Revolut verschärft den Zinswettbewerb um deutsche Tagesgeldkunden
Revolut erhöht den Druck im deutschen Tagesgeldmarkt deutlich: Wie Manager-Magazin.de berichtet, bietet die britische Neobank deutschen Neukunden derzeit 4,25 Prozent Zinsen auf Tagesgeld. Das Angebot gilt für vier Monate und liegt damit über den Konditionen wichtiger Wettbewerber. Chase war erst kurz zuvor mit vier Prozent für Neukunden in Deutschland gestartet, Trade Republic bietet aktuell 2,25 Prozent und koppelt seine Tagesgeldzinsen an den EZB-Einlagezins.
Der Wettbewerb zeigt, wie stark Banken und Neobanken derzeit um Einlagen deutscher Sparer ringen. Lange konnte Trade Republic mit vergleichsweise hohen Zinsen punkten, während etablierte Direkt- und Filialbanken deutlich niedrigere Sätze zahlten: ING-Bestandskunden erhalten laut vorliegenden Angaben 0,75 Prozent, Comdirect-Kunden 1,5 Prozent und Kunden der Deutschen Bank 0,5 Prozent. Auch Lockangebote für Neukunden wurden zuletzt angehoben, etwa bei der ING auf 3,75 Prozent für vier Monate oder bei Consors Bank auf 3,5 Prozent für fünf Monate. Revolut setzt sich nun laut Verivox-Daten mit dem aktuellen Höchstsatz an die Spitze.
Ein wichtiger Baustein des neuen Angebots ist die Absicherung der Einlagen. Neu eröffnete Revolut-Tagesgeldkonten werden demnach ab sofort bei der Deutschen Bank gehalten und sind über die gesetzliche deutsche Einlagensicherung bis 100.000 Euro abgesichert. Zuvor hatte Revolut die litauische Einlagensicherung genutzt. Für viele Sparer dürfte dieser Wechsel ein relevantes Signal sein, weil neben dem Zinssatz auch die Einlagensicherung über die Attraktivität eines Tagesgeldangebots entscheidet.
Für Revolut ist der Schritt zugleich Teil einer breiteren Wachstumsstrategie in Deutschland. Seit dem Markteintritt 2022 kommt die Neobank hier auf mehr als drei Millionen Kunden, liegt damit aber deutlich hinter Märkten wie Frankreich mit acht Millionen Kunden. Um die Bekanntheit zu steigern, setzte das Unternehmen zuletzt auf eine breit angelegte Marketing-Offensive: mit Fußballweltmeister Mario Götze, Sponsoring beim Berlin-Marathon, Werbung am Berliner Flughafen und einem Deal mit dem neuen Formel-1-Team von Audi. Das Tagesgeldangebot wirkt vor diesem Hintergrund wie ein weiterer Hebel für die Expansion im deutschen Markt.
Für Zinsjäger bedeutet der Wettbewerb vor allem: Konditionen ändern sich schnell, und die höchsten Sätze gelten meist nur befristet für Neukunden. Wer die Angebote konsequent nutzen will, muss Banken häufiger wechseln und sollte alte Konten nicht unnötig weiterführen. Denn laut vorliegenden Angaben gilt man erst sechs Monate nach Kontoschließung wieder als Neukunde und kann dann erneut von zeitlich begrenzten Aktionszinsen profitieren.

Redakteur
David Wöllenstein ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Er schreibt über E-Commerce, Retail-Technologie und digitale Geschäftsmodelle — zuletzt intensiv über Agentic Commerce und den Einsatz von KI im Handel.
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