Weihnachtswerbung im TV - Hier stimmt was nicht!

Weihnachtswerbung im TV - Hier stimmt was nicht!

Weihnachts-Werbespots werden nach dem Schema Reißbrettkitsch hergestellt: Kinder (ohne undenkbar), Schnee, Tiere, Familie - und Essen, jaaaa, viel Essen. Meist 45 Zuckerguss-Sekunden, um in Stimmung zu kommen. Ein bisschen heile Welt muss da sein. Aber die Werbeclips des Handels stecken manchmal auch voller Fehler. Wir haben welche gefunden.

OKOlaf KolbrückChefredakteur
5 Min.· Aktualisiert am
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Bevor Sie sich in das Vergnügen stürzen. Hier eine kleine Denksportaufgabe aus der Reihe "Zweifelsfälle der deutschen Sprache". Laut Duden heißt es "das Weihnachten", Neutrum. Trotzdem ist die Wunschformel, ebenfalls laut Duden, im Plural üblich: Fröhliche Weihnachten! Logisch wäre "Fröhliches Weihnachten!" Nun die Hausaufgabe: Diskutieren Sie mit ihren Weihnachtsgästen über die Herkunft aus dem Mittelhochdeutsch (ze den wîhi nachten) und finden Sie weitere Beispiele für einen falschen Plural.

Jetzt aber zurück zum Thema. Die Weihnachts-Spots aus dem Handel, ihre Patzer, Fehler und wo sie uns ein bisschen für dumm verkaufen. Kaufland
Weihnachten mit "Star Wars":
Gut versus Böse - klar, wer Weihnachten siegt. Was Kaufland jedoch nicht sagt: Wenn man ein Lichtschwert braucht, sind immer gerade die Batterien leer.

Tchibo
Stopp dem Flötengefiepse:
Niemand, wirklich niemand, freut sich über Weihnachtslieder auf der Blockflöte. Gut ist, wenn man jetzt ein Lichtschwert zur Hand hat, um das Ding in zwei Teile zu zerlegen.

Edeka
Fleisch ist unsere Liebe

Edeka feiert unter dem megaoriginellen Weihnachts-Motto "Die wichtigste Zutat zum Fest: Liebe". Meint aber damit: Fleisch. Hä? Und: Packen Sie ihr Steak auch immer im Wohnzimmer aus?

Aldi
Weihnachtsklassiker vom Discounter
Wenn Männer die Lammrücken ihrer Frauen lieben. Aldi kopiert Kino-Klassiker für seinen Spot. Aber: Marketing-Fehler. Den Film guckt kein Mensch bis zum Schluss. Stattdessen streamt jeder angesichts der Eröffnungssequenz nach ein paar Sekunden lieber "Tatsächlich… Liebe".

Penny
Das Kind in uns allen (wieder mal)
So unrealistisch. Die Generation der Helikopter-Eltern lässt Kinder doch nicht mehr so im Schnee toben und Schnee-Engel formen. Was die sich da alles für Erkältungen holen könnten! Schnee muss zudem erst einmal fallen, bei 7 Grad deutscher Weihnachtsdurchschnittstemperatur kaum zu schaffen. "Opa, erzähl doch noch mal vom Schnee, bitte."

Amazon
Wenn die Pakete wieder singen
Amazon setzt auch in diesem Jahr in der Weihnachtskampagne seine singenden Pakete in Szene. Im Spot bekommt man diesmal Paketboten, Kinder und Erwachsene und den Weihnachtsmann zu sehen, die den "Blues Brothers"-Hit "Everybody needs Somebody to love" mit den animierten Amazon-Paketen schmettern. Aber ehrlich: Haben Sie schon mal jemanden fröhlich singend Weihnachtseinkäufe machen gesehen? Wir auch nicht. Da läuft doch ein jeder mit einem Lichtschwert im Kopf durch die Stadt.

Otto
Verzicht aufs Taschentuch
Der große und emotionale Weihnachts-Spot mit Taschentuch-Alarm hat im Handel ja Tradition. Otto verweigert sich in diesem Jahr dem Wettlauf der Gefühle und wirbt ohne den einen großen Weihnachts-Spot. Stattdessen rücken neue Kanäle wie TikTok, Twitch und Tinder in den Fokus. Ganz ohne TV geht’s natürlich nicht: TV-Werbung gibt es mit fünf Mini-Spots, in denen die Kunstfigur Ricky Anchorman Lebenshilfe für Weihnachten bietet und beispielsweise die richtige Umarmung erklärt. Großer Fehler: Wer will Weihnachten schon was mit Fremden zu tun haben. Reicht doch, wenn sich die Verwandschaft um das eine Steak von Edeka streitet.Zalando
Glamrock für die Best Agers
Für den T-Rex-Song "Cosmic Dancer" im Weihnachts-Spot bekommt Zalando schon mal Pluspunkte. Den einstigen Glam-Rock-Barden und WG-Mitbewohner von David Bowie kennen die jungen Leute ja heute kaum noch - möglicherweise jedoch die Best Ager, die hier Weihnachten feiern. Minuspunkte gibt es für den Passfotoautomaten. Jede Oma mit "swag" macht doch heute Selfies.

