Otto berät Kunden jetzt auch innerhalb von ChatGPT, berichtet Retail-News.de. Wer das Plugin installiere, könne sich per „@Otto“ zu mehr als 19 Mio. Artikeln beraten lassen. Dahinter stecke eine Schnittstelle auf Basis des offenen Standards Model Context Protocol. Später solle sie KI-Agenten erlauben, Preise und Bestände abzufragen und selbst zu bestellen. Parallel teste Otto Werbeanzeigen in ChatGPT.
Otto erweitert seine Handelsplattform um einen neuen Zugangspunkt in ChatGPT. Wie Retail-News.de berichtet, können Nutzer nach Installation des Plugins per „@OTTO“ eine Produktberatung starten. Die Erweiterung greift auf das Sortiment mit mehr als 19 Millionen Artikeln zu und soll Kunden etwa bei der Auswahl von Haushaltsgeräten oder Kaffeemaschinen unterstützen.
Produktberatung außerhalb des Onlineshops
Das Plugin ist über den Plugin-Bereich von ChatGPT verfügbar, der zuvor als Bereich für „eigene GPTs“ geführt wurde. Nutzer beschreiben dort ihre Anforderungen, die KI schlägt passende Produkte aus dem Otto-Sortiment vor. Der Kauf selbst findet weiterhin im Onlineshop statt. Dort schließen Kunden die Bestellung ab und können zusätzliche Leistungen wie Montage oder Installation buchen.
Für Otto ist der Schritt ein konkreter Testfall für KI-gestützte Einkaufsprozesse außerhalb der eigenen Plattform. Die Beratung wird in die Umgebung eines externen Assistenten verlagert, während Warenkorb, Checkout und Serviceleistungen vorerst bei Otto bleiben. Damit sammelt der Händler Erfahrungen damit, wie Produktsuche und Kaufanbahnung in dialogbasierten Oberflächen funktionieren.
MCP als Grundlage für Agentic Commerce
Technische Basis ist eine von Otto Group one.O entwickelte Schnittstelle auf Basis des offenen Standards Model Context Protocol. Über diesen API-Endpunkt können externe KI-Anwendungen standardisiert mit ausgewählten Systemen der Handelsplattform kommunizieren. Langfristig sollen KI-Agenten darüber aktuelle Preise und Warenbestände abrufen, Bestellungen auslösen oder Rechnungsdaten in ERP-Systemen bearbeiten können.
Otto beschreibt diese Funktionen als künftige Einsatzmöglichkeiten. Sie sind nach Unternehmensangaben noch keine vollständig verfügbaren Leistungen des neuen Plugins. Frederike del Castillo, Head of Strategy Implementation & Insights bei Otto, sieht gemeinsame Protokollstandards als wichtige Voraussetzung für Agentic Commerce. Das ChatGPT-Plugin dient zunächst dazu, praktische Erfahrungen mit dynamischen Schnittstellen im E-Commerce zu gewinnen.
Eigener Assistent liefert Vergleichswerte
Auf der eigenen Plattform nutzt Otto seit März 2026 bereits einen sprachgesteuerten Einkaufsassistenten auf Basis von Google-Technologie. Dieser ermöglicht Produktberatung im gesprochenen Dialog. Nach Unternehmensangaben erzielt die Anwendung gegenüber der klassischen Suche bis zu 37 Prozent höhere Bestellwerte und eine doppelt so hohe Conversion.
Diese Kennzahlen beziehen sich ausschließlich auf den unternehmenseigenen Assistenten. Sie gelten nicht für das neue ChatGPT-Plugin. Für die externe Erweiterung nennt Otto bislang keine Leistungswerte, sondern positioniert sie als ersten konkreten Anwendungsfall für Beratung in einer fremden KI-Umgebung.
Werbung in ChatGPT im Test
Parallel beteiligt sich Otto seit September 2026 nach eigenen Angaben als einer der ersten europäischen Partner an einem Test von ChatGPT Ads. Der Händler will damit zusätzliche Sichtbarkeit in KI-gestützten Einkaufsprozessen gewinnen. Die bisherigen Ergebnisse bewertet das Unternehmen als vielversprechend und prüft einen dauerhaften Einsatz.
Konkrete Zahlen zur Werbewirkung oder Wirtschaftlichkeit nennt Otto nicht. Besonderen Wert legt das Unternehmen auf die erkennbare Trennung zwischen bezahlten Anzeigen und organischen Empfehlungen. Transparenz soll das Vertrauen der Verbraucher in KI-basierte Einkaufsangebote sichern.
Mit Plugin, MCP-Anbindung und Werbetests baut Otto seine Präsenz jenseits des klassischen Onlineshops aus. Die Produktberatung über ChatGPT ist bereits verfügbar; die automatisierte Abwicklung durch KI-Agenten bleibt ein längerfristiges Ziel. Der Kaufabschluss erfolgt weiterhin über die Otto-Plattform, während der Werbetest seit September 2026 läuft.
