Costco wächst gegen den Markttrend
Costco hat im Juli 2026 ein deutliches Umsatzplus erzielt und sich damit vom schwächeren US-Einzelhandelsumfeld abgesetzt. Der Nettoumsatz des amerikanischen Omnichannel-Großhändlers stieg im Vergleich zum Vorjahresmonat um 10,7 Prozent auf 23,12 Milliarden US-Dollar, meldet Boerse-Express.de. Während die allgemeinen Einzelhandelsumsätze in den USA laut Medienberichten um 0,6 Prozent zurückgingen, übertraf Costco die Erwartungen vieler Marktteilnehmer und unterstrich seine operative Widerstandsfähigkeit in einem angespannten Konsumumfeld.
Besonders stark entwickelte sich das digitale Geschäft. Im E-Commerce legten die vergleichbaren Umsätze um 17,7 Prozent zu und lieferten damit einen zentralen Wachstumsbeitrag. Auch das stationäre Geschäft blieb robust: Die bereinigten vergleichbaren Umsätze stiegen insgesamt um 8,9 Prozent. Das Zusammenspiel aus Online-Dynamik und stabiler Nachfrage in den Filialen zeigt, dass Costcos Omnichannel-Modell weiterhin trägt.
Ein entscheidender Erfolgsfaktor bleibt die außergewöhnlich hohe Kundenbindung. In Nordamerika verlängerten weiterhin mehr als 92 Prozent der zahlenden Mitglieder ihre Karte. Diese wiederkehrenden Einnahmen aus Mitgliedsbeiträgen geben dem Konzern finanziellen Spielraum, Produkte wettbewerbsfähig zu bepreisen. Die daraus resultierende aggressive Preisgestaltung zeigte sich zuletzt auch in einem branchenweiten Preiskampf bei Butterprodukten, bei dem Costco durch strategische Partnerschaften günstigere Konditionen als Wettbewerber erzielen konnte.
An der Börse wird der operative Erfolg dennoch differenziert bewertet. Die Costco-Aktie gilt mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von etwa 48 als hoch bewertet; Analysten von Motley Fool verweisen auf ein Premium von rund 86 Prozent gegenüber dem S&P 500. Zugleich bleibt das Expertenurteil überwiegend positiv: Das Konsensrating lautet weiterhin „Moderate Buy“, das durchschnittliche Kursziel liegt bei rund 1.059,53 US-Dollar. Die Bewertungssorgen stehen damit einer weiterhin positiven Einschätzung der Wachstumsperspektiven gegenüber.
Auch institutionelle Investoren zeigen kein einheitliches Bild. Während Werba Rubin Papier seine Position im zweiten Quartal 2026 um mehr als 40 Prozent reduzierte, stockten andere Adressen wie Borer Denton & Associates ihre Anteile moderat um 5,9 Prozent auf. Diese Bewegungen deuten auf eine vorsichtige Abwägung zwischen Gewinnmitnahmen angesichts der hohen Bewertung und Vertrauen in den weiteren Wachstumskurs hin. Die Aktie schloss zuletzt bei 831,90 Euro und lag damit rund 0,5 Prozent über ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 827,93 Euro. Seit Jahresbeginn beträgt das Plus 13 Prozent; vom 52-Wochen-Tief bei 716,20 Euro im Dezember hat sich der Wert deutlich entfernt.
Für Anleger richtet sich der Blick nun auf die nächsten Quartalsberichte großer Einzelhändler. Sie dürften zusätzliche Hinweise darauf liefern, ob Costcos starke Juli-Zahlen ein unternehmensspezifischer Ausreißer bleiben oder ein Signal für belastbare Nachfrage in einzelnen Handelssegmenten sind. Der Konzern geht jedenfalls mit starkem Mitgliederfundament, wachsendem Onlinegeschäft und Preissetzungsspielraum in die kommenden Monate.

Redakteur
Thomas Rehm ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Der erfahrene Fachjournalist schrieb zuvor viele Jahre für Titel der dfv Mediengruppe, darunter das Konsumgüter- und Verpackungsportal packaging-360.com, und begleitet heute die Themen Handel, Konsumgüter und Digitalisierung.
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