Ikea UK
Wenn die Deko-Kuh rapt
Das kennen Sie, schnell umräumen, umbauen, bevor die Gäste kommen. Aber der erste britische Ikea-Weihnachtsspot ist völlig unrealistisch. Statistisch gesehen bleiben zwei von drei Dingen unfertig, für ein weiteres neues Gerät fehlt ein Dreifachstecker und beim Lichtschwert (nicht von Ikea) sind die Batterien alle. Aber rappende Deko-Artikel in der eigenen Wohnung, die kennt ja jeder.

John Lewis und Waitrose
Flammen aus der Nase
Der Spot ist - ganz sicher -historisch korrekt inszeniert. Aber es gibt nun mal keine Drachen (soweit man weiß). Nicht mal an Weihnachten. Ansonsten alles herzig wie immer bei John Lewis und Waitrose, und der Time Warp in ein Dorf im, hmm, 18. Jahrhundert, 17. Jahrundert (??) ist auch mal was anderes als die üblichen Glücklichemittelschichtsfamiliengeschichten der Gegenwart.


Argos
Träumen mit Simple Minds - laaa, lalalaaaa
Trommeln zu Weihnachten sind ja die Steigerung von Blockflöte. Geht gar nicht. Auch nicht mit den Simple Minds auf der Tonspur. Außerdem inszeniert der britische Non-Food-Händler Argos den Katalog als "Buch der Träume". Welchen Katalog denn bitte? Vor Weihnachten hat doch jeder schon das Altpapier rausgebracht.

Migros
Flugschule für die Eule
Alte Werber-Weisheit: Mach was mit Tieren, das funktioniert immer. Aber bitte: Verschenken Sie an Weihnachten keine Haustiere. Auch keine Eulen. Erst recht nicht, wenn man denen erst noch das Fliegen beibringen muss.

Walmart Canada Piggy Bank
Das Sparschwein lacht, die Schwester freut sich
Das ganze rechtschaffene Ideal eines kleinen nordamerikanischen Bürgers in 45 Sekunden. Leichte Haushaltsjobs erledigen, dafür bezahlt werden, sparen, um davon seiner Schwester ein Geschenk kaufen. Was das für ein Plastikzeugs ist, das unterm Tannenbaum seine Besitzerin findet, ist unklar. Der Freude nach zu urteilen, muss es eine Dimension haben, die sich ein Europäer nicht vorstellen kann.


Konsum der DDR
Besinnlich wie unter Drogen
"Wenn die ersten Kerzen brennen, werden viele Wünsche wahr", schnarrt pastoral die Stimme aus dem Off. Die Kamera beschlägt fast, so besinnlich ist es. Die Inweihnachtsstimmungsversetzung des DDR-Bürgers der 60er Jahre erfolgt in schwarz-weiß und unterscheidet sich kaum von der BRD-Variante. Das Weihnachtsglück des Menschen hat auch in Anklam und Torgau innerhalb Familie an einem gedeckten Tisch und mit Weichzeichner stattzufinden – zudem in maximaler Großaufnahme. Irgendwie wirkt der DDR-Bürger in dem Spot (unser Beitrag zum Mauferfall-Jubiläum) in seiner Ergriffenheit allerdings, als stünde er unter beruhigenden Drogen. Vielleicht, um diesen Satz aus dem Off zu überhören: "Ja, im Konsum gibt es die schönsten Weihnachtsgeschenke." Vielleicht hätte man damals ja mit brennenden Kerzen einkaufen gehen sollen, um zu bekommen, was man wollte.

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Geschrieben vonOlaf Kolbrück

Chefredakteur

Olaf Kolbrück, 48, war lange Jahre Reporter Internet und E-Business bei Horizont. Seine Karriere bei Horizont, Fachmagazin für Marketing und Medien, startete er 2000 als Redakteur für Marketing, Web 2.0 und E-Commerce. Daneben gründete er den renommierten Marketing-Blog Off-the-Record.de und zählt zu den profiliertesten Bloggern für digitale Werbung und Marketing. Im Juli 2013 erschien sein Fachbuch "Erfolgsfaktor Online-Marketing - So werben Sie erfolgreich im Netz / E-Mail, Social Media, Mobile & Co. richtig nutzen" (Deutscher Fachverlag, Frankfurt). Anschließend ist von ihm der Kurzgeschichten-Band "Gebete an die Cloud - 5 phantastische digitale Geschichten" erschienen. (Printversion) 2009 gewann er den Innovationspreis des Deutschen Fachverlags. 2011 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des Vereins D64 – Zentrum für digitalen Fortschritt. Zu seiner früheren redaktionellen Tätigkeit zählen Positionen bei der Handelsgruppe Rewe in Köln und bei der Neue-Rhein-Zeitung. Nebenbei schreibt er Krimis. Sie finden den Autor bei Twitter unter dem Namen @OlafKolbrueck oder auch auf Facebook sowie bei Google+. Kolbrück bloggt auch noch hier. Mehr über Olaf Kolbrück als Autor gibt es auf kolbrueck.de.

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