dagegen ein herziger und emotionaler Spot, der die Geschichte vom Wichtel Finn erzählt, der in der Laser-Box an der Kasse wohnt. Das hat durchaus ein wenig Magie. Hoffen wir, sie wirkt. Denn der Spot mit dem Motto "Lassen wir niemanden alleine" soll zum Spenden animieren. Die Spendensumme, die Ende Jahr von der Migros um eine Million Franken erhöht wird, kommt Hilfsorganisationen zugute.
Chefredakteur
Olaf Kolbrück, 48, war lange Jahre Reporter Internet und E-Business bei Horizont. Seine Karriere bei Horizont, Fachmagazin für Marketing und Medien, startete er 2000 als Redakteur für Marketing, Web 2.0 und E-Commerce. Daneben gründete er den renommierten Marketing-Blog Off-the-Record.de und zählt zu den profiliertesten Bloggern für digitale Werbung und Marketing. Im Juli 2013 erschien sein Fachbuch "Erfolgsfaktor Online-Marketing - So werben Sie erfolgreich im Netz / E-Mail, Social Media, Mobile & Co. richtig nutzen" (Deutscher Fachverlag, Frankfurt). Anschließend ist von ihm der Kurzgeschichten-Band "Gebete an die Cloud - 5 phantastische digitale Geschichten" erschienen. (Printversion) 2009 gewann er den Innovationspreis des Deutschen Fachverlags. 2011 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des Vereins D64 – Zentrum für digitalen Fortschritt. Zu seiner früheren redaktionellen Tätigkeit zählen Positionen bei der Handelsgruppe Rewe in Köln und bei der Neue-Rhein-Zeitung. Nebenbei schreibt er Krimis. Sie finden den Autor bei Twitter unter dem Namen @OlafKolbrueck oder auch auf Facebook sowie bei Google+. Kolbrück bloggt auch noch hier. Mehr über Olaf Kolbrück als Autor gibt es auf kolbrueck.de.
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