Temu und Schweizerischer KMU-Verband planen E-Commerce-Programm
Die chinesische Online-Handelsplattform Temu und der Schweizerische KMU-Verband (SKV) wollen kleine und mittlere Unternehmen in der Schweiz beim Einstieg in den Online-Handel unterstützen. Nach Angaben von Swissinfo.ch haben beide Seiten eine Absichtserklärung unterzeichnet. Das gemeinsame Programm soll von 2026 bis 2027 laufen und richtet sich an Unternehmen, die digitale Vertriebskanäle aufbauen oder ausbauen möchten. Im Zentrum steht der Abbau von Hemmschwellen beim Einstieg in den Online-Vertrieb.
Geplant sind Schulungen, Informationsaustausch und Praxisbeispiele von Schweizer Unternehmen, die bereits erfolgreich über das Internet verkaufen. Damit sollen KMU konkrete Einblicke erhalten, wie digitale Verkaufsprozesse funktionieren und welche Schritte für den Zugang zu neuen Kundengruppen relevant sind. Ziel der Zusammenarbeit ist es, die Digitalisierung kleiner und mittlerer Unternehmen voranzutreiben und den Zugang zum E-Commerce zu erleichtern. Temu stellt dabei in Aussicht, dass Schweizer Anbieter über die Plattform zusätzliche Reichweite gewinnen können.
Für Konsumentinnen und Konsumenten verbindet Temu die Initiative mit der Aussicht auf eine grössere Produktauswahl und schnellere Lieferungen. Die Plattform vermittelt Produkte von Herstellern und Händlern direkt an Endkunden. In der Schweiz ist Temu seit Mai 2023 aktiv; im September 2025 öffnete das Unternehmen seinen Marktplatz für lokale Händler. Schweizer Unternehmen können ihre Produkte seither direkt über die Plattform verkaufen. Die neue Kooperation mit dem SKV soll diesen Zugang systematischer begleiten und stärker auf die Bedürfnisse von KMU ausrichten.
Der Schweizerische KMU-Verband vertritt nach eigenen Angaben rund 9000 Unternehmen mit insgesamt etwa 40’000 Beschäftigten. Darüber hinaus erreicht der Verband über Publikationen und regionale Wirtschaftsplattformen zehntausende Unternehmerinnen und Unternehmer. Diese Reichweite macht den SKV zu einem relevanten Partner, wenn es darum geht, Informationen über digitale Verkaufsmöglichkeiten breiter in der KMU-Landschaft zu verankern.
Die Zusammenarbeit fällt zugleich in ein Umfeld, in dem Temu international kritisch beobachtet wird. Behörden und Konsumentenschutzorganisationen prüfen unter anderem Fragen rund um Produktsicherheit, Kundenschutz und Datenschutz. Detailhändler kritisieren zudem den Wettbewerbsdruck durch sehr günstige Direktimporte aus China. Temu weist die Vorwürfe zurück und verweist auf Massnahmen zur Einhaltung gesetzlicher Vorgaben. Für Schweizer KMU ist die Kooperation damit nicht nur eine Chance auf neue digitale Vertriebsmöglichkeiten, sondern auch ein Schritt in ein Marktumfeld, das hohe Anforderungen an Vertrauen, Transparenz und regelkonformes Handeln stellt.

Redakteur
Thomas Rehm ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Der erfahrene Fachjournalist schrieb zuvor viele Jahre für Titel der dfv Mediengruppe, darunter das Konsumgüter- und Verpackungsportal packaging-360.com, und begleitet heute die Themen Handel, Konsumgüter und Digitalisierung.
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