
"Wir sind für die Schweizer ein Einkaufsparadies"
Der Schweizer Franken wird täglich teurer. Die Folge: Der Einkauf in der Euro-Zone wird zum billigen Vergnügen. Deutsche Händler profitieren von der grenzenlosen Kauflust.
Steffen GerthRedakteur Der Handel und etailmentDer Anteil der Schweizer Kunden in den deutschen Geschäften habe sich teilweise mehr als verdoppelt, auch die Umsätze seien mehr als doppelt so hoch als sonst. "Wir verzeichnen ein Plus, wie wir es zuvor in dieser Form noch nie hatten."
Die Geschäfte liefen gut und seien zunehmend lukrativ, sagt Noppel. Als Tendenz zeige sich, dass vor allem hochpreisige Produkte nachgefragt würden. Als Beispiele nannte er Einrichtungsgegenstände und Elektronikprodukte.
Je näher die Geschäfte an der Grenze liegen, desto besser laufe es. Im Plus liegen demnach auch Textilgeschäfte und Modehäuser sowie die Tourismusbranche mit Gasthäusern und Hotels.
Kunden aus der Zentralschweiz
Horst Krämer, Einzelhändler in der direkt an der Grenze zur Schweiz liegenden Kleinstadt Lörrach, kann dies bestätigen. "Dieses Jahr ist ein überdurchschnittlich gutes", sagt der Vorsitzende des örtlichen Gewerbevereins.
Einzelhändler, Gastronomen und Dienstleister profitierten von der Entwicklung. "Früher zählten nur die Schweizer, die nah an der Grenze wohnen, zu unseren Kunden", sagt Krämer. "Heute kommen die Käufer sogar aus der Zentralschweiz zu uns."
Christian Straub, Chef der Einzelhändler im südbadischen Waldshut-Tiengen, sagt: "Wir sind für die Schweizer ein Einkaufsparadies." Wegen der vergleichsweise geringen Preise werde das Einkaufen in Deutschland bei Schweizern immer beliebter.
Hinzu kommt, dass die Eidgenossen die deutsche Mehrwertsteuer nicht bezahlen müssen. Die Steuer, die für deutsche Kunden Pflicht ist, wird den Schweizern noch an der Ladentheke wieder zurückerstattet.
Dauerhafter Höhenflug
Straub glaubt daran, dass der derzeitige Höhenflug anhalten wird. Auch wenn sich die Schweizer Währung wieder nach unten und der Euro nach oben entwickelt. "Wir ziehen derzeit so viele Kunden an, dass wir so viele Menschen von unseren Einkaufsmöglichkeiten überzeugen können wie nie zuvor."
Dadurch ließen sich viele Schweizer dauerhaft halten, glaubt Straub. "Die kommen auch dann wieder, wenn der Grenzübertritt alleine wegen der Währung nicht mehr ganz so lukrativ ist, wie im Moment."
Der niedrigere Preis in Deutschland und die geringe Steuer seien dann immer noch von Vorteil. Schweizer Kunden würden daher auch zukünftig von den deutschen Händlern und Betrieben gezielt umworben.
Starker Juni für den Schweizer Handel
Dass sich der Einkaufstourismus auch negativ auf den Handel in der Schweiz auswirkt, lässt sich bisher jedoch noch nicht feststellen.
Im Juni büßte die Branche zwar im Vergleich zum Vorjahresmonat 2,4 Prozent Umsatz ein. Doch der Juni dieses Jahres hatte durch zwei Feiertage (Auffahrt und Pfingsten) zwei Verkaufstage weniger. Bereinigt um diese fehlenden Tage gab es für die Handelsbranche einen realen Anstieg von 7,4 Prozent, nominal stiegen die Erlöse um 5,7 Prozent.
Auch gegenüber dem Mai verbesserte sich der Schweizer Detailhandel, wie es dort heißt. Real stiegen die Umsätze um 7,1 Prozent, nominal um 6,9 Prozent. Allerdings verläuft die Entwicklung von manchen Unternehmen gegen den Trend. Coop, beispielsweise, spricht bereits von einem Preisdruck, der auf den Einkaufstourismus zurückzuführen sei.

Redakteur Der Handel und etailment
Steffen Gerth ist Redakteur bei Der Handel und etailment. Für das Digital-Commerce-Magazin der dfv Mediengruppe schrieb er unter anderem die wöchentliche Kolumne "Die Woche im Handel" mit Analysen zum Strukturwandel im deutschen Einzelhandel.
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