
Abwicklung der Arcandor-Pleite "dauert Jahrzehnte"
Die Vorbereitungen für die Gläubigerversammlungen von Arcandor laufen auf Hochtouren. Die Pleite könnte als einer der größten deutschen Insolvenzfälle in die Wirtschaftsgeschichte eingehen.
David WöllensteinRedakteurInsgesamt 54 Einzelverfahren
Der Kölner Anwalt Klaus Hubert Görg wurde vom Essener Amtsgericht zum Herrn über 37 der insgesamt 54 Einzelverfahren bestellt. Darunter sind neben der Holding mit dem Kunstnamen Arcandor AG die wichtigsten Konzerngesellschaften wie der Warenhausriese Karstadt und der Versandhändler Quelle.
Weitere Verfahren für Tochterunternehmen aus dem weit verzweigten Unternehmen beschäftigen Amtsgerichte und Kollegen von Görg im bayerischen Fürth ebenso wie in Düsseldorf oder Frankfurt. Hintergrund des komplizierten Vorgangs ist das deutsche Insolvenzrecht, das keine übergreifende Abwicklung einer Konzerninsolvenz vorsieht.
„Zehn bis zwanzig Jahre Bearbeitungszeit"
Bei der Abwicklung der Arcandor-Insolvenz rechnen Experten eher in Jahrzehnten. Etwa zehn bis zwanzig Jahre könne ein solches Verfahren wie die Arcandor-Insolvenz bis zum endgültigen Abschluss auch des letzten Einzelverfahrens dauern, schätzt der auf große Insolvenzverfahren spezialisierte Anwalt Bruno Kübler.
Als Vergleichsfall gilt im Ruhrgebiet die Insolvenz des Oberhausener Anlagenbauers Babcock-Borsig. Nach der Eröffnung des Verfahrens im Jahr 2002 wird derzeit mit einer Verfahrensdauer bis zum Jahr 2015 gerechnet. Die Akten-Ordner in dem komplizierten Fall sind bereits auf eine Länge von schätzungsweise 34 Kilometer angewachsen.

Redakteur
David Wöllenstein ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Er schreibt über E-Commerce, Retail-Technologie und digitale Geschäftsmodelle — zuletzt intensiv über Agentic Commerce und den Einsatz von KI im Handel.
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