Lokale E-Commerce-Alternativen gewinnen in Thailand an Bedeutung
In Thailand wächst der Druck auf Händler, die über große ausländische Online-Marktplätze verkaufen. Steigende Kommissionen, zusätzliche Servicegebühren und faktisch unverzichtbare Werbeausgaben belasten die Margen vieler Anbieter erheblich. Nach Einschätzung von Branchenvertretern können diese Kosten in der Summe bis zu 50 Prozent des Umsatzes verschlingen. Die Unzufriedenheit darüber treibt die Entstehung und Nutzung lokaler E-Commerce-Alternativen voran.
Auslöser ist die marktprägende Rolle internationaler Plattformen wie Shopee, Lazada und TikTok Shop. Sie verfügen über hohe Marketingbudgets, aggressive Subventionen und starke Rabattmechaniken. Für lokale Wettbewerber wird es dadurch schwierig, Käufer in ausreichender Zahl zu gewinnen. Verbraucher orientieren sich vor allem an Aktionen, Gutscheinen, Gratisangeboten, starken Preisnachlässen und zinsfreien „Buy Now, Pay Later“-Modellen. Nationale Loyalität spielt laut Einschätzung aus der Branche eine geringere Rolle als der unmittelbare Preisvorteil.
Lokale Plattformen wie Munkonggadget.com können insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen sowie für Nischenanbieter ein wichtiges Refugium sein. Sie bieten Händlern eine Alternative zu den dominanten ausländischen Marktplätzen und können helfen, Abhängigkeiten zu verringern. Für große Marken bleibt der Nutzen jedoch begrenzt, solange diese Anbieter nicht nachweisen können, dass sie ausreichend Reichweite, relevantes Bruttowarenvolumen und eine überzeugende Kapitalrendite liefern. Die zentrale Frage lautet daher nicht, ob lokale Plattformen existieren, sondern ob sie skalierbaren Traffic und profitable zusätzliche Verkäufe erzeugen können.
Paul Srivorakul, Group Chief Executive von aCommerce, verweist darauf, wie schwer es historisch war, etablierte Plattformen herauszufordern. Beispiele wie 11street, JD Central und die begrenzte Präsenz von Amazon in Teilen Südostasiens zeigten, dass selbst finanzstarke Wettbewerber Schwierigkeiten haben, gegen dominante Marktteilnehmer anzutreten. Hinzu kommt, dass große Technologieunternehmen wie Google/YouTube, LINE und Meta ihre Aktivitäten im Handel ausweiten und zunehmend mit führenden E-Commerce-Anbietern kooperieren.
Wiroongit Rattanasiraprapa, General Manager von Munkonggadget.com, sieht Thailands E-Commerce-Sektor vor einer Nachhaltigkeitskrise. Ohne ausreichendes Kapital für Marketing, Käuferanreize und Traffic-Aufbau könnten lokale Marktplätze kaum relevante Umsätze für Händler generieren. Gleichzeitig verschärften aggressive Subventionen, Tiefpreisstrategien und hohe Plattformgebühren den Druck auf lokale Anbieter.
Gefordert wird deshalb ein dringendes Eingreifen des Staates. Im Mittelpunkt stehen Maßnahmen gegen mutmaßliches ruinöses Preisdumping, eine Regulierung plattformfinanzierter Subventionen sowie Obergrenzen für Kommissionen und verbundene Gebühren. Ohne solche Schritte drohe Thailand ein E-Commerce-Markt, der zunehmend von ausländischen Akteuren kontrolliert wird und sich zu einem Monopol entwickeln könnte.

Redakteur
David Wöllenstein ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Er schreibt über E-Commerce, Retail-Technologie und digitale Geschäftsmodelle — zuletzt intensiv über Agentic Commerce und den Einsatz von KI im Handel.
Alle Beiträge