Rebuy stärkt sein Buchgeschäft mit Zeercle-Übernahme
Rebuy baut seine Position im boomenden Markt für gebrauchte Waren aus: Die Berliner Recommerce-Plattform übernimmt den Ankaufsdienst Zeercle, der auf die Inzahlungnahme gebrauchter Bücher spezialisiert ist. Darüber berichtet Handelsblatt.com. Für Rebuy ist der Zukauf strategisch relevant, weil Zeercle bereits mit großen Buchhandelsketten und Handelsmarken zusammenarbeitet – darunter Hugendubel, Cultura in Frankreich und Mondadori in Italien.
Über diese Partnerschaften erhält Rebuy erstmals eine direkte Präsenz im stationären Handel. Kundinnen und Kunden können in teilnehmenden Buchhandlungen gebrauchte Bücher in Zahlung geben; Rebuy kann diese Exemplare anschließend weiterverkaufen. Damit erweitert das Unternehmen sein bisher vor allem online geprägtes Modell um einen Zugang zu physischen Verkaufsstellen und schafft eine neue Quelle für den Ankauf gebrauchter Bücher.
Der Zukauf verschafft Rebuy nach den vorliegenden Angaben jährlich rund eine Million zusätzliche Bücher. Das ist für das Unternehmen ein spürbarer Ausbau des Angebots: Im vergangenen Jahr verkaufte Rebuy 9,7 Millionen gebrauchte Bücher und erzielte damit einen Umsatz von gut 70 Millionen Euro. Die Übernahme stärkt damit nicht nur das Sortiment, sondern auch die Beschaffungsseite eines Geschäftsmodells, das im E-Commerce und im Onlinehandel mit Secondhand-Ware an Bedeutung gewinnt.
Auch wettbewerblich ist der Schritt bemerkenswert. Zeercle hätte nach den vorliegenden Informationen ebenfalls für Momox interessant sein können, einen wichtigen Konkurrenten von Rebuy im Handel mit gebrauchten Medien. Mit der Übernahme sichert sich Rebuy daher nicht nur zusätzliche Ware und neue Handelspartner, sondern schwächt zugleich einen Rivalen in einem Markt, in dem Zugang zu attraktiven Beständen ein entscheidender Vorteil ist.
Für den Einzelhandel zeigt der Deal, wie eng sich stationäre Buchhandlungen und digitale Recommerce-Modelle inzwischen verzahnen können. Zeercle organisiert den Ankauf dort, wo Bücher bereits gekauft und gelesen werden; Rebuy übernimmt die Weitervermarktung über seine Plattform. Die Übernahme macht damit deutlich, dass der Secondhand-Buchmarkt nicht allein über Reichweite im Netz entschieden wird, sondern zunehmend über Partnerschaften, Verfügbarkeit und eine effiziente Rückführung gebrauchter Produkte in den Verkauf.
Insgesamt positioniert sich Rebuy mit Zeercle breiter im Markt für gebrauchte Bücher: mehr Beschaffung, neue Handelszugänge und zusätzliche Skalierung im Kerngeschäft. Der Zukauf verbindet die Nachfrage nach Secondhand-Produkten mit bestehenden Strukturen im Buchhandel – und unterstreicht, dass Recommerce längst zu einem relevanten Wettbewerbsfeld im Handel geworden ist.

Redakteur
David Wöllenstein ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Er schreibt über E-Commerce, Retail-Technologie und digitale Geschäftsmodelle — zuletzt intensiv über Agentic Commerce und den Einsatz von KI im Handel.
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